Eisbären Berlin : Krise mit Nachhaltigkeit

Der deutsche Eishockey-Meister aus Berlin verpasst möglicherweise erstmals seit 2001 die Play-offs. Die sportliche Misere bei den Eisbären wirft ihren Schatten bereits in die Zukunft – dem Klub fehlen die Mittel zu einem Befreiungsschlag.

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Trainer Jeff Tomlinson wollte vor der Saison die Strategie ändern bei den Eisbären. Allerdings ohne Erfolg.
Trainer Jeff Tomlinson wollte vor der Saison die Strategie ändern bei den Eisbären. Allerdings ohne Erfolg.Foto: Imago

Wenn Peter John Lee von seinen Ausflügen in Europa erzählt, kommt der Manager des EHC Eisbären schon mal ins Schwärmen. Lee spricht dann davon, mit wie viel Respekt die Eishockeymarke Berlin in den großen Nationen dieser Sportart wahrgenommen wird. So habe etwa Leif Carlsson, Trainer des schwedischen Erstligisten Färjestad, die Berliner Strukturen als „vorbildlich“ gelobt. Einer aus dem Land des Weltmeisters, der sagt, dass ein deutsches Team gut mit dem Nachwuchs arbeite. Bitte schön: Längst, so glaubt Lee, ist die nationale Liga zu klein für den deutschen Serienmeister. Der Manager hat eine Champions League im Eishockey mitinitiiert. Und logisch, für die neue Klasse sind die Eisbären gesetzt. Gleich für drei Jahre.

Doch als was starten die Eisbären kommende Saison in der Europaliga der Meister? Europäisches Spitzeneishockey zelebrieren sie zurzeit in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht. In der Tabelle werden die Berliner von den Provinzklubs Iserlohn und Straubing eingerahmt. Nach 40 Spielen der Hauptrunde sind die Eisbären am Sonntag auf Platz elf abgerutscht. Der Meister droht, erstmals seit 2001 die Play-offs zu verpassen. Schlimmer noch, die Krise kann nachhaltig werden.

Ist Tomlinson schuld?

Für viele Fans ist Jeff Tomlinson das Gesicht der Krise. Es ist naheliegend. Schließlich übernahm der Trainer zu Saisonbeginn die Mannschaft von seinem erfolgreichen Vorgänger Don Jackson. Der hatte in sechs Jahren fünf Meistertitel gewonnen. Tomlinson sagt, unter Jackson hätte vieles einfach gepasst. „Peter John Lee hat die Basis für den Erfolg gelegt, hat junge Leute geholt, die dann gewachsen sind. Und er hat Topimporte verpflichtet.“

Lee war der Architekt des Erfolges. Gemeinsam mit den Trainern Pierre Pagé und dessen Nachfolger Jackson. Lee ist auch ein Architekt des Misserfolges. Tomlinson hat nicht die Voraussetzungen wie seine Vorgänger: Die deutschen Spielertalente sind in die Jahre gekommen und können nicht die Führungsrollen ausfüllen, die vom Trainer erwartet werden. Nachrückende junge Spieler wurden von Jackson oft vernachlässigt. Nun brauchen sie Zeit, um an einhöheres Niveau heranzukommen. Ein strategischer Fehler ist fehlende Flexibilität auf der Torwartposition: Schon Jackson hatte sich allein auf Rob Zepp verlassen und Reservemann Sebastian Elwing kaum eingesetzt – nun ist Zepp verletzt und Elwing eine Schwachstelle. Kein Spitzenteam der DEL verlässt sich sich so auf einen Torwart wie die Berliner. Die Eisbären hecheln der Eishockeymoderne hinterher.

Dabei wollte Jeff Tomlinson genau das nicht. Der Trainer wollte die Strategie ändern. Er wusste, dass viele seiner Spieler sich nicht auf den Höhepunkt ihrer Karriere zubewegen, und hat daher versucht, das Spiel in der Defensive zu verbessern. Allerdings ohne Erfolg.

Mäzen Anschütz agiert vorsichtig

Krisen gab es auch unter Jackson, doch gab es da noch Spieler, die das Team aus der Krise führen konnten. Zurzeit haben die Eisbären kaum einen wie den jungen Kanadier Shawn Lalonde, der noch Steigerungspotenzial besitzt. Lalonde hat nur einen Vertrag bis Saisonende, dann wird er wohl Berlin verlassen. Schwedische und russische Klubs interessieren sich für den Verteidiger, und die Eisbären werden da kaum mitbieten können. Ein substanzielles Berliner Problem: Klubeigner Philip Anschutz ist ein vorsichtigerer Mäzen als Dietmar Hopp in Mannheim oder die Red-Bull-Gruppe in München: Anschutz steckt den Eisbären nicht mal schnell etwas zu, damit sie sich einen Spieler holen können, wenn es gerade nicht läuft. Anschutz will mit seinem Berliner Projekt kein Geld verlieren. Er ist auch Eigner der Arena am Ostbahnhof, und da will er verdienen – auch an Heimspielen der Eisbären.

Zwar ist der Zuspruch leicht rückläufig, aber mit 12 500 Besuchern im Schnitt sind die Berliner noch Spitze in der DEL. Allerdings könnten die Zuschauerzahlen zum Problem werden: Sieben Heimspiele haben die Berliner noch in der Hauptrunde, verpassen sie die Play-offs, gäbe es nach dem 2. März kein Eishockey mehr am Ostbahnhof. Bis Ende April, bis zum letztmöglichen DEL-Finalspiel sind Termine blockiert für die Eisbären.

Ein Verlust in Millionenhöhe droht, und die Zukunft der Eisbären kann noch teurer werden. Denn die Nachhaltigkeit der Krise lässt sich vor allem mit Geld bekämpfen. Bessere Strukturen im Nachwuchs, bessere deutsche Spieler und bessere Ausländer – das kostet. Und im Falle der Eisbären viel, denn sie schleppen Altlasten mit sich herum. Ein Spieler wie Florian Busch hat einen Vertrag mit langer Laufzeit, ist aber nicht mehr auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

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