Sport : Einsichten im Eishockey

Vor ein paar Jahren ist Hans Zach in eine unangenehme Lage geraten, aus der er sich mit einer Notlüge leicht hätte befreien können. Darauf angesprochen, hat der Eishockey-Bundestrainer gesagt: "Lügen? Ich? Eher wird ein Eunuch ..." - es folgte ein Vergleich in Sachen sexueller Potenz, den wir hier im Sinne der political correctness unterschlagen. Also: Zach hat es mit der Ehrlichkeit, und deshalb schiebt er das Ausscheiden seiner Mannschaft beim Olympiaturnier nicht auf die Leistung des Schiedsrichters, sondern auf die des Gegners. "Die Amerikaner sind zu stark für uns", sagt Zach und hat damit genauso Recht wie mit der Erkenntnis, dass "die Spieler Eishockey in Deutschland wieder in den Blickpunkt gerückt" haben.

Gewiss, daheim wird über Eishockey geredet. Allerdings nicht nur über die Heldentaten des Nationalteams. "Schönen Worten glaubt hier kein Mensch mehr", sagt Gunnar Leidborg. Damit meint der Trainer der Berlin Capitals nicht den Kollegen Zach, sondern seinen Arbeitgeber. Die Capitals sind mal wieder mit Gehaltszahlungen in Verzug, und so langsam dämmert es auch dem Dümmsten, dass daran nicht die Presse Schuld ist. Zehn Spieler der Capitals haben gestern die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist nicht der erste Antrag dieser Art.

Nun sind die Insolvenzanträge allein nicht das Problem. Die werden zurückgezogen, wenn wieder Geld vorhanden ist. Die Eisbären etwa hatten zu ihren wüstesten Zeiten 14 Anträge allein in einem Monat abzuwehren, bis sie einen seriösen Eigentürmer fanden. Genau daran aber mangelt es den Berlin Capitals. Ihr Mehrheitsgesellschafter Egon Banghard hat den Bonus der Seriosität längst verspielt. Seit Monaten gaukelt Banghard eine offensichtlich nicht mehr vorhandene Liquidität vor und hofft wohl nur noch darauf, einen finanzkräftigen Käufer für seine Anteile an der Capitals GmbH zu finden. Egon Banghard darf sich angesprochen fühlen, wenn Hans Zach sagt: "Ich wünsche mir, dass die Klubbesitzer mehr Weitblick für das deutsche Eishockey haben und nicht nur darauf schauen, wie man ein bisschen Spektakel macht." So viel Ehrlichkeit muss sein.

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