Sport : Eintracht Frankfurt: Kommentar: Wo selbst Matthäus nicht irrte

Michael Rosentritt

Es gibt nicht viele Dinge außerhalb des Fußballfeldes, die Lothar Matthäus richtig gemacht hat. Nicht Trainer beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt geworden zu sein, das war eine der weiseren Maßnahmen. Damals, vor vier Monaten, als der Verein noch erstklassig war. Seinerzeit wurde Friedel Rausch als fünfter Kandidat angesprochen. Er sagte zu. Das war ein Fehler, wie Friedel Rausch seit dem gestrigen Dienstag weiß.

Das eigentliche Problem lag nicht einmal bei Rausch, obwohl der sich wahrscheinlich selber schon fragt, warum er mit seinen 61 Jahren das Haus mit Seeblick in der Schweiz verließ und es vorzog, sich dem Stress der Branche und seinen Hund dem Fluglärm über dem Waldstadion auszusetzen. Rausch machte den Job. Ziemlich erfolglos. Frankfurt stieg ab, Rausch blieb und wurde Team-Manager. Obwohl doch die wenigen Wochen zuvor ausgereicht haben müssen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Eintracht ein Verein der Zwietracht ist. Nur wenige Monate vorher hatten sie sich durch eine 50 Millionen Mark schwere Gabe vom neuen Vertragspartner Octagon vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet. Rund drei Viertel dieser Summe sollen bereits aufgebraucht sein. 3000 Kilometer lang soll Friedel Rausch mit seinem Auto nach unerschrockenen Fußballspielern gesucht haben. Vielleicht wurde es der Frankfurter Führung ja unheimlich, dieses strategische Arbeiten.

Gestern nun wurde Rausch der frühere Profi Tony Woodcock als Sportvorstand vorgesetzt. Der Mann hatte zuvor zwei Zweitligisten in die Drittklassigkeit geführt und sich zuletzt als Fernsehkommentator verdingt. Rausch reagierte verschnupft auf diese Neuigkeit und tat schließlich etwas, das längst überfällig war: Er trat zurück.

Nun steht die Eintracht da - mit Martin Andermatt (der mit Ulm aus der Bundesliga abstieg) als Trainer und Woodcock als Sportvorstand. Die Bilanz des Aufsichtsrates der Frankfurter Fußball AG ist um ein paar Peinlichkeiten reicher. Friedel Rausch war sicherlich nicht die schlechteste Lösung. Ob Woodcock die bessere ist? Aber um strategische Planung, qualifiziertes Personal, Umsicht und Weitsicht, kurzum: um Profi-Fußball geht es bei Eintracht Frankfurt ja schon lange nicht mehr.

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