Sport : Einvernehmlich entlassen

Bundesliga-Trainer wollen keine Konkurrenten sein

Klaus Raab[München]

München - Es war ein Abend der Harmonie in München. Zunächst einmal war es natürlich der Abend des vierten Trainerwechsels in zwei Wochen. Nach Jupp Heynckes, Felix Magath und Thomas Doll verließ nach der Niederlage gegen Bayern München nun auch Thomas von Heesen seinen Verein, Arminia Bielefeld. Er übergab das Amt an seinen Vize Frank Geideck – „einvernehmlich“, wie von Heesen betonte. Doch abseits des Platzes und der Mannschaftskabinen dinierten die anderen Bundesligatrainer im Rahmen der größten Trainertagung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) seit Februar 2004 ausrichtete. Und harmonierten, bis gestern Mittag.

Die wichtigsten Worte, die hinterher fielen, waren: Respekt. Dialog. Sympathie. „Ich habe ein paar angenehme Sprüche gehört, was die Meisterschaft angeht“, sagte Schalkes Trainer Mirko Slomka, der mit seinem Team die Tabelle anführt. Und auch sonst: 15 Konkurrenten - nur drei hatten gefehlt –, „und alle wünschen sich Erfolg“, wie Friedhelm Funkel sagte, der Trainer von Eintracht Frankfurt. „Das war früher anders.“ Ins Detail wollte er allerdings nicht gehen.

Das ist also der eine Trend dieser Saison, was das Fußballtrainergeschäft angeht.: „Man schätzt sich und tauscht sich aus, und der Kontakt zur Nationalmannschaft war noch nie so gut wie zurzeit“, sagte Funkel. Bundestrainer Joachim Löw erklärte: „Es ist unsere Aufgabe, die Trainer der Vereine mitzunehmen.“ Der Rahmenterminplan für die Länderspiele steht bis Sommer 2008, und es gebe keine Probleme untereinander.

Die andere Entwicklung: Die Aufwertung des Kotrainers. Sie sind nicht mehr länger nur Interimstrainer, die nach einer Trainerentlassung für wenige Spiele übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist.Vergleichsweise viele Kotrainer sind in die Chefposition geraten. In Mönchengladbach folgte Jos Luhukay Jupp Heynckes. In Nürnberg wird Kotrainer Jürgen Raab dem aktuellen Stand der Dinge irgendwann seinem Cheftrainer Hans Meyer nachfolgen. Und bei Arminia Bielefeld löste Frank Geideck, der schon einmal Spielertrainer der Arminia gewesen ist, seinen Chef Thomas von Heesen ab.

Die Begründung ist meist die gleiche: Es solle kein Loch durch den Trainerwechsel entstehen, die Arbeit soll umgehend – nur eben erfolgreicher – fortgesetzt werden können. Der Kreis schloss sich bei der Trainertagung so durch die Anwesenheit von Joachim Löw: Er hatte als Kotrainer nach der Weltmeisterschaft Bundestrainer Jürgen Klinsmann abgelöst - ein Erfolgsmodell, wie sich herausstellen sollte. Man kann den Eindruck gewinnen, dass der Erfolg des Nationalteams die Bundesligaklubs auch an der Seitenlinie beeindruckt hat.

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