Eintracht Braunschweig : Ein bisschen Romantik nach erstem Sieg

Braunschweig gelingt mit taktischer Finesse der erste Sieg – Trainer Lieberknecht wird gefeiert.

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Klatschen statt Klatsche. Kumbela bejubelt den ersten Saisonsieg. Foto: dpa
Klatschen statt Klatsche. Kumbela bejubelt den ersten Saisonsieg. Foto: dpaFoto: dpa

Wolfsburg - Der Eine war geknickt und hätte das Fenster am liebsten geschlossen. Der Andere hatte gewonnen und hätte den Krach wohl gerne zur Tür hereingebeten. Während Dieter Hecking und sein Kollege Torsten Lieberknecht vor laufenden Fernsehkameras erklärten, wie der VfL Wolfsburg mit 0:2 (0:1) gegen Eintracht Braunschweig verlieren konnte, sangen und feierten die Anhänger des Siegers vor dem Stadion unüberhörbar weiter. „Wir waren fast 90 Minuten lang fehlerfrei und haben uns belohnt. Es hat durchaus seine Berechtigung, dass wir in der Ersten Liga sind“, sagte der gerührte Lieberknecht. Während der Braunschweiger Chefcoach jubilierte und fast schon philosophierte, musste VfL-Trainer Hecking in die Rolle des Trottels schlüpfen. Die erste Wolfsburger Heimniederlage der Saison bedeutete eben auch den ersten Triumph für den ungeliebten Nachbarn.

Doch es gibt noch feinere Unterschiede nach einer Partie zu beleuchten, die vor 30 000 Zuschauern wenig Hochklassiges, aber viel Spannung zu bieten hatte. Der runderneuerte VfL Wolfsburg ist unter der Regie von Geschäftsführer Klaus Allofs und Hecking solider und vernünftiger geworden. Aber unter dem Strich bleiben die Resultate eines Teams, das mit brasilianischen Stars wie Diego, Naldo und Gustavo bestückt ist, ein Grund zum Jammern. „Wir wollten heute kopflos durch die Wand“, gestand Hecking, dessen Team immer dann in Bedrängnis kommt, wenn Spielgestalter Diego einen schlechten Tag hat und Ivica Olic als einzige Spitze überfordert ist. Dummerweise war gegen die tapfere Eintracht aus Braunschweig beides der Fall.

Weniger Torschüsse, weniger Ballbesitz, die Minderheit der Zweikämpfe gewonnen: Dass Eintracht Braunschweig die Last des ständigen Verlierens am achten Spieltag der Fußball-Bundesliga trotzdem endlich losgeworden ist, lag vor allem am taktischen Geschick von Lieberknecht. Er hatte die Wolfsburger mit einer Grundformation geärgert, die im Mittelfeld wenig zuließ, den VfL zu vielen Flanken zwang und vor dem eigenen Tor die Lufthoheit behielt. Und dem in Braunschweig verehrten Trainer war es vor dem Niedersachsenderby gelungen, alle moralischen Reserven seines Teams und dessen Fans zu mobilisieren. Nach der 0:4-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart hatte Lieberknecht noch den Eindruck erweckt, als ob seine Ablösung angesichts des schwachen Saisonstarts überfällig sei. „Ich habe gegrübelt, das stimmt. Und ich grübele jetzt schon wieder. Das hört nicht auf“, sagte jener Mann, der nach dem Schlusspfiff von den euphorischen Braunschweiger Fans noch einmal zu einer ganz persönlichen Solo-Jubelarie zurück ins Stadion bestellt worden war.

Während in Wolfsburg gegrübelt wird, wie das alles passieren konnte, bleibt mit Blick auf das fußballverrückte Braunschweig die Frage offen, was in dieser Saison noch alles passieren kann. „Wir wissen jetzt, dass wir nicht verzweifeln müssen“, sagte Eintrachts Torschütze Domi Kumbela, der erst in der Schlussphase eingewechselt worden war und nach einem Konter das 0:2 erzielt hatte. Fans, Trainer und Spieler feierten die Vorentscheidung so ausgelassen, als sei der Klassenerhalt bereits geschafft. „Wir haben alles rausgeholt, was geht. Und dass es hier in Wolfsburg passiert – vielleicht war ein bisschen Romantik auch dabei“, sagte Braunschweigs Mittelfeldspieler Mirko Boland, bevor ihn sein Trainer erst zum Jubeln in die Kabine und danach zu zwei freien Tagen in den wohlverdienten Feierabend entließ. Christian Otto

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