Eintracht Frankfurt : Geschichten aus dem Sanitärbereich

Verwirrspiel um Skibbes Trainerjob in Frankfurt

Jürgen Heide

Heribert Bruchhagen war stinksauer. Obwohl der Frankfurter Eintracht mit dem glücklichen 2:1 (1:1)-Erfolg über den FC St. Pauli im zehnten Rückrundenspiel endlich der erste Sieg gelungen war. Doch Meldungen, wonach Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt zum Spiel schon mit einem einseitig von den Gremien der Fußball-AG unterschriebenen Aufhebungsvertrag erschienen sei und sich der Aufsichtsrat bereits zu einer Krisensitzung direkt nach dem Spiel verabredet hatte, um bei einem weiteren Misserfolg eine schnelle Trennung von Trainer Michael Skibbe herbeizuführen, ließen den Vorstandsvorsitzenden der Fußball AG aus der Haut fahren. „Die Sache mit Schickhardt ist die größte Scheißhausgeschichte aller Zeiten. Glauben sie denn ernsthaft, der Schickhardt würde sich da hinsetzen, selbst wenn wir die Absicht gehabt hätten? So doof kann man doch gar nicht sein!“, polterte Bruchhagen, obwohl die aller Wahrscheinlichkeit nach wohl zutreffende Meldung gezielt gestreut worden war. „Ich habe einfach nicht mehr die Kraft mich gegen diese ganzen Unterstellungen zu wehren“, sagte der Eintracht-Chef, der nicht beantworten wollte, ob Skibbe beim nächsten Spiel in Wolfsburg noch auf der Bank sitzt.

Die Leistung der Eintracht war trotz des Sieges wie auch schon in allen anderen Rückrundenpartien erschreckend schwach. St. Paulis Coach Holger Stanislawski, der nach der fünften Niederlage in Folge selbst in einer Krise steckt, sagte: „Wir waren spielerisch überlegen.“ Viele Eintracht-Funktionsträger trauen dem Trainer, dessen Vertrag nach Platz sieben nach der Hinrunde in der Winterpause bis zum 30. Juni 2012 verlängert worden war, nicht zu, die Hessen, die nur drei Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16 haben, vor dem Abstieg zu bewahren und hätten es gerne gesehen, wenn Bruchhagen den früheren Bundestrainer schon vor zwei Wochen, nach dem katastrophalen 0:0 gegen Kaiserslautern, beurlaubt hätte.

Doch der knorrige Ostwestfale hält bisher eisern an Skibbe fest, obwohl dieser ihn in der vergangenen Saison mehrfach attackiert hatte und Bruchhagen nach dem glücklichen Sieg über St. Pauli selbst kritisiert hatte, „dass wir nur mit hohen Schlägen gespielt haben und alles auf Zufall angelegt war“. Er behalte es sich vor, jede Situation jeden Tag neu zu bewerten, sagte Bruchhagen aber auch. So könnte er Skibbe doch noch in Bälde beurlauben, auch weil einiges darauf hindeutet, dass der Eintracht-Boss nach einigen Absagen inzwischen einen Wunschkandidaten für dessen Nachfolge gefunden hat und nicht mehr länger die Augen vor den desaströsen Leistungen des Teams verschließen kann. „Dass die Mannschaft schlecht spielt, ist offenkundig. Das sieht jeder“, sagte Bruchhagen gestern.

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