Sport : Eintracht Frankfurt: Zeitvertreib Trainersuche

Nach der Absage von Klaus Toppmöller hat bei Eintracht Frankfurt das große Rätselraten in der Trainerfrage begonnen. Zwar gibt es nach Angaben des Fußball-Bundesligisten noch eine Handvoll Kandidaten, mit denen man nun "in aller Ruhe" verhandeln will, aber mit möglichen Anwärtern wie Bernd Krauss oder Martin Andermatt hat der Klub noch keinen Kontakt aufgenommen. Und so gibt es bereits Spekulationen, Sportdirektor Rolf Dohmen könnte sogar bis zum Saisonende Interims-Coach der Hessen bleiben. "Momentan ist das noch kein Thema. Mein Job auf der Bank ist nur bis zum Spiel gegen Energie Cottbus am Freitag festgelegt. Bis dahin werden wir weiter Gespräche führen und dann weitersehen. Im Moment macht mir die Aufgabe Spaß, aber ich sehe meine Zukunft als Sportdirektor, nicht als Trainer", sagte Dohmen gestern nach dem Training.

Allerdings spürt die Vereinsspitze nach dem 2:0-Sieg in Rostock offenbar keinen Zeitdruck. "Wir lassen uns nicht festlegen, wann ein neuer Trainer präsentiert wird. Es gibt kein Zeitfenster", erklärte der 48-Jährige, der auch bestritt, dass Toppmöller bei einer Niederlage schon am Montag als Nachfolger verpflichtet worden wäre: "Dann hätten wir genauso gehandelt wie jetzt."

Der frühere Trainer des 1. FC Saarbrücken hatte den Frankfurtern am Montagabend eine Absage erteilt, nachdem diese ihn noch einmal um ein bis zwei Tage Bedenkzeit gebeten hatten. "Ich lasse mich auf keine Warteliste setzen. Ich habe dem Verein klar gesagt, dass ich am Montag eine Entscheidung möchte, und ich stehe zu meinem Wort", sagte Toppmöller.

"Ich bin ein Mann der klaren Worte. Ich lasse mir nicht vom Vorstand diktieren, welche Leute ich holen soll oder wen ich aufstelle. Vielleicht braucht die Eintracht ja einen schwächeren Trainer", erläuterte der 49-Jährige, der Dohmen offenbar nicht als Vorgesetzten akzeptieren wollte. Dagegen bleibt es erklärtes Ziel der Eintracht-Führung, einen "Teamarbeiter" zu engagieren und eine alleinige sportliche Zuständigkeit wie unter Magath zu verhindern.

"Wir wollten Toppmöller haben, aber es hat einfach auf die Schnelle nicht gepasst. Bestimmte Punkte waren da, die nicht in unserem Sinne waren", meinte Dohmen. Den Einwand, dass Toppmöller von den zur Verfügung stehenden Fußball-Lehrern der derzeit kompetenteste auf dem deutschen Markt sei, den man nicht hinhalten könne, konnte der Sportdirektor so nicht nachvollziehen: "Ich habe nicht das Gefühl, eine große Chance verpasst zu haben."

Allerdings dürfte kaum ein Kandidat einen ähnlichen Vertrauensvorschuss bei Mannschaft und Fans haben wie Toppmöller, der die Eintracht schon von 1993 bis April 1994 trainiert hatte. Zumal Dohmen dem Nachfolger mit einem Heimsieg über Cottbus schon eine schwere Hypothek hinterlassen würde. Auf der anderen Seite wird der Ex-Bundesligaprofi, der zuletzt vor elf Jahren den Oberligisten FC Erbach trainierte, schon nach der ersten Niederlage jeglichen Kredit im Umfeld verloren haben.

Wen die Eintracht aber aus dem Hut zaubern will, ist völlig unklar. "Wir wären auch bereit, jemanden zu verpflichten, der bisher in der Zweiten Liga oder als Co-Trainer gearbeitet hat", meinte Dohmen lediglich. Der ins Gespräch gebrachte Armin Veh, der mit dem SSV Reutlingen ans Tor zur Bundesliga klopft, besitzt noch einen Vertrag bis 2002 und entspricht als sportlicher Alleinherrscher beim Zweitliga-Aufsteiger überhaupt nicht dem von der Eintracht vorgegebenen Profil. Und dass ein Mann wie Michael Skibbe seinen sicheren Posten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) verlässt, wo er gerade erst bis 2004 verlängerte, ist ebenfalls höchst unwahrscheinlich.

An anderen namhaften Trainern haben die Frankfurter offenbar kein Interesse. So sagte Bernd Krauss: "Es gab noch gar keine Kontakte. Es ist auch aus der Ferne schwer zu sagen, ob ein solcher Job für mich in Frage kommen würde. Dazu müsste man erstmal Gespräche führen." Auch Ulms ehemaliger Trainer Martin Andermatt erklärte: "Natürlich kann ich mir eine solche Herausforderung vorstellen. Aber es hat noch keinen Kontakt zur Eintracht gegeben."

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