Sport : Einfacher als Müll trennen

Alba Berlin schlägt Bamberg in der Euroleague überraschend deutlich mit 82:63.

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Aus dem Weg geräumt. Albas Je’Kel Foster (rechts) lässt Bamberg keine Chance.Foto: dpa
Aus dem Weg geräumt. Albas Je’Kel Foster (rechts) lässt Bamberg keine Chance.Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es gab keinen Pokal, keine Medaille, kein Konfetti und auch kein Funktionärshändeschütteln. Nur der Applaus der 8533 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof kündete davon, dass Alba Berlin als erster deutscher Basketball-Verein ein Spiel in der Top-16-Phase der Euroleague gewonnen hatte. „Ein historischer Abend“, jauchzte der Hallensprecher. Naja. Beim 82:63 (36:34) gegen die Baskets Bamberg hatte sich Alba jedenfalls überraschend klar durchgesetzt im deutschen Schneckenrennen um den ersten Sieg in der Zwischenrunde des Europapokals.

Während die Berliner im fünften Gruppenspiel den ersten Erfolg feierten, stehen die Bamberger nun mit fünf Niederlagen allein am Tabellenende. Schon beim 90:75-Bundesligasieg Mitte Dezember hatten die Berliner den Serienmeister der letzten Jahre dominiert, „Ihr seid nur ein Punktelieferant!“, sangen die Alba-Fans. „Ein großer Moment für den deutschen Basketball“, sagte auch Nihad Djedovic pathetisch, der mit 20 Punkten, acht Rebounds und vier vom Gegner gestohlenen Bällen überragte.

Die mitgereisten Bamberger Fans – weniger als sonst – gingen vor Spielbeginn in die Kuscheloffensive. „Weil wir Euch mögen!“, stand auf einem Plakat an die Berliner gerichtet, als Replik auf Heiko Schaffartziks mittlerweile sprichwörtlichen Urteil über die Bamberger, die er „einfach nicht mag“. Fast ebenso kuschelig begannen die Gäste auf dem Feld. Alba zog im ersten Viertel mit elf Punkten in Folge auf 17:7 davon, ein Vorsprung, den die Berliner im zweiten Viertel auf 14 Zähler ausbauten. In der Offensive zeigte sich Alba nach zwei trainingsreicheren Wochen verbessert und beweglich, defensiv erzeugten die Berliner viel Druck auf die Bamberger und ließen sich schwer abschütteln.

Der Deutsche Meister musste sich selbst schlechte Wurfpositionen noch hart erarbeiten und die wenigen einfachen Körbe gelangen nicht. Zweimal dunkte Albert Miralles mit Macht über Bamberger hinweg. Doch dann fiel Alba in alte Muster zurück, die Spieler warfen zu überhastet, spielten kaum mehr zusammen. Die Gäste begannen, ihre Dreipunktewürfe zu treffen, kamen bis auf einen Punkt heran und glichen kurz nach dem Seitenwechsel aus, 36:36.

Alba antwortete mit 15:2 Zählern, stoppte hinten schnell Angriffe und startete vorne Schnellangriffe, Djedovic traf dazu zwei Dreier in letzter Sekunde. Nach einem Dreipunktspiel des bulligen Je'Kel Foster betrug der Vorsprung 17 Punkte, bald darauf 19. Das Spiel zerfiel nun zusehends in Fouls und Freiwürfe, weil die Schiedsrichter immer kleinlicher pfiffen. Eng war der Spielstand nur beim Pausenspiel, als zwei Fans um die Wette Müll trennen und recyceln mussten, Endstand: 6:6.

Bamberg kam im vierten Viertel nicht näher als auf elf Punkte an die Berliner heran. Als Djedovic über Bostjan Nachbar hinweg seinen dritten Dreier verwandelte, hielt er dem Bamberger triumphierend drei Finger ins Gesicht, Nachbar keifte vergeblich zurück. Als auch noch Center Miralles mit der Schlusssirene seinen ersten Dreipunktewurf verwandelte, war die Demütigung perfekt. „Die Bamberger waren am Schluss sauer, aber das ist auch gut so“, sagte Berlins Yassin Idbihi.

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