Sport : Einsteigen, bitte

Wer fährt wo in der Saison 2004 – eine Übersicht über das Transfergeschäft in der Formel 1

Karin Sturm

Budapest. Auch wenn es in den Top-Teams angeblich keine freien Plätze für Fahrer gibt, wird die Transferpolitik in der Formel 1 vier Rennen vor Ende der Saison immer spannender. Vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag sind bei weitem noch nicht alle Fahrerbesetzungen für das Jahr 2004 klar. Eine Zwischenbilanz:

Ferrari: Michael Schumacher hat seinen Vertrag schon bis 2006 verlängert. Doch es ist noch nicht klar, ob der fünfmalige Weltmeister wirklich so lange fahren wird. Rubens Barrichello bekam seine Verlängerung über 2004 hinaus noch nicht. Wilden Gerüchten zufolge sollte der Brasilianer schon Ende dieser Saison zu Sauber abgeschoben und gleich durch Ferraris Testfahrer Felipe Massa ersetzt werden. Nach den letzten guten Leistungen des Brasilianers ist diese Variante aber wohl vom Tisch.

BMW-Williams: Ralf Schumachers Verbleib ist bis Ende 2004 klar, in den Verhandlungen für die weitere Zukunft pokert Manager Willi Weber mit Frank Williams wohl in erster Linie ums Geld. Auch Juan Pablo Montoya hat einen Vertrag bis Ende 2004 – trotzdem nehmen die Spekulationen über einen vorzeitigen Wechsel zu McLaren-Mercedes kein Ende. Teamchef Frank Williams sagt dazu nur: „Unter keinen Umständen werde ich Montoya vorzeitig aus seinem Vertrag herauslassen.“ Williams widerspricht damit Spekulationen, nach denen Montoya schon 2004 für 20 Millionen Euro Ablöse zu McLaren-Mercedes gehen könnte.

McLaren-Mercedes: Kimi Räikkönen bleibt auf jeden Fall. Nicht alle im Team sind von David Coulthards Leistungen beeindruckt, der Schotte wird wohl trotzdem einen Vertrag für das Jahr 2004 bekommen. Bleibt die Frage, ob dieser Vertrag Klauseln enthalten wird, die ein „Abschieben“ ermöglichen, sollte man Montoya doch vorzeitig bekommen. Mercedes-Sportchef Norbert Haug sagt allerdings, man solle keine Überraschungen in dieser Hinsicht erwarten.

Renault: Hier ist alles klar. Mitte dieser Woche wurde neben dem lange feststehenden Fernando Alonso auch Jarno Trulli als Fahrer für die nächste Saison bestätigt.

Sauber-Petronas: Sowohl Nick Heidfeld als auch Heinz-Harald Frentzen werden im nächsten Jahr wohl keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Teamchef Peter Saubers Traumpilot heißt Giancarlo Fisichella. Sauber fährt mit Ferrari-Motoren. Deshalb könnte Testfahrer Felipe Massa von Ferrari bei Sauber geparkt werden, um Erfahrungen zu sammeln. Im Gegenzug könnte Sauber die Motoren etwas günstiger bekommen.

BAR-Honda: Jenson Button bleibt. Was mit Jacques Villeneuve passiert, wenn Teamchef David Richards ihn auch für deutlich weniger als die bisherigen 18 Millionen Dollar Jahresgehalt nicht behalten will, ist unklar. In der Branche werden die Chancen darauf, dass Villeneuve bleibt, auf 50:50 geschätzt. Muss er gehen, droht dem Weltmeister von 1997 das Ende seiner Karriere, andere Möglichkeiten hat er wohl nicht. Ein Kandidat für seinen Platz wäre der von Motorenlieferant Honda favorisierte japanische Testpilot Takuma Sato. BAR gehört zu den Teams, mit denen auch Nick Heidfeld verhandelt. Eine weitere Option: Justin Wilson – falls er nicht bei Jaguar bleiben kann.

Jaguar : Mark Webber hat seinen Vertrag gerade erst bis 2005 verlängert. Justin Wilson ist zunächst nur bis Ende des Jahres als Nachfolger für den gefeuerten Antonio Pizzonia verpflichtet, er muss sich mit guten Leistungen für eine weitere Saison empfehlen. Außerdem ist in Formel-1-Kreisen zu hören, dass die Ford-Chefs in Detroit aus Marketing-Gründen gern einen Deutschen im Auto sehen würden – eine Chance möglicherweise für Nick Heidfeld. Fragt sich nur, warum sich Jaguar anscheinend nicht für den als guten Entwicklungsfahrer bekannten Heinz-Harald Frentzen interessiert. Auch der Österreicher Alexander Wurz wird als zweiter Fahrer gehandelt.

Jordan-Ford: Sowohl die Fahrer- als auch die Motorenfrage sind nicht geklärt – und beides hängt zusammen. Mercedes bietet interessierten Teams ab der nächsten Saison einen günstigen Motor an. Jordan ist an dem Motor interessiert, hat aber einen Vertrag mit Ford bis 2005. Außerdem will Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert Jordan nicht unbedingt als offiziellen Mercedes-Partner. Sollte der Deal doch klappen, hätte Mercedes sicher auch Einfluss auf die Fahrerfrage – dann wäre vielleicht sogar das Duo Heidfeld und Wurz möglich. Heidfeld wäre bei Eddie Jordan jederzeit willkommen, möglicherweise auch Frentzen. Eine Verpflichtung Frentzens ist auch möglich, wenn der Motoren-Deal mit Mercedes nicht klappt.

Minardi: Der niederländische Fahrer Jos Verstappen hat in seiner Heimat angeblich erneut Millionen an Sponsorengeldern aufgetrieben, er wird wohl bleiben. Aber „Jos the Boss“ hat auch schon bei seinem Freund Michael Schumacher nachgefragt, ob der ihm nicht einen Vertrag als Ferrari-Testfahrer verschaffen könne, falls Felipe Massa zu Sauber geht. Ob der zweite Fahrer Nicolas Kiesa bleibt, liegt nicht nur an seinen Leistungen. Bei Minardi hat eben der Fahrer, der am meisten Geld mit ins Team bringt, die größten Chancen.

Toyota : Olivier Panis und Cristiano da Matta wurden offiziell als Fahrer für die Saison 2004 bestätigt.

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