Sport : Einsam an der Seitenlinie

Nach einem schlechten Saisonstart hat Klaus Augenthaler den Verein kritisiert – nun muss der Coach gehen

Erik Eggers[Leverkusen]

Als die 0:1-Heimniederlage Bayer Leverkusens gegen ZSKA Sofia in der ersten Runde des Uefa-Pokals Geschichte war, hatte Trainer Klaus Augenthaler angesichts der ziemlich erbärmlichen Leistung seines Teams über grundsätzliche Dinge gesprochen. „Für mich ist wichtig: Ich kann in den Spiegel schauen“, erklärte er. Da begleitete den Oberbayern schon die Angst, „dass man in Panik gerät und Schnellschüsse macht“. Augenthalers Angst war berechtigt. 15 Stunden nach dem Spiel wurde er entlassen, als erster Bundesligatrainer der laufenden Spielzeit. „Um die Ziele nicht zu gefährden, mussten wir diesen Weg gehen“, kommentierte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Beim Bundesliga-Auswärtsspiel am Sonntag in Duisburg wird Sportdirektor Rudi Völler als Interimstrainer (siehe Artikel unten) auf der Bank sitzen. „Ich bin überzeugt, dass Rudi Völler in der Lage ist, aus der Mannschaft rauszuholen, was in ihr drinsteckt“, sagte Holzhäuser.

Augenthalers Bilanz bei Bayer kann sich eigentlich sehen lassen: Als er im Mai 2003 kam, rettete er den Klub mit zwei Siegen vor dem Abstieg. Danach erreichte er die Champions League und den Uefa-Cup. Jetzt aber gab es den schlechtesten Saisonstart des Klubs seit 23 Jahren. Nach dem Auftaktsieg Leverkusens in Frankfurt hatte sich Holzhäuser schon öffentlich „auf Augenhöhe“ mit den Bayern gewähnt. Ein wenig voreilig, denn es folgten die Pleiten gegen Bayern (2:5) und in Wolfsburg (1:2); selbst die kämpferische Leistung gegen Schalke (1:1) tröstete die Klubführung nicht. Am Donnerstag dann machte Augenthaler seinem Ärger Luft. Das von Holzhäuser und Völler formulierte Ziel, die Champions League mit dem stark verjüngten Kader zu erreichen, ließe sich nur ohne Verletzte erreichen. Dennoch war Augenthaler dazu bereit, „den Weg des Vereins mitzugehen“.

Parallel aber ließ sich Augenthaler zu einer harschen Kritik an der Einkaufspolitik seines Arbeitgebers hinreißen. Auf die Diskussionen darüber, ob Linksverteidiger Athirson tatsächlich für diese Position geeignet sei, reagierte er mit Sarkasmus: „Er ist vor der Saison fünfmal oder sechsmal beobachtet worden. Es hat geheißen, er ist linker Verteidiger – aber was nützt mir das?“ Athirson hatte bei Sofias Tor am Donnerstag die Flugbahn eines Balles falsch eingeschätzt und damit das Konzept der „kontrollierten Offensive“ (Augenthaler) über den Haufen geworfen. „Das weiß ich schon als Sechsjähriger, wie der Ball bei nassem Rasen aufspringt“, ärgerte sich der Trainer über den brasilianischen Nationalspieler. Im offensiven Mittelfeld, so Augenthaler, sei bei Bayer „momentan nichts Geniales dabei“. Holzhäuser reagierte darauf verärgert: „Ich würde lügen, wenn ich sage, seine Aussagen haben mich positiv gestimmt“, sagte er und verteidigte sich: Alle Ein- und Verkäufe seien mit dem Trainer abgestimmt worden.

Die seit Wochen kursierenden Spekulationen im Umfeld der Bayarena, mit Matthias Sammer stehe bereits ein Nachfolger Augenthalers bereit, wollte Holzhäuser nicht kommentieren. Zwar sieht sich Völler, der bereits im Herbst 2000 kurzfristig den Klub trainierte, „mehr am Schreibtisch als auf dem Rasen“. Er tritt diesen Job an „aus Loyalität zu diesem Verein“, wie er sagt, und will alles Weitere „nach ein, zwei Spielen entscheiden“. Spielt die Mannschaft in den Partien in Duisburg (Sonntag) und gegen Köln (Mittwoch) erfolgreich, scheint demnach auch eine längere Amtszeit des ehemaligen Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen.

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