Eisbären Berlin nach dem Aus : Die Aura der Ära verscheuchen

Wenn die Eisbären auf ihrer guten Saison aufbauen wollen, brauchen sie nicht nur neue Spieler, sondern auch einen mentalen Umbruch.

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Verhuschte Saison? Uwe Krupp mag es im Moment des Ausscheidens so sehen, aber mit seiner Mission Aufbau ist er bei den Eisbären noch nicht gescheitert.
Verhuschte Saison? Uwe Krupp mag es im Moment des Ausscheidens so sehen, aber mit seiner Mission Aufbau ist er bei den Eisbären...Foto: Imago/Contrast

Dieser Moment hatte etwas Melancholisches. Die Zuschauer schwiegen, als am späten Montagnachmittag in der Arena am Ostbahnhof die Schlusssirene erklang. Mitten in das versammelte Schweigen von 12.500 Menschen hinein druckste Stadionsprecher Uwe Schumann: „Wir sehen uns im August wieder, zur Champions League.“ Auch er, sagte Schumann noch, habe natürlich den „Mittwoch im Sinn gehabt“. Denn am Mittwoch beginnen in der Deutschen Eishockey-Liga die Halbfinalserien mit Spielen in München und in Wolfsburg. Die Eisbären sind nicht mehr dabei. Saisonende. Nach einer sieben Spiele langen Viertelfinalserie gegen die Kölner Haie, in der am Ende Köln im letzten Spiel ein Tor besser war. Das 2:3 war tragisch für die Eisbären.

Es war eine Serie mit Kraft. Sieben Spiele in elf Tagen, insgesamt fast 100.000 Zuschauer. Keine Teamsportart – außer Fußball, logisch – entfaltet in der Endphase ihrer Liga in Deutschland so eine Wucht. Um so größer ist natürlich die Wucht des Scheiterns. Aber damit dürfen sich die Eisbären gar nicht so lange aufhalten, sie müssen sich sagen, dass sie gegen Köln ausgeschieden, aber eben nicht gescheitert sind.

Ihr Trainer Uwe Krupp mag das zur Zeit noch anders sehen. Die Enttäuschung ist bei einem Erfolgsmenschen wie ihm eben riesengroß. „Wir hatten Spieler, die eine gute Serie gespielt haben“, sagte er. „Aber es war nicht genug, um Köln zu schlagen.“ Vor allem die mentale Kraft reichte wohl nicht bei den Eisbären, um die spielerisch kaum schwächer einzuschätzenden Kölner zu schlagen. Nach seiner Zukunft gefragt, sagte Krupp: „Ich gehe davon aus, dass ich Trainer bleibe.“ Ja warum um Himmelswillen auch nicht? Die Eisbären kamen nach zwei verpassten Play-off-Teilnahmen von unten bis ins Viertelfinale – und als diese Mannschaft sind sie ausgeschieden und nicht als siebenmaliger Deutscher Meister. Diese Titel stammen aus einer anderen Zeit. Aber das Pech der Eisbären ist womöglich, dass immer noch Spieler aus der großen Ära im Team den Geist von einst mit sich herumtragen. Doch auf seinem sportlichen Höhepunkt ist in der Ü-30-Fraktion keiner mehr. André Rankel und Co. kommen aus der Zeit, als ihnen die Erfolge noch zuzufliegen schienen. Doch die Aura dieser Ära versprühen sie nicht mehr. Rankel sah nach der finalen Niederlage gegen Köln so aus, als wolle er das Geschehene nicht so recht begreifen. „Natürlich sind wir geschockt, dass die Saison jetzt schon vorbei ist“, sagte der Mannschaftskapitän.

Zu groß war die Selbstverständlichkeit, mit der bei den Eisbären vom Titel gesprochen wurde

Krupp wird an der Mentalität seiner Spieler arbeiten müssen. Der Trainer kann da sogar bei sich anfangen, nach außen demonstrierte er zu oft eine überzogene Selbstsicherheit. Wie auch Sportdirektor Stefan Ustorf. „Wenn du so weit gekommen bist, willst du auch Meister werden“, sagte er. Das „Wollen“ klang zu oft nach einem „Sollen“. Warum nur haben sie bei den Eisbären so oft und verkrampft vom Titel gesprochen? Die Play-offs so souverän als Tabellenzweiter zu erreichen, das war doch schon was. Das sehen viele im Umfeld so, Unmutsbekundungen seitens der Fans blieben nach dem Ausscheiden aus. Im Gegenteil, es überwog rund um das Stadion, am großen Fantreff an der Warschauer Straße und schließlich im Netz das Wohlwollen. Tenor des Berliner Anhangs: Das war eine gute Saison und die nächste wird noch besser.

Das ist die Aufgabe, die Uwe Krupp nun mit auf den Weg bekommt. Er muss weiter aufbauen, seine Mannschaft stärker machen. Dass schon vier Abgänge feststehen, macht die Sache nur bedingt leichter. Die Angreifer Barry Tallackson und Travis Mulock gehen zu den Kölner Haien, Petr Pohl nach Ingolstadt und Verteidiger Henry Haase zur Düsseldorfer EG – alles Spieler, die Krupp hätte behalten können. Auch wenn es, vom in den Play-offs guten Pohl abgesehen, Profis waren, die sich in der entscheidenden Saisonphase wegduckten. Aber Haase, der junge Verteidiger mit Potenzial, das muss schon weh tun.

Die Abgänge reißen Lücken, die Krupp nun auffüllen muss. Der junge Angreifer Vladislav Filin, bei Kooperationspartner Eislöwen Dresden in dieser Zweitliga-Saison Leistungsträger, wäre schon mal ein Kandidat für den Angriff, in dem ohnehin viel Platz ist, denn der Japaner Shuhei Kuji und wohl Mark Olver bekommen keinen Vertrag. Auch dürfte Verteidiger Milan Jurcina den Klub verlassen.

Es bleibt ja auch viel Zeit bis zum Trainingsbeginn aller Berliner Profis Ende Juli. Und die Champions League im Eishockey beginnt erst im August. Natürlich hätten die Eisbären sie liebend gern als Champion begonnen. Aber das wird in jedem Fall der richtige Deutsche Meister machen, und der kommt dieses Jahr aus Wolfsburg, Nürnberg, Köln oder München. Mit den Eisbären Berlin wird das wohl noch eine Weile dauern. Aber der eingeschlagene Weg könnte richtig sein.

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