Sport : Einsam im Stadion

Robert Ide

über eine trostlose Einweihung in Leipzig Die erste Eröffnungsfeier – es war die inoffizielle – misslang. Im neuen Stadion für 45 000 Zuschauer blieb die Hälfte der Ränge leer. Auf dem Rasen spielte der heimische Drittligist gegen den Abstieg. Und die politische Prominenz blieb, abgesehen vom örtlichen Bürgermeister, fern. Doch bei der zweiten Eröffnungsfeier – der offiziellen – für Leipzigs Zentralstadion, so versprachen die Organisatoren vor vier Monaten, werde alles anders werden. Glamourös, fröhlich, angemessen.

Daraus wird nun nichts. An diesem Wochenende wird die Arena, die mit 50 staatlichen Millionen für die Fußball- WM 2006 gebaut wurde, noch einmal eingeweiht. Doch die Kulisse könnte trostloser kaum sein. Nur 7000 Karten wurden im Vorverkauf abgesetzt. Dabei trifft der heimische FC Sachsen, inzwischen Viertligist, auf Spitzenteams aus Brügge, Belgrad und Bremen. Auch die Politprominenz hat andere Termine. Der Bundeskanzler – kommt nicht. Der Innenminister – schickt seinen Staatssekretär.

Die Sportstadt Leipzig hat an Renommee eingebüßt. Die örtlichen Fußballvereine wurden von Insolvenzen erschüttert und sind zerstritten; Rivalität stellen sie über jedes allgemeine Interesse. In Leipzig spielt deshalb künftig ein Elftligist auf kleinen Bolzplätzen – und ein Viertligist vor ein paar hundert Fans in einem neuen Stadion, das 45 000 Zuschauer fasst.

Vor drei Monaten ist die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele 2012 vorzeitig gescheitert. Wäre sie das nicht, hätte Leipzig mit den Planungen für eine weitere Arena begonnen: ein Olympiastadion für 82 000 Zuschauer. Inzwischen muss man froh sein, dass es nicht dazu gekommen ist.

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