Sport : Eis geht immer

Claudia Pechstein will später Trainerin werden.

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Schuhe zu und durch. Pechstein möchte bis nach Olympia 2014 weiterlaufen. Foto: dapd
Schuhe zu und durch. Pechstein möchte bis nach Olympia 2014 weiterlaufen. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Claudia Pechstein hat als Sportlerin alles gewonnen und als Mensch durch ihren Sport nahezu alles verloren – und doch kann sie sich ein Leben ohne Eisschnelllaufen nur schwer vorstellen. Deutschlands beste Winterolympionikin, die wegen unregelmäßiger Blutwerte zwei Jahre lang gesperrt war und über ihr Comeback auf dem Eis inzwischen 40 Jahre alt geworden ist, plant sogar über die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi hinaus. „Mein Weg geht nach Sotschi, und es kann sein, dass ich danach noch lange nicht aufhören möchte“, sagte Pechstein am Dienstagabend vor der Deutschen Olympischen Gesellschaft in Berlin. Bei einem ihrer raren öffentlichen Auftritte nach Ablauf der umstrittenen Dopingsperre kündigte sie gar an: „Später würde ich gerne als Trainerin auf dem Eis arbeiten.“

Pechstein war wegen eines auffällig schwankenden Blutparameters vom Weltverband ISU gesperrt worden; der Internationale Sportgerichtshof Cas kam 2009 in letzter Instanz zum gleichen Urteil – später allerdings attestierten führende Hämatologen Pechstein, die Doping stets bestritt, eine vererbte Blutanomalie. Für den erhofften Durchbruch beim indirekten Dopingbeweis hatten sich die Dopingjäger offenbar den falschen Fall ausgesucht. Die Berlinerin kämpft nun mit allen Mitteln um ihre Rehabilitation und will in diesem Jahr einen Schadenersatzprozess gegen die ISU anstrengen. Zudem bemüht sich die derzeit beurlaubte Beamtin der Bundespolizei darum, wieder in die Spitzensportförderung aufgenommen zu werden. In der deutschen Eisschnelllaufszene schlägt ihr für den einsamen Kampf in eigener Sache nicht nur Bewunderung entgegen. „Die Anerkennung im Ausland ist höher als bei uns“, räumte Pechstein ein und kämpfte mit den Tränen.

Ob ein skeptisches Umfeld der richtige Rahmen ist, um als Trainerin zu arbeiten? „Ich würde mich freuen, wenn sie das macht, aber es ist noch ein weiter Weg“, sagte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), auf Nachfrage. „Nicht jeder lebt ja den Sport so explizit wie sie.“ Pechstein fügte spitz an, Voraussetzung für ihre zweite Karriere auf dem Eis sei sowieso, dass die DESG dann überhaupt noch existiere. Die Berlinerin, die noch immer in der Weltspitze mitläuft, spielte damit auf die Nachwuchssorgen des Verbandes an und meinte, gerichtet an ihre jüngeren Teamkolleginnen: „Wenn ihr schneller laufen würdet, wäre ich nicht mehr hier.“

Aber wo wäre Claudia Pechstein sonst?

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