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Eintracht Braunschweig - Hannover 96 3:0 : Derbymeister im Abstiegskampf

Der Tabellenletzte gewinnt das Niedersachsen-Derby und sendet ein Zeichen im Ringen um den Klassenerhalt. Nach der Partie kam es zu Ausschreitungen durch Hannover-Anhänger.

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Braunschweigs Kumbela (2. v. r.) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen Hannover. Foto: dpa
Braunschweigs Kumbela (2. v. r.) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen Hannover.Foto: dpa

Ausgerechnet dem Mann mit der sanftesten Stimme gelang die kernigste Spielanalyse. „Wir haben den Beweis abgeliefert, dass wir mit Haut und Haaren bereit sind“, sagte Daniel Davari. Es bereitet dem Torhüter oft große Genugtuung zu erklären, warum Eintracht Braunschweig im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga einfach nicht aufgibt. Nach dem 3:0 (2:0)-Heimsieg im brisanten Niedersachsenderby gegen Hannover 96 war seine Angriffslust nicht zu überhören. Die Braunschweiger, in der Rückrunde erstaunlich bissig und erfolgreich, zeigten auch im Duell mit ihrem ungeliebten Nachbarn die nötige Leidenschaft für ein Erfolgserlebnis. Domi Kumbela, der nach einem Fehler von 96-Torhüter Ron-Robert Zieler erfolgreich war, Havard Nielsen und Jan Hochscheidt schossen einen 3:0 (2:0)-Sieg für den Aufsteiger heraus.

Mit einem Meer aus blau-gelbem Konfetti und vielen, vielen Fahnen hatten die Anhänger von Eintracht Braunschweig ihre Mannschaft im eigenen Stadion begrüßt. Mit frenetischem Applaus wurden die Helden des Tages wieder verabschiedet. Das Team um Kapitän Kumbela hatte zwar wie schon im Hinspiel keinen schönen Fußball gezeigt, den Erzrivalen aus Hannover aber nach Kräften bearbeitet. Bezeichnend für die Brisanz und den enormen Druck in diesem Niedersachsenderby war die Entstehung des 2:0. Rechtsverteidiger Benjamin Kessel hatte den Ball einfach nur lang nach vorne gedroschen. Den Mangel an individueller Klasse gleicht Braunschweig durch Elan und Leidenschaft aus. Torschütze Nielsen, der die rustikale Vorlage von Kessel mutig verwertete, setzte frei von jedem Kalkül zu einem wunderbaren Linksschuss an – und wurde für seinen Mut mit einem Tor belohnt.

Der Euphorie in Blau-Gelb stand eine Mischung aus Lethargie und Verkrampfung gegenüber. Hannover 96, das immer mehr in akute Abstiegsgefahr gerät, gab in der ersten Halbzeit zwar den Ton an. Aber aus viel Ballbesitz konnte der Gast nichts Zählbares machen. Als Hannover in der 62. Minute auch noch Innenverteidiger Andre Hoffmann wegen einer Roten Karte verlor, waren die Ordnung, der letzte Wille und jede Hoffnung verloren.

Hannover-Anhänger randalieren

„Die Mannschaft wollte“, beteuerte Hannovers Trainer Tayfun Korkut, klang aber ratlos. Dass während der Halbzeitpause 96-Präsident Martin Kind in der Umkleidekabine erschienen war und seinen Unmut über die Leistung der Mannschaft formulierte, konnte auch nichts ändern. Im Gegenteil: Nach der Rückkehr nach Hannover forderten aufgebrachte Fans den Rücktritt von Kind und Sportdirektor Dirk Dufner. Dabei wurden Böller und eine Leuchtrakete gezündet und Flaschen geworfen. Korkut und Kapitän Lars Stindl konnten die aufgebrachte Menge nur mühsam beruhigen.

Dennoch darf sich die Polizei durchaus als Gewinner in diesem brisanten Duell fühlen. Rund 3300 Ordnungshüter waren im Einsatz, um ein paar Unentwegte unter den 22.867 Zuschauern im Zaum zu halten. Dass die befürchteten Auseinandersetzungen gewaltbereiter Fans ausblieben, dürfte vor allem an der strikten Trennung der Problemklientel gelegen haben. Rund 2200 Fans aus Hannover, die eine Eintrittskarte in einer Auslosung gewonnen hatten, waren per Bus nach Braunschweig und zurück nach Hannover gebracht worden. Eintrittskarte nur in Verbindung mit einer Busfahrt, strenge Personenkontrollen und striktes Alkoholverbot: Was im Kreis der 96-Fans nicht gut angekommen war, erwies sich als kluge Maßnahme. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, dessen Behörde die Regelung angeregt hatte, sah auf der Ehrentribüne sehr zufrieden aus.

Grund zum Ärgern gab es nur vereinzelt. Obwohl beide Vereine gerade erst zu empfindlich hohen Geldstrafen verurteilt worden sind, hatten sich nicht alle Tribünengäste im Griff. Im Block 9, wo die besonders leidenschaftlichen Anhänger von Eintracht Braunschweig hüpfen und singen, wurde nach beiden Toren der Eintracht Pyrotechnik gezündet. Die Quittung dafür wird der Verein, der auch in finanzieller Hinsicht das Schlusslicht der Liga bleibt, in Kürze bekommen. Erst nach der Partie kam es zu Ausschreitungen durch Hannover-Anhänger. Mehrere hundert Fans des Fußball-Bundesligisten forderten den Rücktritt von Clubchef Martin Kind und Sportdirektor Dirk Dufner. Dabei wurden Böller und eine Leuchtrakete gezündet und Flaschen geworfen. 96-Trainer Tayfun Korkut und Kapitän Lars Stindl versuchten nach Angaben eines 96-Sprechers die Lage zu beruhigen und sprachen mit den aufgebrachten Anhängern.

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