Eisbären Berlin erreichen Viertelfinale : Nach 104 Minuten trifft Jamie MacQueen

Die Eisbären müssen bis in die dritte Verlängerung, ehe der Kanadier das Spiel in Straubing beendet und die Berliner in die Play-offs schießt.

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Schon im ersten Spiel gegen Straubing ein Held: Jamie MacQueen (rechts).
Schon im ersten Spiel gegen Straubing ein Held: Jamie MacQueen (rechts).Foto: dpa

Mit zwölf Auswärtsniederlagen in Serie traten die Eisbären am Freitag in Straubing an – und beendeten diese historisch schlechte Serie mit einem ganz wertvollen Sieg. Jamie MacQueen jubelte nach 104 Spielminuten in der dritten Verlängerung um 23.52 Uhr am heftigsten, sein Siegtor zum 3:2 (1:2, 1:0, 0:0/1:0) hatte den Berlinern in den Pre-Play-offs den Einzug ins Viertelfinale der Play-offs beschert. Nach einem Marathonspiel, das um 19.30 Uhr begonnen hatte.

Irgendwann, spätestens nach der zweiten Pause in der Verlängerung wirkte es so, als wolle das Spiel nie enden. Die mitgereisten Fans der Eisbären sangen: „Hey das geht ab, wir spielen die ganze Nacht“, und die müden Akteure auf dem Eis wurden immer langsamer. Gut, dass es dann doch noch weit vor der Rekordmarke in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) was Verlängerungen betrifft vorbei war. Im März 2008 hatte ein Play-off-Spiel der Kölner Haie gegen Mannheim 168 Spielminuten und 16 Sekunden gedauert. Damals siegte Köln in der sechsten Verlängerung.

Nach dem 3:1-Erfolg im ersten Spiel der „Best-of-Three“-Serie sind die Berliner weiter und spielen nun ab Dienstag gegen die Adler Mannheim. Dann allerdings heißt die Serie „Best of Seven“.

Dass es am Freitag in Straubing etwas rustikaler zugehen würde, dessen konnten sich die Berliner gewiss sein. Der schnuckelige Name "Stadion am Pulverturm“ ist irgendwie Programm beim niederbayrischen Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In der kompakten Arena ist es eng und laut und die allgemeine Aufgeregtheit des 5640 Zuschauer großen oder eben kleinen Publikums waberte auch am Freitagabend bis aufs Eis. In Straubing klatschen sogar die Ordner in ihren gelben Warnwesten mit. „Bitte keine Geldstücke aufs Eis werfen“, wurde schon mal durchgesagt.

Jamie MacQueen beendet längstes Eisbären-Spiel aller Zeiten

Barry Tallackson, Charles Linglet und Kai Wissmann mussten am Freitag als überzählige Spieler zuschauen bei den Berlinern. Damit hatten sie zumindest die Chance, der im Stadion gespielten Musik intensiver zu lauschen als die Kollegen, die sich auf das Spiel konzentrieren mussten. Gab es da etwa einen Song der russischen Metal-Band „Wishmaster“ zu hören? Klang danach. Ein Stück der Uralt-Schmuddelrocker „Guns ‘N Roses“ war da schon einfacher zu identifizieren. Wie auch immer, beides waren Stücke, die in anderen Eishockeystadien eher selten gespielt werden.

Berlins Trainer Uwe Krupp hatte zwei Überraschungen in seinem Team: Micki DuPont nach lange Pause und Kapitän André Rankel nach kurzer Pause standen auf dem Eis. Das war zwar schlecht für das Trio um Tallackson, aber gut für die Eisbären. Sie wirkten von der ersten Minute an konsequenter und energischer als so oft diese Saison.

Es wurde recht viel gerauft auf dem Eis und die Berliner stellten sich nicht nur dabei eher ungeschickt an. Sie kassierten einfach zu viele vermeidbar wirkende Strafen, was wiederum Einladungen für die Straubinger waren, um ihr brillantes Überzahlspiel aufzuziehen. Gleich im ersten Powerplay traf Sean Sullivan zum 1:0 für die Bayern. 31 Sekunden später aber erzielte Alex Roach sein erstes Saisontor für die Eisbären, das hatte sich er junge Verteidiger tatsächlich für einen wichtigen Moment aufgehoben. Und auch nachdem Straubing im zweiten Powerplay durch Scott Timmins auf 2:1 erhöhen konnten, resignierten die Eisbären keinesfalls. Spencer Machacek arbeitete den Puck im zweiten Drittel seinerseits in Überzahl zum 2:2 ins Tor der Tigers.

Dann wurde es ein richtig intensives Play-off-Spiel. Keine der beiden Mannschaften konnte sich im letzten Drittel zunächst eine Überlegenheit erspielen. Es war wohl die Frage, wer die schlechteren Nerven hatte und sich zu einem Fehler hinreißen lassen würde in der Verlängerung. Es waren dann eben die Straubinger, die in der Extraspielzeit im längsten Eisbären-Spiel aller Zeiten das Berliner Siegtor kassierten und damit jäh in das Saisonende entlassen wurden.

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