Eintracht Braunschweig : Das Gegenstück zu Wolfsburg

Der Chefredakteur der "Fußball-Woche" erklärt, warum der niedersächsische Traditionsverein zu Recht in die Zweite Liga aufgestiegen ist.

Horst Bläsig

Eintracht Braunschweig gehört in die Zweite Liga, mindestens. Denn der Klub hat eine große Tradition und eine lebendige Fußballkultur. Er war Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes 1900 und gehörte 63 Jahre später zu jenen Klubs, die in die erste Bundesligasaison gingen. Der Meistertitel 1967, die Verpflichtung von Paul Breitner oder der große Wirbel um die Jägermeister-Werbung auf den Trikots – all das machte den Verein im Land bekannt.

Tradition aber kann verblassen, sie allein ist keine Existenzgrundlage. Braunschweig hat die Rückkehr ins Profigeschäft verdient, weil die Stadt für den Fußball lebt. Zum Beweis: Im Februar gab es ein Volksentscheid darüber, ob die neue Haupttribüne zum Teil durch Steuergelder finanziert werden soll. 60 Prozent der Braunschweiger stimmten mit „Ja“. Das Zuschauerinteresse ist riesig. Im Schnitt kommen in der Dritte Liga 17 000 Menschen ins Stadion. Vergangene Woche waren es gar 21 000 gegen Werder Bremen II. Welcher Verein kann schon solche Zahlen vorweisen? Die Fans honorieren, dass Sportdirektor Marc Arnold und Trainer Torsten Lieberknecht in den vergangenen Jahren eine erfolgshungrige Mannschaft aus jungen, inländischen Spielern zusammengestellt haben.

Eintracht Braunschweig ist das Gegenstück zum kommerzialisierten Eventfußball in Wolfsburg und das emotionale Herz Niedersachsens. Es hat lange genug in der Dritten Liga geschlagen.

Der Autor ist Chefredakteur der „Fußball-Woche“ und seit seiner Kindheit Anhänger von Eintracht Braunschweig.

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