Eintracht Frankfurt : Held auf Abruf

Frankfurts Nikolov muss wieder auf die Bank - obwohl er den Hessen bei den Bayern einen Punkt festhielt.

Michael Neudecker
Nikolov
Oka Nikolov war nicht zu bezwingen. -Foto: ddp

München - Er hat schon viel erlebt: Abstiege, Aufstiege, DFB-Pokal-Finale, er war bewundertes Talent, ausgebooteter Routinier, ist wieder zurückgekommen und wieder ausgewechselt worden. Er hat noch mit Uli Stein und Andreas Köpke gespielt, und stand dieser berühmten Mannschaft von Eintracht Frankfurt, die 1992 beinahe Deutscher Meister geworden wäre. Und jetzt stand er da in der Münchner Arena: Oka Nikolov, seit 16 Jahren Torhüter bei Eintracht Frankfurt und inzwischen 33 Jahre alt, das schwarze Haar makellos nach hinten gekämmt. Alle wollten etwas von ihm wissen, schließlich war er doch der Held dieses Spiels der Eintracht beim FC Bayern, der Held des in Frankfurt vermutlich bald legendären 0:0 von München.

„Wir haben Glück gehabt“, sagte Nikolov, „wenn der erste Schuss rein geht, kann das schnell 5:0 ausgehen.“ Aber Nikolov hatte den ersten Schuss des Münchner Stürmers Luca Toni nach zwölf Sekunden abgewehrt, überhaupt wehrte er jeden der fast 40 Bälle ab, der auf sein Tor zuflog, wenn ihm nicht Pfosten oder Latte zuvorkamen, weshalb Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld sagte: „Es war für Frankfurt kein Nachteil, dass Nikolov im Tor stand.“ Als hätte der Routinier Nikolov erst beweisen müssen, dass sein Mitwirken seine Mannschaft nicht in den Untergang führt.

Aber Hitzfelds Ansichten dokumentierten Nikolovs Karriere ganz gut. Seit 16 Jahren muss sich der Torhüter unaufhörlich beweisen und mit Zweifeln an seiner Leistungsfähigkeit leben. Er ist so oft zwischen Stammplatz und Reservebank gewechselt, dass er seinen kurzfristigen Einsatz am Samstag ohne große Gefühlsregung zur Kenntnis nahm: „Ein Ausfall kann immer passieren. Ich fahr ja nicht hierhin, um Urlaub zu machen.“ Am Morgen erst hatte erfahren, dass er den grippekranken Markus Pröll vertreten muss. Bei der Eintracht hat sich niemand Sorgen gemacht. „Nikolov, dem Stoiker, ist es egal wann er erfährt, ob er spielt oder nicht“, sagte Eintracht-Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen.

Ob er also sogar gerade für solche besonderen Situationen gebacken ist, wollte ein Reporter von Nikolov wissen. Der Torhüter antwortete, fast schon empört: „Ich bin nicht nur für solche Spiele gebacken!“ Unumstrittener Stammtorwart, das war natürlich immer sein Traum gewesen. Nur kurz hat er diese Erfahrung machen dürfen, erst in den späten Neunzigern und dann noch einmal Anfang des neuen Jahrtausends.

Wenn Markus Pröll wieder gesund ist, wird Nikolov wieder auf der Bank Platz nehmen müssen, und er wird dies tun, ohne sich zu beschweren. Die Fans der Eintracht lieben ihn für seine Vereinstreue, womöglich würden sie es ihm nicht einmal übel nehmen, wenn er zum Abschluss seiner Karriere noch mal ein paar Jahre für den FC Bayern die Reservebank hütet, wie ein Gerücht besagt. Die Bayern wollen für das kommende Jahr einen erfahrenen Mann hinter dem jungen Michael Rensing, der Oliver Kahns Erbe im Tor der Müchner antreten wird. Oka Nikolov soll für diese Rolle im Gespräch sein.

Seine Heimat aber wird immer Frankfurt bleiben, auch wenn er mal fünf Spiele für die mazedonische Nationalmannschaft gemacht hat. Er ist geboren und aufgewachsen im hessischen Odenwald, und dort hat er sich und seiner Familie nun auch ein Haus gebaut. Man kann es sich gar nicht vorstellen, wie Oka Nikolov aussehen würde ohne Eintracht-Adler auf der Brust.

„Ein 0:0 bei Bayern macht einen stolz“, das hat er auch noch gesagt nach seiner Interimsheldentat von München. Er hätte das gar nicht sagen müssen – man hat ihm den Stolz auch so angesehen. Michael Neudecker

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