Sport : Einmal London und zurück?

Hertha BSC verpflichtet den Tschechen Rudolf Skacel - Posse um den Gilberto-Wechsel zu Tottenham

Claus Vetter

Berlin - Den Verlauf seines gestrigen Arbeitstages wird sich Dieter Hoeneß anders vorgestellt haben. Sicher, der Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC konnte ahnen, dass es hektisch werden würde an dem Tag, an dessen Ende in der Bundesliga um 24 Uhr die Transferliste schließt . Schließlich wollte Hoeneß ja noch Ersatz für Gilberto verpflichten. Dann aber wurde der längst beschlossene Transfer des Brasilianer zu Tottenham Hotspur zu einer Posse mit überraschenden Wendungen. „Um ein Uhr morgens hatte ich eine Meldung auf der Mailbox, dass sich Tottenham und Gilberto nicht einigen konnten“, erzählt Hoeneß. „Am Donnerstagmorgen war das Thema dann für uns gegessen.“ Es sah so aus, als würde Gilberto in Berlin bleiben. Dann aber wurde es verwirrend: Gilberto sollte doch wieder zurück nach London – und der Tscheche Rudolf Skacel kam nach Berlin als Ersatz für den Brasilianer.

Und Skacel wurde spätabends dann tatsächlich verpflichtet: Er wird ausgeliehen bis Saisonende - Hertha hat eine anschließende Kaufoption. Der 28-Jährige erhält die Rückennummer 6. „Wir freuen uns, dass wir einen international erfahrenen Mittelfeldspieler verpflichten konnten , der auf der linken Seite variabel einsetzbar ist“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Zuletzt spielte der Tscheche in der zweiten englischen Liga für den FC Southampton. Drei Länderspiele für sein Heimatland hat er hinter sich, dazu ist er viel herumgekommen in den vergangenen vier Jahren. Er war bei Olympique Marseille, Panathinaikos Athen, dann in Edinburgh bei Heart of Midlothian und zuletzt in England. Dort also, wohin Gilberto nach verwirrenden Verhandlungen wechseln will. Nach einer abschließenden medizinischen Untersuchung sei, so Hoeneß, aus London übermittelt worden, dass es „Probleme mit Gilbertos Sprunggelenk“ gäbe. „Allerdings hieß es, der Schaden sei nicht so massiv.“ Was haben sie sich in Tottenham dabei gedacht?, dachte man nun in Berlin. Für die Engländer war die im Raum stehende Ablöse von 2,6 Millionen Euro schließlich kein Vermögen. Zudem bot Tottenham nach Hertha-Darstellung Gilberto nur noch einen Vertrag bis 2009 – und nicht wie ursprünglich vereinbart bis 2010. Nun lehnte der Spieler ab, und Hertha vermeldete gestern Mittag: Gilberto bleibt.

Die Suche nach einem Nachfolger fürs linke Mittelfeld schien damit eingestellt. Dann aber habe Tottenham plötzlich doch wieder einen längeren Vertrag für Gilberto angeboten; derweil ergab sich die Chance mit dem Transfer von Skacel nach Berlin. Der Tscheche reiste am Nachmittag nach Berlin. Dort machte er die medizinische Untersuchung. man wurde sich danach schnell einig. Noch offen war allerdings bis Redaktionsschluss, ob denn nun auch Gilberto mit Tottenham Einigung erzielt hat. Mit 28 Jahren ist Gilberto einst nach Berlin gekommen. Der Klub versprach sich viel von ihm, und der Brasilianer versprach Hertha Glanz und Spielkultur. Doch ein Gestalter wie es Marcelinho und Yildiray Bastürk bei Hertha sein konnten, wenn sie wollten, wollte Gilberto nie sein. So etwas hatte er in Brasilien im Klub nicht gespielt, so etwas spielt Gilberto auch in der Auswahl seines Landes nicht: Dort ist er ein Rollenspieler, kein Spielgestalter – und kein Stammspieler.

Hertha vor der Rückrunde: Seite 3

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