Sport : Eis in Berlin, Hitze in Sao Paulo

Jörg Wenig

Für den guten Rutsch war in Berlin schon am Nachmittag gesorgt. Über 2000 Läufer gingen trotz Eis und Schnee bei den Silvesterläufen an den Start. Höhepunkt war dabei die 26. Auflage des SCC-Rennens, das aus Sicherheitsgründen jedoch zum ersten Mal nicht über den Teufelsberg führte. Dennoch beteiligten sich am größten Berliner Silvesterlauf 1896 Athleten. Gestern veranstaltete der SC Charlottenburg dann den 31. Neujahrslauf. Rund 3400 Läufer beteiligten sich an dem Lauf ohne Wettkampfcharakter mit Start und Ziel am Brandenburger Tor, wo Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zwölf Stunden nach dem großen Knall den Startschuss gab. Anstelle eines Startgeldes sammelte der SCC Spenden zu Gunsten des Kinderhilfswerkes Unicef.

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Der international bestbesetzte unter mehr als 100 deutschen Silvesterläufen fand in Trier statt. Rund 15 000 Zuschauer sorgten auf dem Rundkurs der Altstadt für Stimmung. Im Konfettiregen lief der Kenianer Daniel Gachara als Sieger ins Ziel. Nach 22:58 Minuten hatte er über die 8-km-Strecke nur eine Sekunde Vorsprung vor Carsten Schütz (Wattenscheid) und meinte: "Ich liebe dieses Rennen, die Zuschauer sind fantastisch." Geschlagen auf Platz sechs beendete der 3000-m-Hindernis-Weltrekordler Brahim Boulami (Marokko) den Lauf. Bei seinem letzten Start für den SCC Berlin landete der Hindernis-Europameister Damian Kallabis, der seit gestern für den VfB Stuttgart startet, nur auf dem 21. Platz. Besser machte es Kathrin Weßel. Die künftig für den SCC startende Marathonläuferin lief beim Rennen in Peuerbach (Österreich) über 5,1 km in 17:02 Minuten auf Rang drei.

Der internationale Höhepunkt der Silvesterläufe findet jedes Jahr in Sao Paulo statt. 17 000 Teilnehmer gingen im bestdotierten Rennen der Jahreswende an den Start. Bei Temperaturen von knapp 30 Grad feierten die Zuschauer, eingestimmt von Samba-Bands, wie beim Karneval. Die 77. Auflage des Rennens war geprägt von einem Zweikampf der beiden stärksten Läufernationen: Kenia und Äthiopien. Nach 15 km hatte sich schließlich der äthiopische Sieger des New-York-Marathons, Tesfaye Jifar, in 44:15 Minuten vor dem Kenianer Guilbert Okari durchgesetzt. "Ich widme meinen Sieg dem brasilianischen Volk und vor allem meinem neunjährigen Sohn", erklärte Maria Zeferina Balldaia, die in 52:12 Minuten für einen brasilianischen Heimsieg sorgte.

Einen Temperaturunterschied von 35 Grad gab es zwischen den Silvesterläufen von Sao Paulo und jenen in Berlin. Aufgrund der Eisglätte musste die 24. Auflage des Rennens der Neuköllner Sportfreunde sogar ausfallen. Rund 70 Läufer joggten fünf Kilometer durch den Plänterwald. Kaum mehr waren am Vormittag am Weißenseer Silvesterlauf an den Start gegangen. Während Knut Günther (Halberstadt) über 10,5 km in 37:35 Minuten gewann, siegte Kathrin Behrens (SGE Berliner Bär) über 4,7 km in 20:51.

Viel Lob gab es von den Läufern für die Veranstalter des SCC. Am Tag zuvor ging eine Gruppe von Organisatoren um Horst Milde die Strecke über den Teufelsberg ab und entschied, dass diese zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht zu belaufen ist. Auf der Internet-Plattform des Berlin-Marathons, den der SCC organisiert, hatten Läufer zuvor von ihren Trainingsläufen rund um den Teufelsberg berichtet. Geschätzte 30 bis 40 Prozent der Laufstrecke, besonders die Bergstrecken, seien völlig vereist, schrieb ein Läufer. Ich bin Läufer, aber kein Eiskunstläufer, erklärte ein anderer. Ein Start über den Teufelsberg wäre wie russisches Roulett gewesen - schmeißt es dich nicht in der ersten Runde, dann vielleicht in der zweiten oder dritten.

Binnen kürzester Zeit fanden die Verantwortlichen eine flache Ersatzstrecke zwischen dem Mommsenstadion und dem Teufelssee, die kurzfristig von der Polizei genehmigt wurde und von der Stadtreinigung gestreut wurde. "Es war eine sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Polizei und der BSR, alle haben an einem Strang gezogen", sagte Horst Milde. Während über 10 km Ingo Ortel (SCC/32:58 Minuten) und Kathrin Neumann (USV Cottbus/38:38) siegten, setzten sich über 5 km Jonas Stifer (16:19) und die frühere Deutsche 800-m-Meisterin Marlies Hartlieb (beide LG Nord/18:25) durch.

So musste lediglich die Bergwertung am Teufelsberg ausfallen, ansonsten war alles wie immer: Das Rennen wurde mit Silvesterböllern gestartet, im Ziel erhielten alle Läufer einen Pfannkuchen - und manche erwischten einen mit Senf.

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