Sport : Eisbären aller Länder

Berliner Eishockeyspieler sind international gefragter denn je

Claus Vetter

Berlin. John Gruden war bester Dinge. Obwohl die Trainingseinheit beim EHC Eisbären für den US-Amerikaner am Mittwochmorgen im Sportforum Hohenschönhausen nach verletzungsbedingter Pause anspruchsvoll war. Langsam schlenderte der Verteidiger zur Kabine. „Natürlich spiele ich am Donnerstag“, sagte Gruden. „Und das hat nichts damit zu tun, dass wir momentan verletzte oder gesperrte Spieler haben. Ich fühle mich blendend.“ Gruden war am Mittwoch kein Einzelfall, die Stimmungslage beim Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war außerordentlich gut.

Nach dem heutigen Spiel der Eisbären gegen die Düsseldorfer EG (Beginn 19 Uhr 30, Sportforum, live bei Premiere) folgt eine zweiwöchige Pause in der DEL. Daher also die gute Laune bei den Berlinern. Urlaubsglück? Von wegen, gleich zehn Akteure der Eisbären müssen kommende Woche beim Deutschland-Cup in Hannover ihren Dienst antreten. Felski, Nico Pyka, Blank und Jonas wurden von Eishockey-Nationaltrainer Hans Zach ins Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft berufen. Gruden, Aldridge, Beaufait, Fairchild und Roberts spielen für die USA, Walker für Kanada.

Beim Deutschland-Cup präsent

Zehn Nationalspieler aus Hohenschönhausen? Eine stolze Marke, die durch eine Nominierung von Ricard Persson für die Auswahl Schwedens noch imposanter wird. Allerdings musste Persson nach seiner Blinddarmoperation absagen. „Die vielen Nationalspieler sind Beleg für die gute Arbeit bei uns“, sagt Manager Peter John Lee. „Kein anderes Team ist in Hannover so präsent wie wir.“ Das hat der Veranstalter erkannt: Fans aus Berlin erhalten bei Sammelbestellung für den Deutschland-Cup vergünstigt Karten.

Lee wird dieses Angebot natürlich nicht in Anspruch nehmen. Kann der Manager der Eisbären auch nicht, schließlich ist er in Hannover erstmals in seinem Nebenjob als Kotrainer der Schweiz tätig. Freilich, Lee wird bei dem einen oder anderen Spiel die Gegner besonders sorgfältig beobachten: etwa wenn die Schweiz gegen Deutschland mit Oliver Jonas im Tor spielt. Der 23-jährige Torhüter der Eisbären debütiert in Hannover im Nationalteam. Dass Jonas sich darüber „riesig freut“, überrascht nicht. Dass der Onkel von Jonas dem Neffen noch nicht gratuliert hat, dagegen schon. Der ist nämlich immerhin Ex–Nationaltorhüter Helmut de Raaf. Jonas will nun selbst zum Hörer greifen.

Der Torwart als Tänzer

Pierre Pagé war der Erste, der Jonas beglückwünscht hat. „Oliver ist zum Tanz aufgefordert“, sagt der Trainer der Eisbären. „Und nun muss er auch tanzen.“ Dass seine Spieler derzeit über den Klub hinaus gefragt sind, überrascht Pagé nicht. „Unsere Verteidiger Gruden, Aldridge und Persson sind besser als viele Spieler in der NHL.“ Eine mutige Aussage, doch Pagé muss es eigentlich wissen. Schließlich war der Kanadier 20 Jahre in der nordamerikanischen Profiliga aktiv.

Natürlich, mancher bei den Eisbären hat sich in dieser Saison unter Pagé steigern können. Eine Erklärung für die bisherigen Erfolge der Berliner in dieser Saison. „Kein Spieler kann überall die gleiche Leistung bringen“, sagt Pagé. Und dann folgt ein Kurzreferat über die richtige Zeit, die richtige Umgebung und die richtigen Menschen. Klingt ein wenig abgestanden. „Nein“, sagt Pagé. „Denn wenn die Faktoren Zeit, Umgebung und Menschen nicht stimmen, dann muss ich sie eben so kreieren, dass sie für mich stimmen. Und zumindest das haben bei uns in der Mannschaft die meisten geschafft.“

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