Sport : Einsilbig und miesepetrig

Mark Webber leidet immer noch am verlorenen Formel-1-Finale – seine Zukunft bei Red Bull ist fraglich

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Bade- statt Weltmeister. Mark Webber posiert im Pool seines Formel-1-Teams. Foto: dpa
Bade- statt Weltmeister. Mark Webber posiert im Pool seines Formel-1-Teams. Foto: dpaFoto: dpa

Auf der offiziellen Autogrammkarte seines Rennstalls Red Bull wird Mark Webber so charakterisiert: „Kampfgeist, Ambition und seine hemdsärmelige Aussie-Sprache machen ihn zu einem tollen Begleiter, der immer was zu sagen hat. Auch wenn er gelegentlich sehr offen redet …“ Vermutlich weiß das niemand besser als Sebastian Vettel. Während der Deutsche mit seinem Titelgewinn in der vergangenen Formel-1-Saison gleich ein paar Stufen auf der Souveränitätstreppe auf einmal genommen hat, wirkt der Australier von Rennen zu Rennen garstiger. Red Bulls „Winnetou“, wie ihn Firmenpatriarch Dietrich Mateschitz bezeichnet hat, scheint sich derzeit mit allem und jedem auf dem Kriegspfad zu befinden.

Schon länger beschuldigt Webber sein Team öffentlich, das Red-Bull-Eigengewächs neben sich zu bevorteilen. Beim Saisonfinale 2010 in Abu Dhabi, als er selbst noch um die WM kämpfte, stellte er sich in die Ecke der Teamzentrale und zischte mit hochgezogenen Augenbrauen: „Das hier ist ein Vettel-Laden.“ Der junge Deutsche hat seither die gesamte Formel 1 übernommen und strebt beim Großen Preis von Monaco am Sonntag den fünften Sieg im sechsten Saisonrennen an. Der 34 Jahre alte Webber hat bereits 51 Punkte Rückstand auf Vettel und jeglichen Versuch eingestellt, ein Schönwettergesicht aufzusetzen.

Dabei müsste der Mann aus New South Wales eigentlich vor Energie sprühen, denn er hat als einziger Fahrer im Feld mit dem gleichen Auto das Werkzeug, Vettel Einhalt zu gebieten. „Webber muss Vettel als Teamkollege mehr unter Druck setzen“, fordert der McLaren-Pilot Jenson Button im Namen der Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hatte Webber das getan und in Monaco gewonnen, wie auch zuvor in Barcelona. Nun kämpft er darum, überhaupt Anschluss zum Heppenheimer zu halten. Red Bulls Chefdesigner Adrian Newey räumt ein, dass der Abstand zwischen Vettel und Webber „größer als vergangenes Jahr“ sei. Newey führt das auf die neuen Reifen zurück. „Mark hat einfach etwas länger gebraucht, um sich an die Pirellis zu gewöhnen, aber die Lücke wird immer kleiner.“

Für die mentale Lücke trifft das nur bedingt zu. Die verpasste WM-Chance 2010, vermutlich seine einzige überhaupt, setzt dem Australier offenbar immer noch zu. „Ich hoffe, er zerbricht nicht daran“, sagt der frühere Weltmeister Jacques Villeneuve. Doch genau das scheint gerade zu passieren. Einsilbig, dünnhäutig und meist nur mit wenig Begleitung fristet Webber im Hafen von Monte Carlo in der funkelnden Red-Bull-Zentrale das Dasein eines ungeliebten Schwiegersohns, der sich als Überbleibsel des aufgekauften Jaguar Teams nur geduldet fühlt. Immer wieder klagt er darüber, dass dem elf Jahre jüngeren Vettel die Sympathien nur aufgrund seiner Jugend zufliegen würden. Aus dem Team heißt es dazu, während Vettels offene Art alle in ihren Bann ziehe, mache es sich Webber mit seiner Miesepetrigkeit selbst schwer, Unterstützung zu finden. Dass Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko einer der größten Vettel-Förderer ist, ist kein Geheimnis. Doch nun ist auch Christian Horner von Webber abgerückt.

Zu dem Teamchef hat er eigentlich ein gutes Verhältnis, die beiden betreiben ein gemeinsames Team in der GP3-Serie. Als Webber jedoch zugab, in den drei letzten Rennen der vergangenen Saison einen Fahrradunfall und eine gebrochene Schulter vor Horner verheimlicht zu haben, sprach der von einem „Vertrauensbruch“. Bleibt noch Adrian Newey. Er preist Webbers „wichtigen Beitrag“ zur Entwicklung des Autos und hofft, dass der Australier auch über die Saison hinaus an Bord bleibt.

Zwischenzeitlich waren schon Gerüchte durch das Fahrerlager gewandert, wonach Webber über das Ende seiner Red-Bull-Laufbahn nach dieser Saison schon Bescheid wüsste. Nun scheint es, als würde sein Vertrag doch noch einmal verlängert werden. Das zumindest behaupten Menschen aus dem Umfeld von Fahrern, die selbst gern Webbers Cockpit hätten. „Es kann gut sein, dass ich nächstes Jahr auch noch hier sein werde“, erklärt Webber. „Wenn ich noch Lust und Motivation habe.“ Das genau wird die Frage sein, die es zu klären gilt.

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