Sport : Eintracht Frankfurt - Hertha BSC: Wenn Verteidiger den Bann brechen

Klaus Rocca

So leicht, meinte Jürgen Röber, sei ihm der Weg zu einer Pressekonferenz in Frankfurt noch nie gefallen. Wen wundert es. Röber konnte sich locker und gelöst geben. Im Frankfurter Waldstadion, wo Eintracht Frankfurt letztmals am 15. Dezember 1999 (gegen Leverkusen) verloren hatte, erteilten die von Röber trainierten Hertha-Kicker den Hessen eine Lektion, an die zuvor wohl niemand geglaubt hatte. Hier die Eintracht, nach dem Sieg in München und im Wissen um die Heimstärke voller Selbstbewusstsein angetreten, dort die Hertha, zuvor von Schalke vorgeführt und ohne sieben Stammspieler - und dann dieses 0:4 (0:2).

Röbers Gegenspieler Felix Magath war bei aller Enttäuschung voll des Lobes: "Hertha war heute top drauf, hat Spitzenfußball gezeigt." Kein Widerspruch. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Magath freilich nicht verkneifen. "Fragt doch mal die Kollegen aus Berlin, was der Deisler oder der Rehmer gekostet hat", sagte er. Da klang ein wenig der Frust durch. Wie schon zuvor, als er nach jener Situation befragt wurde, die von vielen als Schlüsselszene des Spiels angesehen wurde. Es mache ja doch keinen Sinn, darüber zu diskutieren, sagte Magath, ob der Preuß den Preetz nun gefoult habe oder nicht. "Der Schiedsrichter hat gepfiffen - das ist entscheidend." Röber kommentierte den Feldverweis für den Frankfurter in der 64. Minute sehr vorsichtig: "Ich weiß nicht, ob man da unbedingt die Rote Karte zeigen musste." In der Tat schien die Entscheidung von Schiedsrichter Krug sehr hart zu sein. Entscheidend für den Spielausgang war sie sicher nicht.

Entscheidend war, dass zwei Abwehrspieler die beiden (Kopfball-)Tore erzielten, die Hertha auf den richtigen Weg brachten: Dick van Burik und Kostas Konstantinidis. Der Niederländer profitierte von eigener guter Vorarbeit und präziser Flanke von Eyjölfur Sverrisson, der Grieche von Sebastian Deislers Vorlage. Für beide Torschützen war es der erste Saisontreffer. Deren sieben hat nun schon Michael Preetz geschossen und damit endlich den Bann der Stürmer-Erfolglosigkeit gebrochen. "Er hätte es für uns einfacher gemacht, wenn er das 3:0 schon früher erzielt hätte", meinte Röber später und spielte damit darauf an, dass Preetz schon vorher klare Möglichkeiten hatte. Dafür hatte Preetz vor seinen Toren als Anspieler gute Szenen gehabt.

Überhaupt: Herthas Rumpfelf, die im Vorjahr an gleicher Stätte noch 0:4 verloren hatte, bot gegen die harmlosen Gastgeber eine höchst clevere, abgebrühte Partie. Die Abwehr um van Burik, Rehmer und Schmidt stand sicher, im Mittelfeld wurden die Ausfälle von Beinlich und Wosz bestens kompensiert, weil sich Deisler immer mehr steigerte und Konstantinidis den eigentlichen Spielmacher Heldt fast völlig abmeldete. Dabei hat Konstantinidis laut Röber noch bis zum Donnerstag im Training "völlig danebengelegen". Eine respektable Partie bot Sverrisson. Der Isländer, als "hängende Spitze" aufgeboten, erinnerte an alte Stuttgarter Stürmerqualitäten. Was ihn vor allem so wertvoll machte, war die Tatsache, dass er den Ball gut unter Kontrolle halten kann und viele Zweikämpfe gewinnt. Röber schließt nicht aus, dass er auch künftig vorn spielt. Zumindest so lange, wie Alves ausfällt.

Die Eintracht-Fans unter den 32 000 Zuschauern im Waldstadion feierten ihre Elf, als hätte diese gewonnen. Einige der Berliner Anhänger konnten am Ende gar nicht feiern, denn da befanden sie sich in Polizeigewahrsam, wegen des unerlaubten Abbrennens von Feuerwerkskörpern. Selbst mehrmalige Stadionsprecher-Durchsagen konnten die Unbelehrbaren nicht von ihrem Tun abhalten. Hertha ist weiter top, einige ihrer Anhänger leider nicht.

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