Eintracht Frankfurt : Die Glaubensfrage Funkel

Die Trainer-Diskussion spaltet die Eintracht. Doch wenn Funkel am Mittwoch im Nachholspiel gegen Karlsruhe und am nächsten Samstag in Cottbus wieder keine Punkte holen sollte, dürfte die zweite Trainerentlassung der Saison kaum zu vermeiden sein.

Frank Hellmann
Funkel
Friedhelm Funkel -Foto: dpa

Frankfurt am MainWer etwas über die gespaltenen Befindlichkeiten bei Eintracht Frankfurt erfahren will, der muss nur im Internet nachschauen. Unter www.eintracht.de wird diskutiert und debattiert – allerdings derart beleidigend, dass die Moderatoren des Fanforums ihre Arbeit niedergelegt haben. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den brisanten Fragen, so teilten die Internet-Beauftragten auf der Homepage mit, sei nicht mehr möglich. Das geschah, mit Verlaub, schon vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen, dass der hessische Bundesligist beinahe erwartungsgemäß sang- und klanglos 0:2 verloren hat.

Der Eklat passt gut zur vertrackten Gemengelage am Main – durch die Anhängerschaft zieht sich ein Riss, der tiefer ist als alle Gräben zwischen Verein und AG. Für oder gegen Friedhelm Funkel zu sein – das ist seit Wochen fast eine Glaubensfrage. Fakt ist, dass der 54-Jährige nicht in die Erfolgsspur kommt. Die Eintracht ist Tabellenletzter. Vorstandschef Heribert Bruchhagen wirkt dieser Tage arg angespannt. Ein Trainerwechsel verstößt gegen seine Prinzipien. Aber wenn Funkel am Mittwoch im Nachholspiel gegen Karlsruhe und am nächsten Samstag in Cottbus wieder keine Punkte holen sollte, dürfte die zweite Trainerentlassung der Saison kaum zu vermeiden sein.

Vor dem Spiel gegen Karlsruhe will sich die Eintracht nun sogar drei Tage in einem nicht veröffentlichtem Ort in ein Trainingslager zurückziehen. Funkel sagt: „Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich fühle mich stark genug, den Karren aus dem Dreck zu ziehen“, beteuert Funkel. Geheimes Trainingslager? Hilft das noch? Das Grummeln im Klub ist vernehmbar – nicht im Vorstand, sondern im Aufsichtsrat. Präsident Peter Fischer und Aufsichtsratschef Herbert Becker haben das Ohr an der Basis – sie spüren, dass die schlechte Stimmung nach Opfern verlangt. Dabei sind die Verdienste des Rheinländers Funkel unbestritten: Er hat die Mannschaft 2005 aus der zweiten Liga nach oben geführt und in der ersten Liga etabliert. Meist mit Zweckfußball, mit dem Blick für das Machbare.

Aber was ist jetzt realistisch? Wenn sogar Kapitän Ioannis Amanatidis die Nerven verliert, ist das ein schlechtes Zeichen: „Wir reden, reden, reden – aber machen immer wieder die gleichen individuellen Fehler. Das ist Ausdruck von mangelnder Qualität oder zu viel Naivität“, sagt er. „Wir dürfen nicht denken, uns passiert schon nichts. Nürnberg ist im Vorjahr mit einer besseren Mannschaft abgestiegen.“ Übrigens trotz eines Trainerwechsels.

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