Eisbären Berlin : Mannheim als Wendepunkt

Beim Anfang der großen Ära der Eisbären im Jahr 2005 spielte Co-Trainer Stéphane Richer eine Rolle – bei Gegner Adler Mannheim.

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Glückwunsch auf Französisch. Der Kanadier Stéphane Richer (links) gratuliert Landsmann Pierre Pagé 2005 zum Titel, rechts Berlins Co-Trainer Don Jackson.
Glückwunsch auf Französisch. Der Kanadier Stéphane Richer (links) gratuliert Landsmann Pierre Pagé 2005 zum Titel, rechts Berlins...Foto: Olaf Wagner/Imago

Da hockte er nun, in sich zusammengesunken. Der Erklärungsnotstand bedrückte Stéphane Richar offensichtlich. 0:4 im zweiten Finalspiel gegen die Eisbären Berlin, das sollte der Trainer der Adler Mannheim nun erst einmal aufdröseln. Die Pressekonferenz hielt der Klub seinerzeit im Vip-Raum des rustikalen Eisstadions im Friedrichspark ab. Richer hatte sein Statement zum Spiel schon längst abgeben, um ihn herum leerte sich der Saal. Doch der Trainer kauerte immer noch auf dem kleinen Podium. Leise sagte Richer: „Die sind anders, das sind nicht mehr die Eisbären, wie wir sie kannten.“

0:2 in der Serie lagen die Adler seinerzeit gegen die Eisbären zurück, das erstaunte viele. Auch ihren jungen Trainer Stéphane Richer, der erst während der Saison nach Mannheim gekommen war. Helmut de Raaf war von seinem Amt zurückgetreten und der ehemalige Mannheimer Profi schien der Mann zu sein, der etwas erreichen konnte. Erst in der Vorsaison hatte Richer noch als Co-Trainer an der Seite von Cheftrainer Rich Chernomaz die Eisbären in der Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geschlagen. Die Berliner manifestieren gegen Frankfurt seinerzeit ihren Ruf, dass ihnen die Beine im verscheidenden Moment wackelten. Im Jahr zuvor war der Favorit schon im Halbfinale an Außenseiter Krefeld gescheitert. Gegen Frankfurt patzten die Eisbären mit ihrem Trainer Pierre Pagé dann auch im dritten Anlauf in den Play-offs – dabei hatte der Kanadier in Berlin bei Amtsantritt 2002 verkündet, dass er einen Titel nach Berlin holen wolle.

Vor der Spielzeit 2004/2005 versprach Pierre Pagé gar, dass „am Saisonende etwas sehr besonderes passiert“. Diese Aussage wurde in der Szene eher mit Schmunzeln vernommen. Die Berliner würden vielleicht wieder durch die Hauptrunde rauschen, im richtig wichtigen Moment würden sie dann aber wieder flattern und danach völlig aufgelöst sein – vielleicht so, wie damals im Frühjahr 2003 in Krefeld, als Pagé sogar nach dem letzten Spiel erst mal die Flucht antrat und sich zwei Tage in einem Hotel verschanzte.

Als Spieler war Richer in Mannheim einer der Größten

Aber die Saison lief diesmal anders für die Eisbären, zu Gute kam ihnen der Arbeitskampf in der National Hockey-League (NHL). Gleich drei Profis aus Nordamerika kamen während des Lock-outs nach Berlin: Der deutsche Nationaltorwart Olaf Kölzig, Verteidiger Nathan Dempsey und Erik Cole. Ein junger Angreifer aus den USA, der unter Pagé immer stärker werden und später in der NHL auch eine großartige Karriere hinlegen sollte.

Vor dem dritten Finalspiel am 19. April 2005 waren die Mannheimer nicht mehr optimistisch. Sie seien jetzt nur noch Außenseiter, sagte Trainer Richer. Trotzdem ging der Außenseiter im dritten Spiel der Best-of-Five-Serie in Führung, durch NHL-Stürmer Jochen Hecht, der während des Lock-outs für seinen Heimatklub spielte. Erik Cole erzielte dann in Unterzahl aber den Ausgleich, die Eisbären gewannen schließlich 4:1 – Cole traf dabei noch ein zweites Mal. Die Berliner hatten das Stigma besiegt, nicht Deutscher Meister werden zu können. Es war der erste große Erfolg einer Erfolgsserie, in der die Eisbären die DEL jahrelang beherrschen sollten. Bis 2013 holten sie noch weitere sechs Meistertitel – und Erik Cole gewann ein Jahr später sogar den Stanley Cup, den Titel in der NHL mit den Carolina Hurricanes.

Für Stéphane Richer ging es erst einmal weniger gut weiter. Als Spieler war er mit vier gewonnenen Meisterschaften einer der Größten in Mannheim, sein Trikot mit der Nummer 25 hängt heute in der neuen Arena unter der Hallendecke. Der Trainer Richer war in Mannheim aber weniger gefragt, schon in der Saison nach der Finalteilnahme gegen die Eisbären wurde er wegen Erfolglosigkeit entlassen. Bei Zweitligist Kassel war Richer erfolgreicher, die Hamburg Freezers waren schließlich sein Herzensprojekt – dort hatte er einen Vertrag bis 2019. Aber der Klubeigner Anschutz wickelte die Freezers dann nach der Vorsaison ab. Seit Januar aber ist Richer nun Co-Trainer bei den Eisbären – und mit denen spielt er nun in der Viertelfinalserie (Stand: 2:2) eben gegen jene Adler Mannheim um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Und genau wie 2005 ist Richer Trainer beim Außenseiter, nur diesmal auf der anderen Seite.

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