Eisbären Berlin : Krawall und Remmidemmi

Prügeln und Pöbeln: Die Eisbären müssen bei der heftigen 1:6-Niederlage in Mannheim erkennen, dass auch die Adler ihr Play-off-Handwerk verstehen.

Katrin Schulze[Mannheim]
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Haufenweise Ärger. Mannheim ging hart zur Sache.Foto: Fishing4

Keiner formulierte es so pointiert wie Frank Hördler. „Wir sind hierher gekommen, um Eishockey zu spielen und nicht so einen Scheiß“, sagte er. Dass der sonst so gemächliche Sachse in Diensten der Eisbären am Dienstagabend derart in Aufruhr geriet, lag nicht unbedingt am schwachen Spiel seines Teams. Vielmehr bezog sich seine Beschwerde auf die ruppige Spielweise des Gegners, der die Berliner nur wenig entgegenzusetzen hatten. Mit 1:6 gingen sie im zweiten Halbfinale bei den Adlern Mannheim buchstäblich k. o.

Auf dem Eis der Mannheimer Arena wurde Eishockey zuweilen mehr gekämpft denn gespielt. Vor allem von den Adlern. Zu oft, wie die Berliner Delegation befand, spielten die Gastgeber an den Grenzen des Regelwerks. „Für einige Fouls, die hier passiert sind, müsste man in den USA 10 000 Dollar Strafe bezahlen“, sagte Don Jackson. Überhaupt zeigte sich der Eisbären-Trainer erregt über die Leistung der Schiedsrichter: Sein Gesicht verfärbte sich in einen gefährlich anmutenden Rot-Ton, und die Falten auf der Stirn verwandelten sich in Furchen. Auch Jacksons Vorgesetzter Peter John Lee beschwerte sich in ungewohnter Deftigkeit über die laxe Bestrafung der Mannheimer Profis. „So einen Scheiß würden sie bei keiner Weltmeisterschaft durchgehen lassen“, schimpfte der Berliner Manager.

Scheiß, scheiß, scheiß. Die Eisbären hatten sich offensichtlich auf diese Bezeichnung geeinigt. Der „Scheiß“, pardon, die Ungereimtheiten begannen schon in der achten Minute, als Adler-Verteidiger Felix Petermann nach einer Prügelei mit Berlins Alexander Weiß nur eine zehnminütige Strafe aufgebrummt bekam, obwohl er mit blanken Fäusten unentwegt auf den am Boden liegenden Gegner eingedroschen hatte. Sven Felski, der ebenfalls an der Aktion beteiligt war, kassierte die gleiche Strafe. Er wird dem Team von Don Jackson damit am Freitag fehlen, da er sich im Viertelfinale einen ähnlichen Ausrutscher geleistet hatte.

Auf Mannheimer Seite ist Peter Flache für das dritte Spiel der „Best of five“-Serie gesperrt, weil er sich zwölf Sekunden vor Schluss einen Stockstich in den Bauch von Gegenspieler André Rankel erlaubte. Ein Verlust, den die Mannheimer wohl verschmerzen können, da Flache von den Adlern „ohnehin nur zum Krawallmachen aufs Eis geschickt wird“, wie Jackson befand. Der Eisbären-Trainer wollte sich gar nicht mehr abregen und kündigte sogar an, dass er bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Protest einlegen wolle, damit sie die Fälle in aller Ruhe prüfen könne.

Bis gestern zwölf Uhr hätten die Eisbären Protest einlegen können. „Bei mir ist kein Antrag eingegangen. Ich weiß davon nichts“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Hatten die Berliner ihre Meinung geändert? Es ist vermutlich anders. Die Aussagen Jacksons können als Teil der berühmten Play-off-Scharade gewertet werden. Es gehört in der Endrunde schlicht dazu, sich nicht nur auf dem Eis, sondern auch außerhalb der Arenen zu messen. Kuriose Drohungen, strengste Geheimhaltung, seltsame Vorbereitungsmaßnahmen und noch ein bisschen mehr Trash-Talk als ohnehin schon. Das ist das alljährliche Pokerspiel der Endrunde.

Mannheims Trainer Teal Fowler hatte die spöttischen Sprüche, die einige Berliner Spieler zuvor in Richtung Mannheim losgelassen hatten, in der Kabine der Adler aufgehängt und eine entsprechende Reaktion seiner Mannschaft gefordert. Sie verstand und schlug die Berliner quasi mit deren eigenen Mitteln – mit schnellem, körperbetontem und offensivem Eishockey. „Das Forechecking war unglaublich, Mannheim hat hart und super gut gespielt“, sagte Berlins Angreifer Nathan Robinson, der nächste Saison wieder im Trikot der Mannheimer spielen wird.

Die Reaktionen auf den souveränen Auftritt des Gegners schwankten auf Berliner Seite zwischen Bewunderung und regelrechter Angewidertheit. Mit so einer drastischen Umkehrung der Verhältnisse hatten die Eisbären nach ihrem 4:0-Sieg in der ersten Halbfinalbegegnung überhaupt nicht gerechnet. Doch wie wollen die Berliner dafür sorgen, dass sie im nächsten Pokerspiel am Freitag wieder siegen? „Wir dürfen uns nicht so provozieren lassen“, sagte Robinson. Und: „Wir müssen ganz einfach wegbleiben von dieser Scheiße.“ Was auch sonst?

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