Sport : Eintracht Möller

Frankfurt feiert ein Comeback und ein 2:0 in Gladbach

Stefan Hermanns

Mönchengladbach. Am schönsten ist die Rückkehr von Andreas Möller für die gegnerischen Fans. An ihm können sie endlich mal wieder ihre Kreativität ausleben. Gestern Nachmittag hatten die Anhänger von Borussia Mönchengladbach ein riesiges Transparent zur Begrüßung von Möller und seinem neuen alten Verein Eintracht Frankfurt aufgehängt: „19.15 Uhr: Auswärts 0 Punkte. Heult doch“. Tja. Um 19.15 Uhr hatte der Aufsteiger nicht nur die ersten drei Auswärtspunkte gewonnen, sondern auch den ersten Sieg geschafft. Und nach heulen war nach dem Frankfurter 2:0 auch niemandem zu Mute. Am wenigsten Andreas Möller.

„Ich bin mit meiner Leistung ganz zufrieden“, sagte der 36-Jährige, der seine Karriere als Fußballer eigentlich schon beendet hatte. Es wäre allerdings etwas einfach, jetzt die Formel aufzustellen: Ohne Möller kein Sieg, mit Möller erster Sieg, heißt: Sieg durch Möller. Die Gladbacher, die mit dem Anspruch in die Saison gestartet waren, sich den Uefa-Cup-Plätzen zu nähern, waren ein dankbarer Gegner für die Eintracht, der zwei Torchancen durch Kreuz in der ersten Hälfte und Bürger kurz vor Schluss zu zwei Toren reichten. Ein System ist bei der Mannschaft von Ewald Lienen nicht zu erkennen, jede Woche würfelt der Trainer die Aufstellung lustig durcheinander und heraus kommt ein Team, das orientierungslos über den Platz irrt.

Ganz anders Andreas Möller. „Er ist sehr ballsicher, spielt kluge Pässe und nimmt sehr viel Einfluss auf die Mitspieler“, sagte Eintrachts Trainer Willi Reimann. „Dadurch hilft er uns.“ Mit dem Alter sind die Ansprüche an Möller endlich ein wenig gesunken. Er muss jetzt nicht mehr der Spielmacher sein, der er sowieso nie sein wollte.

Möller möchte helfen, die Mannschaft solle sich „in jeder Situation an mich anlehnen können“. Nach dem Wirbel um seine Rückkehr war Möllers demonstrative Zurückhaltung nach dem Spiel fast verständlich. Die „Bild am Sonntag“ hatte in der vergangenen Woche sogar sein Debüt bis ins Kleinste („Torschüsse: 6, Ballkontakte: 72, Zweikämpfe: 14“) seziert, ein Freundschaftsspiel gegen den Oberligisten FV Lauda: „Es ist so über mich gekommen“, sagte Möller. Dass seine neuen Kollegen jeden Morgen bei der Zeitungslektüre die örtliche Eintracht-Berichterstattung mehr oder weniger zur Andreas-Möller-Berichterstattung reduziert sahen, fand Möller selbst „nicht so schön“.

Möller ist im Spiel der Eintracht eine bestimmte Rolle zugedacht, und er könnte ihr tatsächlich gerecht werden. Kein Eintracht-Spieler war häufiger am Ball als er, und selbst als Reimann nach einer Stunde bemerkte, „dass es etwas weniger wurde“, wartete er noch bis zur 86. Minute mit der Auswechslung. Weil er sah, dass sich Möller „taktisch immer noch gut verhalten hat. Wenn er am Ball ist, macht er kluge Sachen“. Möller bereitete sogar die erste Torchance vor – für Mönchengladbach. In der 51. Minute spielte er Kolkka den Ball vor dem Strafraum in die Füße. Dessen Schuss konnte Nikolov parieren, den Nachschuss setzte van Lent neben das Tor. „Das war haarsträubend“, sagte Möller. „Das geb ich zu.“ Nach all den Jahren muss er nichts mehr beschönigen.

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