Sport : Einmal Kiez, immer Kiez

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Michael Rosentritt über

die Qualität des 1. FC Union

Was waren sie stolz auf ihren 1. FC Union, draußen in Köpenick, am Rand der Stadt. Bei Union war es immer ein wenig anders als anderswo. Zu DDRZeiten sowieso, und jetzt erst recht. Union roch und riecht nach Fußball ohne Firlefanz, ohne künstliche Eleganz. Vor zwei Jahren wäre es dem „immer schon unterdrückten, aber immer schon kultigen“ Verein (Selbsteinschätzung) beinahe gelungen, einen Sprung zu machen. Der damalige Regionalligist stieg auf in den bezahlten Fußball, stand im deutschen Pokalfinale und spielte vor auf internationaler Bühne. Der 1. FC Union hatte sich auf den Weg gemacht, Hertha BSC zu ärgern.

Seitdem ist nicht nur Zeit vergangen, sondern, was Union betrifft, Zeit vertan worden. Union hat das Kunststück fertig gebracht, die Zeit zurückzudrehen. Der Verein präsentiert sich in so ziemlich jeder Hinsicht unprofessionell. Da mag sich der Verein als einziger im bezahlten Fußball keinen hauptamtlichen Manager leisten, weil ein machtverliebter Präsident lieber alles allein macht und Misserfolge im Zweifelsfall auf die Presse schiebt. Da kommt Union nach einer schleichenden Demontage der Trainer abhanden, der drei Jahre lang für den sportlichen Aufstieg stand. Und wer will denn noch einen Klub ernst nehmen, der in einer an Albernheit schwer zu überbietenden Internet-Auktion einen Platz auf der Trainerbank versteigert? (Mal davon abgesehen, dass er das gemäß den Statuten der Deutschen Fußball-Liga gar nicht darf.)

Was waren sie mal stolz auf ihren 1. FC Union, draußen in Köpenick, am Rand der Stadt. Vermutlich empfinden sie den Stolz immer noch. Ohne dabei zu merken, dass sie dies mittlerweile wieder exklusiv haben. Der 1. FC Union hat so ziemlich alle Elfmeter verschossen, die sich in den vergangenen eineinhalb Jahren boten. Der Verein ist heute wieder das, was er schon immer war und wohl auch auf absehbarere Zeit bleiben wird: ein Köpenicker Kiezverein. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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