Sport : Einfach auf Löschen drücken

Nach ihrem Aussetzer in der Staffel gewinnt Neuner in Oberhof den Sprint.

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Nur ihr Schatten ist schneller. In Oberhof zeigte Magdalena Neuner am Freitag die beste Lauf- und Schießleistung. Foto: dapd
Nur ihr Schatten ist schneller. In Oberhof zeigte Magdalena Neuner am Freitag die beste Lauf- und Schießleistung. Foto: dapdFoto: dapd

Um 18.34 Uhr war Magdalena Neuner in ihre Abendschicht gestartet, um Punkt 19 Uhr war sie schon wieder so weit, dass sie vor den Zuschauerrängen der Rennsteig-Arena von Oberhof eifrig Hände schütteln konnte. Die riesige weiße Plastiktüte in ihrer Hand störte dabei zwar etwas, zu ein paar zusätzlichen Wink-Einheiten Richtung Publikum reichte es trotzdem. Denn auch wenn eine ihrer schärfsten Konkurrentinnen, die Russin Olga Saizewa, in diesem Augenblick gerade erst auf die 7,5 Kilometer lange Sprintstrecke ging, durfte sich Neuner dank einer rundum gelungenen Vorabendvorstellung, zwei schnelle, fehlerfreie Schießeinlagen inklusive, bereits genüsslich auf ihren dritten Weltcupsieg in diesem Winter einstellen.

Am Ende gewann die 24-Jährige mit 37 Sekunden Vorsprung auf die Weißrussin Darja Domratschewa und 43 Sekunden vor der Drittplatzierten Saizewa. Für Neuner ein gewöhnliches Resultat. Nachdem Staffelrennen aber war der 27. Einzelerfolg im Weltcup eben doch ein spezieller für sie. Denn am Mittwoch hatte sie das deutsche Quartett mit sieben Fehlschüssen bei acht Versuchen eigenhändig um Sieg und Podiumsplatz gebracht. Anschließend waren Sondermaßnahmen gefragt. Und so holte sich die Oberbayerin ihre Selbstsicherheit bei einer Übungseinheit in der windstillen Skihalle am Grenzadler zurück – und fragte wieder einmal ihren Mentaltrainer um Rat.

Der Name des Mannes bleibt weiterhin fest unter Verschluss. „Man muss auch seine Geheimnisse haben. Außerdem braucht er keine Reklame, er hat genug Kunden“, sagte Neuner am Freitag über ihren psychologischen Helfer, dank dem sie 2010, in sich ruhend, schon zu olympischem Doppel-Gold gestürmt war. Und auch diesmal erfüllten die Extra-Sessionen ihren Zweck. „Gestern und heute habe ich wieder viel mental gearbeitet, das war wichtig nach der Staffel“, sagte Neuner, als sie an der Stätte ihres allerersten Weltcupsieges (2007) erneut triumphiert hatte.

Wobei der Tipp, den sie vom Psychologen bekommen hatte, nicht eben nach Hexerei klang. „Ich hab’ einfach die Staffel aus meinem Gedächtnis gestrichen“, erzählte die Siegerin. Und: „Ich hab’ mir einfach gesagt: Die Scheiben sind so groß, die kann ich gar nicht verfehlen.“ Der simple Trick funktionierte, und Magdalena Neuner konnte in gewohnter Nonchalance auf ihr persönliches Tief zurückblicken: „Für mich war der Mittwoch nicht so ein Mega-Weltuntergang wie für viele andere. Ich hab’ halt einen Aussetzer gehabt, aber jetzt konnte ich Gott sei Dank die Löschen-Taste drücken.“

Löschen würde Teamkollegin Andrea Henkel („Am Morgen dachte ich noch, dass es mir gut geht – aber es ging mir dann doch nicht gut“) gerne den Oberhof-Sprint – auch wenn sie mit ihrem fünften Rang um Längen besser war als die übrigen deutschen Starterinnen Tina Bachmann (32.), Miriam Gössner (37.), Sabrina Buchholz (41.) und Franziska Hildebrand (43.). „Mit dem Platz bin ich zufrieden, mit meiner Form nicht“, sagte die kleine Lokalmatadorin. Denn, so Henkel: „Ich habe heute definitiv von den Fehlern anderer profitiert.“

Eine Unterstützung, die Magdalena Neuner diesmal nicht nötig hatte. Besonders erfreulich für die Frau mit der überwundenen Kurzzeitkrise: Die Konkurrentinnen Domratschewa (eine Strafrunde) und die Finnin Kaisa Mäkäräinen (zwei), die die in der Teildisziplin Skilanglauf eigentlich bärenstarke Deutsche bei den Dezember-Weltcups in der Loipe noch leicht düpiert hatten, waren auch unter Berücksichtigung der rund 25 Sekunden dauernden Strafrunden nun langsamer als Neuner. Am Laufen hatte die gebürtige Garmisch-Partenkirchenerin zwischen den Jahren in der bayerischen Heimat gefeilt, an den Tücken der Schießerei nun in Oberhof. „Der Kopf“, hat Neuner im Thüringer Wald jedenfalls einmal mehr erkannt, „spielt halt wirklich eine große Rolle.“

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