Sport : Eintracht-Trainer Berger steht dicht vor dem Rauswurf

Jörg Berger wird das erste Bauernopfer in dieser Bundesliga-Saison sein. Diese Prognose kursiert schon seit Wochen am maroden Frankfurter Trainingsgelände am Riederwald. Der 55-jährige Trainer von Eintracht Frankfurt steht nicht nur bei den Wettbüros ganz oben auf der Liste der noch vor Weihnachten wieder arbeitslosen Fußball-Lehrer. Auch die lokalen Zeitungen fragen schon: Wie lange noch, Herr Berger? 24 Stunden vor dem letzten Heimspiel der Eintracht in diesem Jahrhundert heute gegen Bayer Leverkusen und weitere drei Tage vor dem Hinrunden-Abschluss beim Aufsteiger SSV Ulm sitzt Berger auf einem Schleudersitz. Ein wenig verträglicher wurde die Aufgabe jetzt durch die Rückkehr von Mittelfeldspieler Thomas Sobotzik, den der 1. FC Kaiserslautern wider Erwarten doch ziehen ließ.

Der Absturz auf einen Abstiegsplatz nach zehn Niederlagen in 15 Spielen mit nur elf Punkten lässt mit jedem Spiel bis zur Winterpause das Karussell möglicher Berger-Nachfolger immer schneller rotieren. Ungewöhnlich genug, dass in der entlassungsfreudigen Branche seit Saisonbeginn von den 18 Trainern noch keiner ausgetauscht worden ist. Der letzte war am 9. Mai Felix Magath in Bremen; er war die Nummer 247 in der Geschichte der Bundesliga und der Neunte der vorigen Saison.

"Ich bleibe bei meinem geraden Weg. Ich bin davon überzeugt, wir kommen da unten wieder raus", sagt Berger. "Wenn ich unter solchem Erfolgsdruck stehe, macht mich das nur stärker. Ich trete nur dann zurück, wenn die Mannschaft meine Vorgaben nicht mehr umsetzt." Klaus Toppmöller ist neben Bernd Krauss und Felix Magath trotz aller Dementis aus der Vereinsführung der erste Kandidat auf die Nachfolge von Berger. "Man soll nie nie sagen. Für jeden Trainer ist die Bundesliga das größte und nächste Ziel", sagt Toppmöller, der seit Saisonbeginn beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken Aufbauarbeit leistet. "Ich habe dort einen Zweijahresvertrag ohne Ausstiegsklausel unterschrieben", sagt Toppmöller, der schon 1993/94 Trainer der Eintracht war.

Ob er trotzdem den 90 Kilometer von seinem Heimatort Rivenich an der Mosel entfernt liegenden Arbeitsplatz mit dem Riederwald tauschen würde, wollte er weder dementieren noch kommentieren. "Darüber hat keiner mit mir gesprochen." Frankfurts Präsident Rolf Heller windet sich ebenso um klare Antworten. "Wir machen uns immer Gedanken, etwas zu verbessern. Ich hoffe, es gelingt uns, was zu bewegen." Nur wo Heller in der höchst prekären Situation der Eintracht konkret einschreiten will, sagt er nicht. Auf dem Präsidenten entlud sich in Wolfsburg die Wut und Enttäuschung der Fans. Er muss sich mit Berger die Verantwortung für die Personalpolitik bei den "Ersatz-Spielern" wie Salou, Heldt oder Guie-Mien teilen. Die 17-Millionen-Transfers sollten die Lücken der abgewanderten Mittelfeldspieler Bernd Schneider (Leverkusen) und Thomas Sobotzik (Kaiserslautern) schließen. Das gelang nicht.

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