Eisbären Berlin : Das Vakuum im Mittelfeld

Bei den Eisbären gibt es nicht genug Profis im besten Eishockeyalter – nun werden junge Spieler früher als geplant eingesetzt.

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Abiturient auf dem Eis. Verteidiger Kai Wissmann hat sich mit Ende seiner Schulzeit bei den Eisbären durchgesetzt.
Abiturient auf dem Eis. Verteidiger Kai Wissmann hat sich mit Ende seiner Schulzeit bei den Eisbären durchgesetzt.Foto: Imago/Geisser

Am Freitag hat Kai Wissmann sein erstes Tor in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geschossen. Nach dem Spiel posierte der junge Spieler der Eisbären in der Umkleidekabine stolz mit dem Puck für ein Foto. Musste die Soziale-Netzwerk-Welt wissen, das mit dem Treffer. Usus unter Eishockeyspielern ist so etwas. Im Fall von Wissmann hatte die Pose durchaus auch metaphorisches Gewicht. Seht her, wir sind jetzt angekommen, die neue Generation der Eisbären: Wissmann ist erst 19 Jahre alt und doch hat er sich in dieser Saison durchgesetzt in der Verteidigung des Berliner Klubs, ein Jahr nach Jonas Müller (20 Jahre).

Für Geschäftsführer Peter John Lee sind Wissmann und Müller schon so stark, „dass sie eigentlich mehr sind als Verteidiger sechs und sieben“. Zumal das erfahrene Personal der Eisbären zur Zeit nicht immer einen Lauf hat. Nach zehn Spieltagen in der Liga haben sie schon fünf Niederlagen auf dem Konto. Dabei ist die Mannschaft gut in die DEL-Saison gestartet, doch nun scheint sie am Limit zu sein. Die „Extra-Belastung“ durch die Champions League sei zu groß, sagt Lee. Auch diese Woche haben die Eisbären wieder drei Spiele vor sich, das erste davon am Mittwoch in Iserlohn (19.30 Uhr). Ist der Kader der Eisbären angesichts des Programms zu klein? Haben sie in Berlin zu spät damit begonnen, junge Spieler wie Müller oder Wissmann einzubauen?

Beide Fragen lassen sich bejahen. Sportdirektor Stefan Ustorf sagt vielsagend: „Wenn der Spielplan auch im nächsten Jahr so eng ist, brauchen wir einen größeren Kader. Wären wir in einer perfekten Welt, hätten wir jetzt 13 Stürmer. Aber drei sind verletzt, also haben wir nur zehn Stürmer.“ Dafür haben die Berliner das Glück, dass mit Maximilian Adam und Charlie Jahnke zwei 18 Jahre alte Spieler aushelfen können. „An sich hatten wir die beiden erst für die kommende Saison eingeplant“, sagt Ustorf. „Aber sie haben genutzt, dass da jetzt eine Tür für sie aufgeht.“ Müller, Wissmann, Jahnke, Adam und auch Sven Ziegler (22) – bei den Eisbären rückt unter Trainer Uwe Krupp eine Gruppe an jungen deutschen Spielern nach, was bitter nötig ist: Denn André Rankel, Frank Hördler, Jens Baxmann und Florian Busch sind alle über 30.

Die Inkonstanz scheint für die Eisbären in dieser Saison zu einem zuverlässigen Begleiter zu werden

Im mittleren Alterssegment haben die Berliner ein Vakuum: Zwischen 24 und 30 Jahren haben sie nur sechs Spieler im Kader, die Braun-Brüder, den in dieser Saison verletzten Marcel Noebels sowie Topscorer Nick Petersen, Spencer Machacek und Jamie MacQueen. Ein Loch in der Altersklasse, die im Mannschaftssport als die mit der höchsten Leistungsfähigkeit gilt? Ustorf erkennt das Problem. „In Zukunft müssen wir diese Mittelgruppe stärken“, sagt er. Das Loch, das bei den Eisbären entstanden ist, hat eine Geschichte. Als Rankel und Co. im besten Alter waren, führte Don Jackson die Eisbären zu fünf Meistertiteln. Als die Spieler dann über ihren Höhepunkt hinaus waren, ist der Trainer gegangen. Ustorf sagt: „Don hat zu meiner Zeit als Spieler lieber mit zehn Stürmern gespielt, anstatt einen jungen Spieler hochzuholen.“

Mit dem Erbe müssen die Eisbären klar kommen, die Inkonstanz scheint für sie in dieser Saison zu einem zuverlässigen Begleiter zu werden. Die vergangene Woche sah so aus: 2:1 in der Champions League beim Schweizer Tabellenführer EV Zug nach herausragender Leistung, dann Hurrastil beim 7:4 in Ingolstadt und schließlich am Sonntag die Blamage beim Aufsteiger Bremerhaven (1:3). An einem guten Tag sind die Eisbären wohl im Champions-League-Achtelfinale gegen den schwedischen Meister Frölunda nicht chancenlos, an einem schlechten Tag können sie gegen jeden Gegner chancenlos sein. Für Ustorf wie Lee war das Resultat von Bremerhaven eine Folge der vielen Spiele. Die bessere Mannschaft sei „zu müde“ gewesen, sagt der Sportliche Leiter.

Seine Mannschaft habe „viel Potenzial“, glaubt Ustorf, müsse aber noch lernen ihre Möglichkeiten „konstant abzurufen“. Aber: Rückschläge wären Systemimmanent, wenn man in die Zukunft investiere. Und das wollen die Eisbären weiterhin. „Ich hätte ja einen Spieler wie Milan Jurcina behalten können“, sagt Ustorf. „Aber das habe ich nicht, weil Wissmann sonst der Weg verbaut gewesen wäre. Und schon mittelfristig haben wir von Wissmann sicher mehr als von Jurcina.“ Sieht so aus, denn die Eisbären müssen nun das nachholen, was unter Jackson jahrelang versäumt wurde. Spieler wie Kai Wissmann helfen dabei, zum Glück hat der jetzt auch den Kopf frei für seinen Klub. Kai Wissmann sagt: „Nach dem Abitur konzentriere ich mich jetzt nur auf die Eisbären.“

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