Sport : Einfach cool bleiben

Beim SC Freiburg haben sie inzwischen so viel Selbstvertrauen, dass ein Rückstand nicht stört

Uwe Rogowski[Freiburg]

Nach dem 2:3 des 1. FC Köln beim Fußball-Bundesligisten SC Freiburg machte die Polemik die Runde, dass sich Kölns Star Lukas Podolski nach dem Spiel mehr bewegt habe als auf dem Platz. Die Mädchen aller Schulklassen Freiburgs schienen auf den Beinen, um dem Teenager-Liebling ganz nah zu sein. Podolski musste viele Autogramme unterschreiben, ehe er sich in den Bus vorarbeiten konnte und das Fahrzeug unter „Poldi, Poldi“-Sprechchören anfuhr. Die Freiburger Profis konnten hingegen nahezu unbedrängt ihren Feierabend antreten.

Es kommt den Freiburgern gelegen, dass sie keine große Aufmerksamkeit genießen. So können sie ungestört an ihrer Erfolgsstory werkeln. Trainer Robin Dutt verkündete selbstbewusst: „Unser Spiel hätte ein deutlicheres Ergebnis als 3:2 verdient gehabt.“

Dem ist nur zuzustimmen. Auch gegen den 1. FC Köln zeigten die Freiburger ihr Spiel mit viel Kampf und flottem Offensivdrang. Bereits seit Wochen schon fragt man sich in Freiburg, ob das nur eine gute Phase sei oder doch Leistung auf dauerhaft hohem Niveau. Im Moment deutet vieles auf die zweite Variante hin. Selbst gegen Wolfsburg (1:2) und Schalke (1:2) waren die Freiburger spielerisch die bessere Mannschaft.

Gegen Köln hatten die Freiburger nach schnellem 2:0 und dem Kölner Ausgleich zum 2:2 nur kurz mit mentalen Problemen zu kämpfen. Rund 15 Minuten gaben sie den Kölnern das Gefühl, die bessere Mannschaft zu sein. Doch es war verblüffend zu sehen, wie die Freiburger bald wieder attackierten und die Balance hielten, statt wie Amateure anzugreifen. „Wir haben auch nach dem Ausgleich gewusst, dass wir gut genug sind, um zu gewinnen“, sagte der Freiburger Cedric Makiadi.

Der Teamgeist spielt bei den Badenern eine große Rolle. „Im Grunde kommen jeden Tag 20 Freunde auf dem Trainingsplatz zusammen. Das erzeugt ein Wir-Gefühl“, behauptet Mittelfeldspieler Yacine Abdessadki. Das mit den Freunden ist natürlich horrender Blödsinn. Die Profis empfinden auch immer das Konkurrenzgefühl. Aber was er sagen will: Die Grundstimmung ist derzeit gut.

Neben fußballerischem Können ist das Ganze auch eine Frage des Charakters. Beim SC Freiburg sind nicht Freunde versammelt, aber auch keine lupenreine Egoisten. Reflektierende Profis wie Rosenthal, Felix Bastians oder Julian Schuster stehen stellvertretend für das gewachsene SC-Team. Stinkstiefel und Eifersüchteleien könne man sich nicht leisten, sagen die SC-Verantwortlichen, die mit Papiss Cissé (sieben Saisontore) zudem einen überragenden Einkauf tätigten.

Dennoch bleibt eine Mannschaft wie Freiburg immer ein anfälliges Gebilde. Das gute Niveau über Monate zu halten, ist eine große Herausforderung. Robin Dutt orientiert sich deshalb an Konkurrenten wie Kaiserslautern oder Nürnberg. „Wir dürfen uns nicht zu sehr am Tabellenplatz erfreuen“, sagt Dutt, „sondern müssen den Punktabstand zu unsere Konkurrenten berechnen.“

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