Eintracht Frankfurt : Spitzenreiter des Mittelfelds

Allen Grund zur Freude - doch noch verscheucht Eintracht Frankfurt alle Gedanken an eine mögliche Europapokal-Teilnahme.

Christiane Mitatselis

LeverkusenIoannis Amanatidis scheint die Sache langsam unheimlich zu werden. „Wie wir als Mannschaft stehen und auftreten, das ist sehr gut. Aber wo soll das noch hinführen? Ich finde keine Worte“, sagte der griechische Kapitän der Frankfurter Eintracht. Ja, wohin wird wohl der Weg der Eintracht führen? Vielleicht in den Europapokal? 2:0 gewann Frankfurt am Wochenende bei Bayer Leverkusen, es war der dritte Sieg in Serie, zum zehnten Mal in dieser Bundesliga-Saison spielten die Hessen zu null. Und plötzlich liegt die Eintracht, die mit dem Ziel angetreten ist, nicht abzusteigen, nur drei Punkte hinter einem Champions-League-Platz.

Trainer Friedhelm Funkel reagiert momentan noch leicht allergisch auf europäische Träumereien. „Wir wollen 45 Punkte holen und haben jetzt 42. Erst wenn wir unser Ziel erreicht haben, können wir unsere Zielsetzung ändern“, sagte der 54-Jährige. Er sei lange genug im Geschäft, fügte er an, um zu wissen, „wie schnell sich die Dinge wieder ändern können“. Sah man der Eintracht bei ihrem Sieg in Leverkusen zu, so gab es aber keine Anzeichen, die auf eine grundsätzlich negative Wende deuten, dazu spielten die Hessen zu abgeklärt. Die Kombinationen der spielstarken Leverkusener prallten an der kompakten Frankfurter Abwehr ab. Was den Gegner sichtlich frustrierte. Mit zunehmender Spieldauer gingen die Bayer-Angreifer immer hastiger zu Werke. Wenn es einmal läuft für ein Team, dann ist meist auch das Glück auf seiner Seite. So war Bayer-Angreifer Stefan Kießling in der 24. Minute so freundlich, nach einem Duell mit Marco Russ Frankfurt per Eigentor in Führung zu bringen. Vier Minuten zuvor hatte Schiedsrichter Herbert Fandel Leverkusen nach einem Strafraum-Handspiel von Patrick Ochs einen Elfmeter verweigert. In der Nachspielzeit, als Bayer verzweifelt den Ausgleich suchte, erhöhte der eingewechselte Grieche Evangelos Mantzios auf 2:0.

Beachtlich war es, wie gut die Frankfurter den Ausfall ihres erfahrenen Abwehrchefs Sotirios Kyrgiakos verkrafteten. Der griechische Nationalspieler war mit dem Handicap einer gebrochenen Nase ins Spiel gegangen. Nach 38 Minuten schied er aus, da er sich trotz einer Maske erneut die Nase gebrochen hatte. Für ihn kam der 21-jährige Fatin Toski ins Spiel, der die Aufgabe problemlos erfüllen konnte. „Es lief genauso gut wie vorher“, freute sich Funkel. „Das ist schon stark. Wir haben in dieser Saison schon so viele Ausfälle weggesteckt, die Mannschaft funktioniert.“

Und wie soll es nun weitergehen? Während in den Worten des Frankfurter Trainers – trotz aller Vorsicht – ein wenig Euphorie auszumachen war, mochte sich der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen nicht allzu sehr freuen. „Wir haben noch schwere Spiele und viel Substanz verloren. Wir wissen uns einzuordnen.“ Und zwar „als Spitzenreiter im Mittelfeld“. Oder wird es vielleicht doch ein Europapokal-Platz? „Wir versuchen jetzt so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um vielleicht doch noch den Uefa-Cup zu erreichen“, sagte Patrick Ochs. „Eigentlich wäre das ja nichts Besonderes“, stellte Amanatidis fest. „Da haben wir ja schließlich schon mal gespielt.“ Allerdings: In der Saison 2005/06 qualifizierte sich Frankfurt als Tabellenvierzehnter – nur durch die Teilnahme am Pokalfinale (0:1 gegen Bayern München) für den Uefa-Cup.

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