Eisbären Berlin : Märchenhaft ins Finale

Die Eisbären erklären sich selber zum Meister-Favoriten. Eine Rolle, die gegen Düsseldorf nicht zur Last werden soll.

Katrin Schulze
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Mannheim am Boden. Jetzt wollen die Eisbären im Finale die DEG zu Fall bringen.Foto: dpa

So viel Zeit muss sein – für einen Plausch unter alten Bekannten. Behäbig kurvte Don Jackson am Mittwochmorgen mitten in der Trainingseinheit seiner Mannschaft an die Bande, um die Delegation der Düsseldorfer EG in der Arena am Ostbahnhof willkommen zu heißen. Es folgte ein angeregtes Gespräch. Mehrere Minuten unterhielt sich der Berliner Trainer seelenruhig mit seinem Gegenüber Harold Kreis und seinem ehemaligen Chef Lance Nethery, während die Profis des EHC Eisbären im Hintergrund fleißig das Toreschießen übten. Demonstrative Gelassenheit vor der Finalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft?

Ganz so einfach ist es nicht. „Uns erwartet ein sehr wichtiges Spiel, auf das wir bestens vorbereitet sein müssen“, sagt Jackson. Dennoch will der großgewachsene US-Amerikaner gar nicht leugnen, dass es ein paar „Ablenkungen am Rand der Partie geben könnte“. Zu viele Verbindungen bestehen zwischen den Berlinern und ihrem Finalkontrahenten. Eisbären-Manager Peter John Lee stürmte jahrelang überaus erfolgreich für die DEG. Und Don Jackson trainierte die Düsseldorfer zwei Jahre lang unter der Regie von Manager Nethery – auch 2006, als sie den Eisbären im Finale unterlagen.

Gute Laune im Vorfeld

Davon will Jackson nur ein paar Minuten nach seiner Unterredung mit den Düsseldorfern schon gar nichts mehr wissen: „Ist doch schon so lange her.“ Stattdessen stimmt er mit einem ulkigen Unterton lieber das Liedchen „Finale, oh-oh, Finale“ an. Die gute Laune des Berliner Coaches kommt nicht von ungefähr, scheinen die Rollen für die heute beginnende Best-of-five-Serie (19.30 Uhr, live auf Premiere) doch eindeutig verteilt zu sein. Düsseldorf macht sich zum Außenseiter (siehe nebenstehendes Interview). Und den Eisbären ist die Rolle des Favoriten ohnehin nicht mehr abzusprechen. Deshalb versuchen sie erst gar nicht, sich herauszureden. „Wenn alles zusammenkommt, stehen wir am Ende als Champion da“, sagt Jackson.

Dass die Verhältnisse auf den ersten Blick so klar sind, liegt auch an den so ungleichen Ausgangsbedingungen: Die DEG brauchte zwölf Begegnungen, um das Finale zu erreichen: Sie ging bisher in allen Serien über die volle Distanz, während die Berliner gerade mal acht Spiele benötigten. Ein Vorteil? Stefan Ustorf ist sich da sicher. „Wir werden versuchen, über die ganze Zeit volles Tempo zu gehen, damit wir unseren Kräftebonus ausnutzen können“, sagt der Berliner Angreifer.

Das Rennen um die Meisterschaft ähnelt ein bisschen dem Märchen vom Hasen und dem Igel: Die spielerisch überlegenen und schnelleren Eisbären fordern geschwächte Düsseldorfer heraus. Trotzdem geben sich die Berliner alle Mühe, dass der Kampf um den nationalen Titel ein anderes Ende nimmt als das Grimmsche Märchen. Nicht, dass ein scheinbar unterlegener Gegner sie austrickst und womöglich um den sicher geglaubten Titel bringt. „Wir sind gewarnt vor der Düsseldorfer Kampfstärke“, sagt Steve Walker. Sein Team wolle mit intensivem und hartem Eishockey dagegenhalten. Alles mit dem Ziel Titelverteidigung.

Vorteil Kraft?

Die ausgewiesene Richtung für diese Mission gibt der Berliner Mannschaftskapitän gleich selbst vor. Nach der Übungseinheit am Mittwoch humpelte er mit einem dicken Eisbeutel am Knöchel durch die Kabine. Schmerzt es noch? „Nein, überhaupt nicht“, sagte Walker mit einem verräterischen Grinsen, das sich selbst hinter seinem Play-off-Bart nur schwer verbergen lässt. „Ich fühle mich gut und werde spielen.“ Vermutlich gilt der Kanadier allerdings eher als mentale denn körperliche Unterstützung für seine Mannschaft. Trainer Jackson will ihn in erster Linie im Überzahlspiel und als sporadische Ergänzung der hinteren Sturmformation einsetzen. Mehr ist nicht drin – auch wenn Walker selbst gerne häufiger für Verwirrung auf dem Eis sorgen würde.

„Wir müssen vorsichtig mit seinen Einsätzen umgehen“, sagt Jackson. „Aber keine Frage: So einer wie er ist eigentlich nicht zu ersetzen.“ Das war schon in der vergangenen Saison so. Auch da kehrte Steve Walker trotz eines angerissenen Kreuzbands ins Team zurück. Damals spielten die Berliner im Play-off-Halbfinale. Und gewannen – gegen die Düsseldorfer EG. Kein Märchen.

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