Eisbären Berlin : Außenseiter gegen Mannheim? Das war einmal

Die Rollenverteilung in der Viertelfinalserie zwischen Mannheim und Berlin hat sich geändert, weil die Eisbären kein normaler Tabellenachter sind.

Berlin oben, Mannheim unten. Das 1:1 durch Darin Olver ist gefallen und plötzlich sind die Eisbären besser.
Berlin oben, Mannheim unten. Das 1:1 durch Darin Olver ist gefallen und plötzlich sind die Eisbären besser.Foto: Nordphoto/Imago

So ein bisschen Trash Talk hätte den unterhaltsamen Freitagabend doch noch abgerundet. Die Eisbären waren 6:3 über die Adler Mannheim hinweggerauscht. Hätte doch jeder verstanden, wenn Mannheims Trainer Sean Simpson ein wenig gepoltert hätte. Zum Beispiel so: „Also, wie brutal die Berliner unseren Torwart anfahren, das geht gar nicht. Uwe, da hätte ich mehr Anstand von dir erwartet.“ Die Play-offs sind im deutschen Eishockey ja gemeinhin die Zeit, in der die Sportart etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das bietet natürlich auch den Protagonisten eine größere Bühne als sonst. Sean Simpson allerdings ist wohl nicht gewillt, die mit markigen Sprüchen zu nutzen. Der Mann interessiert sich zur Zeit ausschließlich für seine Adler und da hatte er am Freitag keine Freude. Der Kanadier wollte am liebsten wohl nichts sagen nach dem zweiten Spiel der Viertelfinalserie, das 3:6 war dem Trainer des Favoriten dann doch zu deftig. Mit verkniffener Miene grummelte Simpson: „Berlin war die bessere Mannschaft und am Sonntag geht es in Mannheim weiter.“

Das stimmte beides. Die Eisbären haben die Mannheimer am Freitag spielerisch in die Knie gezwungen und sie müssten nun in Spiel drei der Serie am Sonntag in Mannheim (14 Uhr) wohl nicht chancenlos sein. Das erste Spiel der nach dem Modus „Best of Seven“ ausgetragenen Serie hatten die Adler eher glücklich 4:3 nach Verlängerung gewonnen, nun also nach Spiel zwei der Serie wirkt es so, als sei der Niveauunterschied zwischen Favorit und Außenseiter nicht existent. Die Mannheimer waren Zweiter nach der Hauptrunde der Deutschen Liga (DEL); die Berliner Achter – aber dahin haben sich die Eisbären eben mit einer anderen Mannschaft gewurstelt: Der Grund für die plötzlichen Stärke der Eisbären ist es, dass sie nun mit einem ganz anderen, üppigeren Team auf dem Eis stehen als vor den Play-offs.

Tallackson und Wilson erleben die Spiele inzwischen von der Tribüne aus

Die Stürmer Charles Linglet und Louis-Marc Aubry wurden erst vor ein paar Wochen verpflichtet und Angreifer Marcel Noebels stieg nach langer Verletzungspause erst kurz vor den Play-offs in die Saison ein. Die in der Hauptrunde so enttäuschenden Angreifer wie Barry Tallackson und Kyle Wilson erleben die Spiele inzwischen von der Tribüne aus. Eisbären-Kapitän André Rankel sagte dann auch am Freitag: „Wir spielen nun mit vier Reihen und haben einen kompletten Kader, das macht uns viel stärker als vorher.“ Und es fordert die Adler eben viel mehr, weil die Berliner ein sehr hohes Tempo gehen können und so die Mannheimer am Freitag eben immer wieder zu Fehlern in der eigenen Zone zwangen.

Erschwerend kam für die Adler hinzu, dass bei den Mannheimern der Wechsel auf der Torwartposition wohl nicht nur für Ruhe sorgte. Drew MacIntyre stand anstelle von Dennis Endras im Tor. Trainer Simpson kommentierte die Maßnahme wie folgt: „Wir haben zwei gute Torhüter.“ An dem etwas viel prallen lassenden MacIntyre lag es aber wohl nicht, dass die Adler so deftig verloren haben und nun vor dem dritten Spiel unter Druck geraten sind. Auch Endras machte in Spiel eins keinen besonders sicheren Eindruck, auf der Torwartposition sind die Berliner mit Petri Vehanen einfach besser besetzt.

Die Rollenverteilung in der Serie hat sich geändert, so viel steht seit Freitag fest. Wenn die Mannheimer verinnerlichen, dass sie gegen keinen gewöhnlichen Tabellenachten spielen, dann steigt ihre Chance womöglich, die Serie aus eigener Sicht positiv zu gestalten. Zumal die am Sonntag schon ausverkaufte Kulisse sicherlich kein Nachteil sein sollte für die Adler gegen die Eisbären, allerdings auch ein wenig mehr Druck bedeutet, denn die Erwartungen in Mannheim sind naturgemäß groß. Seit 2007 wurden die Adler gerade einmal Deutscher Meister (2015), eine eher schmale Bilanz für einen Klub, der seit Jahren mehr Geld in den Kader steckt als zum Beispiel die Eisbären.

Sollten die Berliner am Sonntag gewinnen, könnte es nach dem Spiel verbal schon etwas spitziger zugehen. Aber wer weiß, vielleicht sagt Eisbären-Trainer Uwe Krupp auch wieder nur: „Das war ein richtig gutes Eishockeyspiel.“ Wobei das am Freitag stimmte, was den Unterhaltungswert betraf. Denn sechs Tore von den Eisbären, dass hatte es zuletzt vor knapp fünf Monaten geben, am 21. Oktober 2016 beim 6:4 gegen Augsburg.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben