Sport : Einmal Peking und zurück

Bevor Deutschlands Basketball-Team neu formiert werden muss, will es die Olympia-Qualifikation schaffen

Benedikt Voigt[Saitama]

Nach bedeutsamen Niederlagen greift Dirk Nowitzki gerne zum Rasierer. So war es im Juni, als der deutsche Basketball-Nationalspieler die NBA-Finalserie verloren hatte. „Es musste etwas passieren“, erklärte Nowitzki. Auch nach der Niederlage im Viertelfinale der Basketball-Weltmeisterschaft gegen die USA erschien der blonde Basketballer am folgenden Tag ohne Bart in der Saitama Super Arena. Kurze Zeit später aber sprossen schon wieder die ersten Haare an seinem Kinn.

Es geht wieder los zu neuen Zielen. Für Dirk Nowitzki zunächst mit den Dallas Mavericks in der nordamerikanischen Profiliga NBA. „Ich freue mich auf eine schöne und lange Saison“, sagt er. Und danach mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2007 in Spanien. Dort wird sich zeigen, ob sich die aktuelle deutsche Auswahl zu einem letzten Höhepunkt aufschwingen kann. Oder ob sie ihren Leistungszenit überschritten hat, wie der aktuelle achte Platz bei der Basketball-Weltmeisterschaft in Japan vermuten lässt. Vor vier Jahren hatte das Team in Indianapolis Bronze gewonnen, im vorigen Jahr bei der Europameisterschaft Silber. „Wir werden alle nicht jünger“, sagt der 31-jährige Centerspieler Patrick Femerling, „aber wir haben voriges Jahr gezeigt, dass wir Mannschaften wie Spanien schlagen können. Warum soll uns das nicht noch einmal gelingen?“

In Spanien könnte sich entscheiden, ob die Mannschaft um Dirk Nowitzki ihr abschließendes Ziel erreicht – oder nicht. Erstmals will das Team an Olympischen Spielen teilnehmen, „aber die Qualifikation für Peking wird sehr schwer“, sagt Femerling. Sechs europäische Teams fanden sich bei der WM unter den letzten acht wieder, zudem kämpfen 2007 auch noch europäische Basketballnationen wie Serbien, Slowenien, Italien oder Russland um einen Olympia-Startplatz. Die beiden Finalisten der EM qualifizieren sich direkt für Peking, sollte sich der neue Weltmeister Spanien darunter befinden, genügt auch der dritte Platz. Zudem besitzt Europa vier Startplätze im neu geschaffenen Olympiaqualifikationsturnier. Falls Spanien unter die ersten sechs kommt, reicht auch der siebte Platz, um Peking zumindest einen Schritt näher zu kommen.

Die schwankenden Leistungen von Japan dürften dafür jedoch nicht ausreichen. „Wir müssen uns weiter verbessern“, forderte Dirk Nowitzki, „jeder muss sich an die eigene Nase fassen.“ Als Gewinner der Weltmeisterschaft dürfen sich Steffen Hamann und Johannes Herber fühlen, die erstmals ein großes Turnier im Nationaltrikot bestritten haben. „Ich kann noch mehr, als ich hier gezeigt habe“, sagte Herber. Und auch Demond Greene hat sich mit durchschnittlich 9,2 Punkten als zweite Option in der Offensive erwiesen. Verbessern muss die Mannschaft hingegen das Zusammenspiel gegen eine Zonenverteidigung. „Da haben wir das ganze Turnier über nicht gut ausgesehen“, sagte Nowitzki, „da müssen wir uns im nächsten Jahr etwas einfallen lassen.“

Schon vor dieser Weltmeisterschaft hatte er überlegt, ob er nach der langen NBA-Saison erst mal eine Pause einlegen solle. „Es gab Gespräche mit dem DBB“, sagte er, „aber abspringen ist nicht mein Stil.“ Spätestens nach 2008 aber will er seine Karriere im Nationalteam bis auf Weiteres beenden. Seine Pflichtspiele in der NBA und Nationalmannschaft haben sich in den letzten zehn Monaten auf 120 Partien summiert. Nun sagt er: „Lange mache ich das nicht mehr mit.“

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