Sport : Einsamer Präsident

Beim 1. FC Union treten zwei Vorstandsmitglieder zurück

André Görke

Berlin. Um 16.48 Uhr kam der Brief durch das Faxgerät. Und wer gemein ist, könnte behaupten, dass sich nur einer beim Zweitligisten 1. FC Union über die Nachricht freuen konnte – Trainer Mirko Votava nämlich. Der kann jetzt so viel verlieren, wie er will und doch nicht entlassen werden. Denn seit gestern ist das Präsidium des 1. FC Union handlungsunfähig.

Was ist nun schon wieder passiert? Gestern traten die beiden Präsidiumsmitglieder Bernd Hofmann (Vizepräsident und Geschäftsführer) und Achim Friedrich (Schatzmeister) von ihren Ämtern zurück. Friedrich teilte mit, „einzelne Vorkommnisse in den letzten Tagen haben gezeigt, dass eine intensive Einbindung des ’alten’ Präsidiums in die anstehenden Aufgaben nicht gewünscht (…) ist, so dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht stattfindet“. Hofmann sprach von einer „Vielzahl von diffamierenden und perspektivraubenden Vorkommnissen in den zurückliegenden Tagen“.

Als dem neuen Präsidenten Jürgen Schlebrowski die Entscheidung mitgeteilt wurde, reagierte der nach eigener Aussage „erst mal irritiert“. „Manchmal sage ich mir schon: Ich hab’ die Nase voll!“ Noch vor drei Tagen habe ihm Hofmann eine Zusammenarbeit zugesichert. „Er ist unser Mann für das Tagesgeschäft“, sagt Schlebrowski. „Ich habe auf sein Wort vertraut.“ Anfang der Woche wird es noch ein letztes Gespräch geben, bis dahin hat Hofmann Urlaub. Anschließend wird er auch vom Posten des Geschäftsführers befreit sein.

Für Union ist es mehr als eine Krise, die der Verein durchlebt. Es ist Chaos. In Firmenkreisen, die den Klub unterstützen, gehe ein dreiseitiger Brief um, in dem die Rückkehr Bertrams gefordert werde, ist zu hören. Laut Hofmann würden Sponsoren und private Darlehensgeber „die aktuelle Entwicklung an der Spitze der Vereins mit „großer Sorge“ betrachten und „ihre finanziellen Zuwendungen ernsthaft überdenken“. Und er sagt deutlich: „Das sind keine Firmen, die nur mal 100 Euro in die Kasse zahlen.“ Hofmann wolle den „durch den Aufsichtsrat mutmaßlich entstehenden Schaden nicht mehr verantworten und mittragen“.

Während Unions Präsident Schlebrowski „in gewisser Weise Verständnis“ für die Entscheidung von Friedrich hat – „er ist ein guter Wirtschaftsprüfer, und er könnte wegen all dieser Gerüchte um Finanzen Schaden tragen“ – so enttäuscht ihn der Rücktritt Hofmanns. Dieser warf ihm vor, mit „einem potenziellen Nachfolger“ zu sprechen. Schlebrowski dementiert dies. „Ich habe weder mit einem neuen Trainer , einem neuen Manager oder einem neuen Geschäftsführer verhandelt.“

Am 22. November wird vielleicht Ruhe sein bei Union. Dann findet die außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Ob Bertram dann wieder an die Macht kommt? In der Fanszene heißt es, für ihn sind nicht mehr als für Schlebrowski. Aber seine Fans sind lauter.

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