Sport : Eintracht Frankfurt: Tränen am Main: Ein echter Typ geht, Liga zwei kommt

Jan-Aage Fjörtoft geht, und Eintracht Frankfurt kommt dem zweiten Bundesliga-Abstieg nach 1996 immer näher. Bei seinem tränenreichen Abschied bewies der norwegische Stürmer mit Frankfurter Kultstatus ein letztes Mal seinen Wert für die Hessen. Beim 1:1 (0:0) gegen den Hamburger SV riss der 34-Jährige die 33 000 Zuschauer im Waldstadion aus ihrer Lethargie und ebnete mit einem überraschenden Hackentrick den Weg zum Ausgleich durch Thomas Sobotzik (78.). "Wir haben zwei Punkte verschenkt", sagte HSV-Coach Frank Pagelsdorf verärgert. Die ebenfalls vom Abstieg bedrohten Hamburger hatten es nach der 1:0-Führung von Niko Kovac (54.) versäumt, die Konterchancen zum Sieg auszunutzen. "Das 1:1 ist zu wenig, ein Sieg war Pflicht", sagte Eintracht-Interimstrainer Rolf Dohmen. Nach dem fünften Spiel ohne Sieg in Serie läuten die Alarmglocken am Main.

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Frankfurts Vorstandsvorsitzender Steven Jedlicki rückte nach der Partie von seinem Wort ab, dass Sportdirektor Dohmen bis zum Saisonende mit Kotrainer Armin Kraaz das Team führen soll: "Das Duo wird in der nächsten Woche das Training leiten. Es wird aber auch Gespräche mit Hans-Peter Briegel geben." Der ehemalige Nationalspieler des 1. FC Kaiserslautern ist heißer Kandidat für den Posten des Cheftrainers. Nicht ausgeschlossen, dass Briegel noch vor Saisonende kommt, um zu retten, was vielleicht schon nicht mehr zu retten ist.

Mit Fjörtoft verliert die Eintracht eine ihrer letzten Persönlichkeiten und die Bundesliga eine ihrer letzten Typen. Einer, der mitreißen kann, auf dem Spielfeld und auch abseits des Rasens. Und das nicht nur wegen seiner witzig-intelligenten Sprüche, sondern mehr noch wegen seiner überraschenden Aktionen. Kaum einem ist es gelungen, in nur 51 Spielen und 14 Erstliga-Treffern in zweieinhalb Jahren für die Hessen ein derart positives Image aufzubauen. Sein die Rettung bedeutender Treffer am 29. Mai 1999 zum 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern bleibt ebenso unvergessen wie sein Hackentrick gegen den HSV, wenn der Punktgewinn abermals mit zum Klassenverbleib reichen sollte.

"Ich hätte Fjörtoft früher bringen können, ja müssen", bekannte der nachdenkliche Dohmen. Nicht nur wegen des Fjörtoft-Abgangs herrscht Katerstimmung im Hessenland. Beseelt vom Willen, die drohende Niederlage abzuwenden, spulten die Frankfurter das Pensum eher lethargisch, einfallslos und daher ungefährlich herunter. Das Spiel zu machen, fällt der Eintracht schwer, seit Horst Heldt nicht mehr der uneingeschränkte Herrscher im Mittelfeld ist.

Rolf-Christel Guie-Mien ist als zweite Kreativkraft von Dohmen gesetzt, und Heldt findet nicht mehr die Mittel und Wege, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Zumal sein wichtigster Partner der Vorrunde, Marco Gebhardt, seiner Form hinterherläuft und nun auch im nächsten Auswärtsspiel beim SC Freiburg nach der fünften Gelben Karte noch fehlen wird.

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