Sport : Eisbär Rob Cowie: Ein eingeklemmter Nerv schützt vor dem Strafbataillon

Claus Vetter

Der eine versucht sich durchzuwursteln, der andere spielt prinzipiell mit voller Besetzung und räumt auch einem Star keinen Bonus ein - eben weil er gewinnen muss: 4:3 nach Penaltyschießen hatte der EHC Eisbären die Nürnberg Ice Tigers geschlagen, und in der Spielanalyse gingen beide Trainer ganz unterschiedliche Wege. Die Gründe für die Niederlage beim Vorletzten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hatte Nürnbergs Coach Bob Murdoch schnell zur Hand: "Wir haben zu viele Verletzte." Früher, als der Spielplan in der DEL noch weniger straff gewesen sei, da habe man sich mit einem kleinen Kader durch die Saison mogeln können. "Heute, bei 60 Spielen in der Hauptrunde geht das nicht mehr", sagte Murdoch, "am Ende wird wohl das Team Meister, das in der Saison das geringste Verletzungspech hatte. Wir müssen uns jetzt erst einmal durchwursteln."

Sein Berliner Kollege schüttelte mit dem Kopf. "Wir wollen unbedingt Achter werden", sagte Eisbären-Trainer Uli Egen, "also müssen wir mit zwölf Stürmern spielen." Wenn es Verletzte gäbe, dann würde er eben Akteure aus der Oberligamannschaft, den Eisbären Juniors, einsetzen. Am Sonntag musste mit Eckmair wieder ein junger deutscher Spieler bei den Profis aushelfen und der Stürmer machte seine Sache ordentlich, wenn auch nicht fehlerfrei. Das sei allerdings nicht das Problem, glaubt Eisbären-Manager Peter John Lee. "Ein junger Spieler lernt aus Fehlern, ein erfahrener Kanadier dagegen lernt nichts mehr. Wir sind da mit dem Uli auf dem richtigen Weg und werden künftig wir noch mehr auf junge, talentierte Spieler setzen." Damit kein Missverständnis entsteht: Lee ist im Besitz eines kanadischen Personaldokuments.

Dass Rob Cowie ein talentierter Spieler ist, hat der 33-jährige in seiner Karriere hinlänglich bewiesen. Immerhin brachte es der Verteidiger auf einige Einsätze in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Bei den Los Angeles Kings hat Cowie sogar schon mit Wayne Gretzky gespielt, das gibt ihm bei Egen aber keinen Sonderbonus. Nachdem Cowie vor einer Woche in der Kabine augerastet war, wurde er zwischenzeitlich zum Straftraining in die zweite Mannschaft abkommandiert. Cowies Leiden hielten sich in Grenzen, weil er wegen eines eingeklemmten Nervs nicht am Training der Eisbären Juniors teilnehmen konnte. Gestern war der Verteidiger wieder genesen - just zu dem Zeitpunkt, wo ihn Egen wieder in den Kader des DEL-Teams bat. Eine vorgeschobene Verletzung? Nein, "Cowie hat ein Attest vorgelegt", sagt Egen. "Ich will auch nicht, dass einer denkt, ich habe etwas gegen den Cowie. Ich liebe alle meine Spieler."

Heute gegen die Schwenninger Wild Wings (Beginn 19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) wird Cowie wieder spielen dürfen. Die Berliner Entscheidungsträger werden sein Comeback nicht verfolgen. Der Eisbären-Eigner, die nordamerikanische Anschutz-Gruppe, lädt die Verantwortlichen seiner europäischen Filialen nach London ein. Dort wollen die Eisbären endlich einmal Erfreuliches aus Berlin-Hohenschönhausen berichten. Dass die Zuschauer trotz der anfänglichen Misserfolge weiter kommen und dass sich der Wechsel auf der Trainerbank schon bezahlt gemacht hat. Unter Uli Egen, dem Nachfolger des entlassenen Glen Williamson, haben die Berliner in acht Spielen 13 Punkte geholt, der Abstand auf einen Play-off-Rang ist auf neun Punkte geschrumpft. Heute Abend soll gegen Schwenningen der nächste Schritt nach oben folgen. "Denn vom Talent her", sagt Uli Egen, "stehen wir auf dem falschen Tabellenplatz."

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