Eisbären Berlin gegen Kölner Haie : Harmonie trifft Disharmonie

Das Duell zwischen Eisbären und Haien wird nicht nur auf dem Eis ausgetragen. Dort sind die Haie ohnehin Außenseiter, zu viel lief unter Trainer Sundblad zuletzt schief.

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Läuft nicht so ganz. Haie Torwart Wesslau.
Läuft nicht so ganz. Haie Torwart Wesslau.Foto: Imago/Eibner

Es war so ein Tag, an dem gar nichts zusammen lief bei den Eisbären Berlin. Und das ausgerechnet in Uwe Krupps Heimat Köln. Als ihn dann auch noch sein einstiger Co-Trainer Petri Liimatainen nach dem Spiel artig begrüßen wollte, da schlängelte sich Krupp wortlos an seinem ehemaligen Mitarbeiter vorbei. 1:6 bei der Rückkehr in seine Heimatstadt, an seiner einstigen Wirkungsstätte als Trainer gegen seinen ehemaligen Co-Trainer Petri Liimatainen und Niklas Sundblad zu verlieren – das schmerzte und hob so einen erfahrenen Profi im Eishockeygeschäft wie Krupp kurz aus der Balance.

Vor zwei Monaten, am 11. Oktober, erlebte Krupp seinen düsteren Sonntag in der Kölnarena. Gemessen an dem, was sich in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seitdem getan hat, war das also in der Steinzeit der laufenden Saison: Die hoch eingeschätzten Kölner sind auf Platz zehn abgestürzt, die Eisbären dagegen sind vor dem zweiten Aufeinandertreffen in dieser Saison am Freitag in der Arena am Ostbahnhof (19.30 Uhr) Tabellenzweiter.

Diese Konstellation ist ein mittelschweres Eishockeywunder – allerdings nicht, was den Tabellenstand der Berliner betrifft. Aber die Kölner mit ihren schwedischen Starspielern, von denen war mehr zu erwarten. Von dieser Fraktion erreicht allein Torwart Gustaf Wesslau Normalform, der vor zwei Jahren noch zum besten Goalie der Eliteserien gekürt wurde. Die größte Enttäuschung ist wohl Per Aslund, zuvor seit Jahren einer der besten Scorer bei Färjestads BK in Schweden. Bei den Feldspielern funktioniert nur die Sturmreihe mit den deutschen Nationalspielern Philipp Gogulla und Patrick Hager sowie Ryan Jones. In der Verteidigung überzeugte zuletzt nur der ehemalige Berliner Shawn Lalonde.

Stark besetzt sind sie die Kölner. Uwe Krupp hält sie sogar „für die am besten besetzte Mannschaft in der Liga“: Es kann also etwas nicht funktionieren in Köln. Und angeblich stimmt es mit dem Zusammenhalt in der Kölner Mannschaft nicht so ganz. Der Schwede Dragan Umicevic soll sich Gerüchten zur Folge schon bei den Eisbären beworben haben. Beobachter der Haie sprechen schon vom „typischen Sundblad-Effekt“ – dessen Stärke nicht unbedingt im Teambuilding liegt. Zudem wird gemunkelt, dass die Mannschaft zu hart trainierte und sich mancher der schwedischen Profis in Köln nicht wohl fühle. Bei Uwe Krupp, Sundblads Vorgänger in Köln ist das mit der Stimmung in der Mannschaft offensichtlich anders. Florian Busch, der als Stürmer zurzeit Verteidiger spielen muss, sagt: „Wir haben mehr Selbstvertrauen und wir merken, dass da etwas dahinter ist und etwas passieren kann in dieser Saison.“

Trainer Uwe Krupp hat bei den Eisbären eine harmonierende Mannschaft geformt

Uwe Krupp hat bei den Eisbären aus einer weniger stark eingeschätzten Mannschaft eine Einheit geformt und ist nach knapp einem Jahr auch davon überzeugt, dass das Team aus sich heraus nun funktioniert. „Sie geht mit verschiedenen Situationen sehr gut um“, sagt Krupp. Zum Formtief bei seinem einstigen Arbeitgeber will sich der gebürtige Kölner natürlich nicht detaillierter äußern. „Warum es bei denen nicht läuft, weiß ich nicht“, sagt Krupp. Fakt sei: Auch Köln müsse Bestleistung zeigen, um zu gewinnen. Und das rheinische Tabellentief solle man nicht überbewerten, sagt der Trainer: „Die Voraussetzungen sind die gleichen wie vorm letzten Spiel, es gibt immer noch drei Punkte. Aber wir wollen besser spielen als dort.“

Dass die Eisbären besser spielen, darauf hoffen sie in Köln nicht. Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger sagt, er hoffe, dass es „ein knappes Spiel“ wird. Und vielleicht hofft Schönberger auch auf einen harmonischen Abend hinter den Kulissen, obwohl das bei der Konstellation Berlin und Köln wenig wahrscheinlich ist. Der Geschäftsführer der Haie hatte behauptet, dass Krupp nach der mit Köln verlorenen Finalserie 2013 gegen Berlin und 2014 gegen Ingolstadt (mit Trainer Sundblad) den Gegnern nicht gratuliert habe. Dagegen ist Krupp anwaltlich vorgegangen – bis zur einstweiligen Verfügung. Zumindest das Spiel hat der Berliner Trainer schon mal gewonnen.

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