Eisbären Berlin gegen RB München : Mehr Geld schießt mehr Tore

Setzt sich in den Play-offs die große Qualität von RB München durch oder kommen die Eisbären zurück? Vor allem das Finanzielle spricht für die Münchner.

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Berlins Darin Olver (l) und Münchens Jonathan Matsumoto im Zweikampf um den Puck. Foto: dpa
Berlins Darin Olver (l) und Münchens Jonathan Matsumoto im Zweikampf um den Puck.Foto: dpa

Das Spiel war seit einer halben Stunde vorbei. Die Profis des EHC Eisbären standen vor der Abfahrt zum Hotel noch im unwirtlichen Außenbereich der Olympia-Eishalle herum. Der gebürtige Miesbacher Florian Busch traf Freunde aus der Heimat und feixte gutgelaunt mit den Kumpels. Der Trend in der männlichen Altersklasse um die 30 geht in Oberbayern klar zum Rauschebart, an Busch und Entourage gemessen. Auch Verteidiger Alex Roach, halb Deutscher, halb Kanadier, traf nach dem Spiel bei RB München ihm bekannte Menschen – Verwandtschaft aus Peißenberg. Der Verteidiger ist trotz Play-offs glattrasiert im Gesicht, aber Roach ist ja auch Vertreter der Generation hinter Busch. Zur mittleren Generation der Eisbären gehört der 25 Jahre alte Marcel Noebels, der am späten Dienstagabend weniger gut gelaunt war. Und das wohl nicht, weil er als gebürtiger Niederrheiner in Bayern nicht auf Bekannte traf. Noebels ärgerte sich über das Zurückliegende: 1:5 im dritten Play-off- Halbfinalspiel, das war bitter. „Heute konnte man sehen, warum München zurecht seit zwei Jahren so erfolgreich ist“, sagte Noebels. „Aber noch ist nichts verloren.“

Tatsächlich steht es in der nach dem Modus Best of seven gespielten Serie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft aus Berliner Sicht erst 1:2. Und dann ist es auch so, „dass ein 1:5 in den Play-offs schon mal passieren kann, wenn alles für den Gegner läuft“, wie Eisbären-Trainer Uwe Krupp sagte. Aber die zentrale Frage ist: Können die Berliner nach dem 1:5 am Freitag im Heimspiel zurück in die Serie finden? Oder ist der Abstand zum Meister zu groß?

Der Abstand zu München ist in den vergangenen Jahren gewachsen, das offenbart schon ein Blick auf die Kader. München wird angeführt von Michael Wolf, dem Kapitän gelangen am Freitag zwei Treffer. Wolf hat einst in 152 Länderspielen 53 geschossen, Berlins Kapitän André Rankel dagegen ist in der deutschen Nationalmannschaft seit Jahren nicht gesetzt. Von den ausländischen Profis der Bayern haben sieben in der National Hockey League (NHL) gespielt. Bei den Eisbären sind es zwar auch fünf Profis, die in der besten Eishockeyliga der Welt schon auf das Eis durften, allerdings kam dort nur Verteidiger Bruno Gervais (418 NHL-Partien) über sporadische Einsätze hinaus.

Es ist erstaunlich, dass die Eisbären so gut dastehen

Der Vergleich beider Teams fällt auch in anderen Bereichen zugunsten Münchens aus: Einen Konrad Abeltshauser, mit 23 Jahren bester Verteidiger beim Meister, haben die Eisbären nicht in dieser Altersklasse und auch sonst nicht. Und im Angriff ist Dominik Kahun – beim 5:1 unter den Torschützen – mit 21 Jahren einer der besten deutschen Stürmer in der Deutschen Eishockey-Liga. Bei RB wurde vom Eigner eben kräftig investiert. Zu kräftig für Berlin, kürzlich offenbarte ein Verantwortlicher des Eisbären-Eigners Anschutz, dass man bei den von Red Bull abgerufenen Preisen für Spieler nicht mithalten könne und vor allem wolle.

Nimmt man die Voraussetzungen auf beiden Seiten zum Maßstab, ist es erstaunlich, dass die Eisbären in der Serie gegen München noch so gut dastehen. Auch wenn nun die Gefahr besteht, dass den Berlinern die Kräfte ausgehen und der Druck vor dem nächsten Spiel zu groß ist. Es könnte ja bei einer Niederlage das letzte Heimspiel der Saison sein. In München glauben sie daran. So proklamierte der Stadionsprecher in der Olympiahalle am Dienstag kurz nach der Schlusssirene schon, dass die Mannschaft am Freitag in Berlin nachlegen würde und es dann Sonntag zum großen Feiertag kommen könne, wenn München im Heimspiel das Finale erreiche – „schnell zuschlagen, noch gibt es Restkarten“.

So weit sind die Eisbären in Gedanken noch nicht. Marcel Noebels sagt: „Klar haben wir jetzt am Freitag den Druck, gewinnen zu müssen. Sonst wird es schwer für uns.“ Aber er sei davon überzeugt, dass seine Mannschaft mit ihren Ideen nicht am Ende sei. „Wenn beide alle Heimspiele gewonnen hätten, würde es jetzt auch 2:1 für München stehen.“ Gut sei, dass sein Team am Donnerstag einen freien Tag bekäme. „Alle von uns sind froh, dass wir dann mal vom Kopf her vom Eishockey mal ein bisschen wegkommen können.“ Solange die Eisbären am Freitag mental wieder zum Eishockey finden, ist das mit dem trainingsfreien Tag womöglich sogar eine gewinnbringende Maßnahme von Trainer Uwe Krupp.

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