Sport : Einzelkinder mit Geschwistern

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Friedhard Teuffel erklärt, warum der deutsche Bahnvierer keine Mannschaft ist

Ganz oben, am Gipfel des Spitzensports, sind Mannschaften keine Gemeinschaften mehr, sondern Zweckverbände. Manchmal ist das gar nicht zu merken, weil diese Gebilde ihren Zweck erfüllen und gewinnen. Dann liegen sich alle in den Armen. Der deutsche Bahnradvierer gewinnt zwar auch, aber er ist noch nicht mal ein Zweckverband. Denn eigentlich wollen die Radler nicht einmal für den Erfolg miteinander fahren.

Warum verbindet sie nicht der Sieg? Zum einen, weil Radfahrer Einzelsportler sind, der Bahnvierer aber ein Mannschaftssport ist. Einzelsportler sind ganz eigene Persönlichkeiten, denen auch noch ihr Trainer ständig sagt, sie sollen sich auf sich selbst konzentrieren, nicht auf andere. Und auf einmal müssen sie sich in andere hineinversetzen, mit ihnen reden, Konflikte lösen. Das hat ihnen niemand beigebracht.

Bei manchen ist das dennoch gut gegangen, zum Beispiel bei Boris Becker und Michael Stich. Sie konnten sich noch nie besonders gut leiden, doch für die Olympischen Spiele 1992 hatte ihnen das deutsche Volk den Auftrag gegeben, Gold zu holen. Das hat auch geklappt. Hinterher sind sie dann wieder übereinander hergezogen.

Die Bahnradfahrer kommen auch deshalb nicht zusammen, weil Einzelsportler in kleinen Teams am schlimmsten sind. Da bilden sich Grüppchen heraus, die untereinander ihre Kämpfe austragen. Dass die Radfahrer aber nicht mal miteinander gewinnen wollten, liegt wohl vor allem daran, dass auch noch private Konflikte eine Rolle spielen. Die Rede ist unter anderem von Eifersucht und Frauengeschichten. Einzelsportler, Vierermannschaft, private Gründe – das ist selbst für einen Zweckverband zu viel.

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