Eisbären Berlin : Erinnerungen an Zlin

In kaum einer anderen Halle hat unser Autor so oft auf dem Eis gestanden wie im Eisstadion von Zlin. Gerne hätte er die Eisbären am Dienstag zu ihrem Gastspiel nach Tschechien begleitet, aber leider geht es ja für die Berliner um nichts mehr.

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Wo es noch nach Eishockey riecht. Die Eishalle von Zlin.
Wo es noch nach Eishockey riecht. Die Eishalle von Zlin.Foto:   Pavel Ševela / Wikimedia Commons.

Es ist ein paar Wochen her, als ich mich kräftig erschreckt habe. Bei einem unserer Bildanbieter stieß ich auf eine Aufnahme feiernder Profis von PSG Zlin nach ihrem Erfolg in der Champions League gegen Djurgarden in ihrem „Zimni Stadion“ (Eisstadion). Dieser eigentümlichen Schweiß- und Kunsteisgeruch der betagten Halle von Zlin, ich bildete mir prompt ein, ihn wieder zu riechen.

Ist natürlich Quatsch. Aber eine Eiskunstläuferin aus der Slowakei hat mir im Stadion von Zlin mal erzählt, „dass du diesen Geruch lieben musst, wenn du gut sein willst“. Ich habe gerne gerochen, doch gut geworden bin ich nie im Eishockey. Zu spät angefangen, zu schlechter Schlittschuhläufer – aber ganz viel Spaß gehabt. Und das lag auch sehr viel an Zlin, dieser kleinen Großstadt in Mähren. Dieser damals kurz nach der Wende doch noch sehr verträumten Industriestadt, die vor allem wegen ihrer Schuhe (Bata) bekannt ist.

Von Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre waren wir da, mit unserer Hobbytruppe. Ein Mitspieler kannte einen Lehrer aus Zlin, der buchte uns die Trainingszeiten – was damals sehr günstig für uns Studenten war: Immer im September vor der Saison und im April zum Ende der Saison. Eine Woche lang, zwei Mal Eis am Tag, wie es in der Eishockeysprache heißt. Und fast immer trainierten oder spielten wir im Eisstadion von Zlin. Untergebracht waren wir in einem Internat in Laufweite zum Eisstadion.

Auf dem Eis gab es für unsere Studententruppe selbstverständlich Niederlagen in Serie. In Tschechien spielte damals ja jedes Kind beides – Eishockey und Tennis. Auf den Straßen der ganz kleinen Großstadt trugen damals alle Halbwüchsigen ihren Schläger spazieren. Und wir waren damals, vor gut 20 Jahren, Exoten. Schlechte Spieler mit erstklassiger Ausrüstung. Wenn wir trainierten, stand der Nachwuchs von Zlin an unserer Bank und zeigte auf seine „Bohemia“-Schläger, der tschechischen Marke. Sie wollten tauschen mit uns. Holz gegen die ersten Alu-Schläger, mit denen einige von uns schon dilettierten.

Da hatte unser Autor das teure Trikot noch. Später tauschte er es gegen zwei Stofftrikots in Zlin.
Da hatte unser Autor das teure Trikot noch. Später tauschte er es gegen zwei Stofftrikots in Zlin.Foto: promo

Zugegeben, da wurde man schon mal schwach. Meine „Titan“-Schläger gab ich zwar nicht her, dafür ein „Tackla“-Trikot vom Team Canada – gegen zwei alte blaugelbe Stofftrikots von TJ Gottwaldow, so hieß Zlin früher, benannt nach einem Parteisekretär – in der dunklen Zeit, wie viele damals in der Kleinstadt mir erzählten. „We hate the Russians“, erzählte mir ein Eishockeyfan. „And we love the NHL.“ So einfach war das damals.

Und sie haben gerne gewonnen, denn im Eishockey verstehen die Tschechen keinen Spaß. Das bekamen wir einmal auch in einem Spiel gegen die Universität von Zlin, die damals noch eine Technische Hochschule war, zu spüren – obwohl es gerade für mich blendend begann. Wir lagen sofort 0:1 zurück, doch gleich im nächsten Konter erzielte ich den Ausgleich. Da geht doch was, dachte ich vermessen. Knapp 60 Minuten später erlöste mich auf der Strafbank sitzend die Schlusssirene – es stand 4:15 aus unserer Sicht.

So hart sollte es für die stark geschwächten Eisbären am Dienstag in Zlin nicht ausgehen. Doch hoffentlich sind ein paar Zuschauer da, die Stimmung war früher bei Spielen von ZPS Zlin, wie der Klub damals hieß, immer euphorisch. Besonders in den Derbys gegen Vsetin: Josef Straub war damals Kapitän und Star einer ansonsten sehr jungen Mannschaft, die fast nur aus einheimischen Spielern bestand. Im Stadion stank es bei den Spielen dann auch noch nach Bier und Zigarettenqualm, der von außen aus der engen Raucherecke hineinwaberte. Eine Eishockeyhalle der alten Schule eben. Ich habe sie gerne gerochen.

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