Sport : Eintracht vor dem Weg durch die juristischen Instanzen

Die Bundesliga spricht hinter vorgehaltener Hand weiter von einer "Lex Frankfurt", Trainer Felix Magath äußert verklausuliert den Verdacht der Manipulation und empfiehlt seinem Arbeitgeber den Weg in die juristischen Instanzen: Das Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Frankfurter Eintracht wegen Verstößen gegen Lizenzauflagen für die aktuelle Spielzeit nach Saisonende zwei Punkte abzuziehen und den abstiegsbedrohten Klub mit 500 000 Mark Geldstrafe zu belegen, scheint juristische Konsequenzen zu haben.

Offensichtlich will der hessische Bundesligist die Strafe nicht hinnehmen. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" kündigte Eintracht-Präsidiumssprecher Rainer Leben an, dass sich der Verein mit allen juristischen Mitteln gegen das Urteil wehren werde. Noch am Freitag hatte der Schatzmeister gesagt, man wolle erst die schriftliche Begründung abwarten, die am Montag in der Geschäftsstelle am Riederwald eintreffen soll - wie auch der 43-jährige Leben nach seinem Tunesien-Urlaub.

Trainer Magath forderte die Klubführung nach dem 0:1 seiner Mannschaft beim 1. FC Kaiserslautern zum Handeln auf: "Ich hoffe, wir schöpfen alle Rechtsmittel aus." Der Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg unterstellt Magath böse Absichten: "Meine Spieler müssen sich darauf einstellen, dass manche Vereine mit allen Mitteln versuchen, sich Vorteile zu verschaffen." Außerhalb des Rasens sei es jetzt vorbei mit der Fairness, so Magath, der vergeblich auf eine Trotzreaktion seiner Mannschaft gehofft hatte. Der Fußball-Lehrer, der dem nach der Hinrunde abgeschlagenen Team zumindest sportlich neues Leben eingehaucht hat, sieht sich womöglich um die Früchte seiner Arbeit gebracht. "Schreiende Ungerechtigkeit, nicht nachvollziehbar, indiskutabel, Wahnsinn und alles andere als eine sportliche Entscheidung, Kesseltreiben" - das ließ der Nachfolger von Jörg Berger die "Frankfurter Rundschau" wissen.

Die Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg empfinden den Spruch des Lizenzierungsausschusses nach wie vor als lächerlich. Erich Steer, Manager von Neuling SSV Ulm 1846, sieht den Abzug der zwei Zähler als Harmlosigkeit: "Für mich ist das keine Bestrafung, sondern eher eine Belohnung." Engelbert Kupka, Präsident der SpVgg. Unterhaching, fuhr schwere Geschütze auf. Wildwest-Manieren müsse man verhindern, die Mentalität von Hasardeuren bringe niemanden weiter - Kupka ging das Votum der Lizenzhüter nicht weit genug. Unterhachings Trainer Lorenz-Günter Köstner sprach von einem "Wischiwaschi-Urteil", das "komplett unlogisch" sei: "Wenn, dann muss man Frankfurt mindestens drei Punkte abziehen."

Unabhängig davon scheint der Eintracht die Sicherung der Lizenz für 2000/2001 gelungen. Noch am Freitag ließ der DFB wissen, dass alle 36 Profiklubs ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen haben - also auch die mit wahrscheinlich mehr als 14 Millionen Mark verschuldeten Frankfurter. Ein schneller Abschluss mit einem "strategischen Partner", der 25,1 Prozent der Vermarktungsrechte bekommt und dafür mutmaßlich 30 Millionen Mark zahlen soll, wird immer wahrscheinlicher. Spätestens bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28. Mai soll der Investor das Plazet bekommen. Dann steht auch die Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs in eine Kapitalgesellschaft zur Diskussion.

Die als Frankfurter Finanzpartner lange Zeit hoch gehandelte Kinowelt Medien AG scheint indes aus dem Rennen zu sein. Leben deutete an, dass es einen neuen Kandidaten gibt. Offensichtlich handelt es sich dabei um die weltweit tätige Großagentur Octagon, die in der Main-Metropole ein Standbein hat: Seit 1999 gehört die Vermarktungsfirma Birkholz und Jedlicki zur Octagon-Kette. Und Firmengründer Manfred Birkholz, Opel-Kontaktmann des FC Bayern München, ist einer der "Väter" des früheren Eintracht-Marketing.

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