Eisbären Berlin unter Uwe Krupp : Kleine Korrekturen mit großer Wirkung

Die Eisbären spielen unter Uwe Krupp wie ausgewechselt – und nun kehrt auch noch das Glück zurück. Der neue Trainer redet seinen Anteil an der Leistungssteigerung aber bewusst klein.

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Jubel in Serie. Jens Baxmann (Bildmitte) feiert sein Siegtor gegen Wolfsburg. Unter Trainer Uwe Krupp haben die Berliner noch kein Spiel verloren. Am Sonntag treten sie in Iserlohn an.
Jubel in Serie. Jens Baxmann (Bildmitte) feiert sein Siegtor gegen Wolfsburg. Unter Trainer Uwe Krupp haben die Berliner noch kein...Foto: Imago

Uwe Krupp wehrt sich so gut es geht. „Wir werden auch wieder Spiele verlieren“, sagte der Trainer der Eisbären nach dem 3:1-Sieg am Freitag gegen den EHC Wolfsburg zum wiederholten Male. Die Frage ist nur, wann? Sieben Mal in Folge haben die Berliner zuletzt gewonnen und dabei 20 von möglichen 21 Punkten geholt. Die Erfolgsserie begann noch unter dem alten Trainer Jeff Tomlinson, doch mit Krupp hat sich endlich auch der Unterhaltungswert der Eisbären-Spiele wieder beträchtlich erhöht. Seinen eigenen Anteil an der offensichtlichen Leistungssteigerung seiner Profis hält der Coach aber für eher überschaubar. Er habe versucht, den Spielern ein bisschen den Druck zu nehmen. Außerdem sei auch unter seinem Vorgänger gut gearbeitet worden und „wir sind jetzt gesund, das darf man nicht vergessen“.

Das zeigt sich auch in den Statistiken. Unter Uwe Krupp gelangen den Eisbären in den vier Spielen 17 Tore. Erzielt wurden die Treffer von elf verschiedenen Spielern – die Mannschaft präsentiert sich enorm ausgeglichen. „Die Eisbären spielen mit vier gleichstarken Reihen. Man weiß gar nicht, welche nun die erste und welche die vierte ist“, lobte Wolfsburgs Trainer Pavel Gross den Gegner nach dem Spiel am zweiten Weihnachtstag. Dazu kommt, „dass wir uns viel mehr helfen und als Mannschaft zusammenhalten“, wie es Jens Baxmann ausdrückt und sich selbst darüber fast ein bisschen wundert, denn: „Wir haben bisher wegen der vielen Spiele eigentlich gar nicht richtig trainieren können.“

Es muss demnach einiges in den Köpfen der Spieler passiert sein, denn Baxmann macht auch klar: „Es ist nicht so, dass wir uns vorher nicht angestrengt haben. Nur derzeit finden wir einfach immer einen Weg.“ Das gilt insbesondere für die Verteidiger. In den vier Spielen unter Krupp gab es fünf Tore durch Abwehrspieler, wobei bis auf Jimmy Sharrow alle nominellen Defensivakteure einmal trafen. Gegen Wolfsburg gelang Alex Trivellato das 1:1, es war sein erstes Saisontor. Baxmann erzielte später das vorentscheidende 2:1, auch für ihn war es erst Treffer Nummer zwei in dieser Spielzeit. Krupp, der einstige Weltklasse-Verteidiger, findet offenbar die richtige Ansprache für seine Defensivabteilung.

Sind die Eisbären womöglich bald wieder ein echter Titelkandidat?

Fehlt eigentlich nur, dass der neue Trainer auch noch die in dieser Saison schwächelnde Nordamerika-Fraktion um Julian Talbot, Travis Mulock, Darin Olver und Barry Tallackson aus ihrer Lethargie erweckt. Dann sind die Eisbären womöglich sogar bald wieder ein echter Titelkandidat. Zumindest trägt das Glück schon wieder ein Eisbären-Trikot. Das Spiel gegen Wolfsburg stand lange auf der Kippe, dem erneut überragenden Torwart Petri Vehanen war es zu verdanken, dass die Gäste nur ein Tor erzielen konnten. Dabei steht mit Mathias Niederberger ein zweiter starker Mann parat, wann immer er gebraucht wird. So zum Beispiel am Sonntag bei den Iserlohn Roosters (17.45 Uhr, live bei Servus TV). Im fünften Spiel des neuen Trainers soll es den zweiten Einsatz für die Nummer zwei im Eisbären-Tor geben. Krupp will nach Möglichkeit vermeiden, dass Vehanen sich zu früh in der langen Saison müde spielt.

Von Müdigkeit ist bei seinen Spielern derzeit allerdings noch nichts zu spüren. „Meine Mannschaft spielt gerade wirklich gut. Wir machen die Räume eng und sind läuferisch stark“, erklärt Krupp. Bei solchen Sätzen lächelt er oft und spricht von Kleinigkeiten, die er geändert habe. Ins Detail mag der Trainer dabei nicht gern gehen, zum Beispiel, wenn die Rede auf das aggressive Forechecking seines Teams kommt. „Da wird mir zu viel hineininterpretiert“, sagt Krupp. Das alles wirkt fast so, als würde er für den Fall der ersten Niederlage vorbauen wollen, um dann erklären zu können: „Ich hab’s euch ja immer gesagt.“ Doch selbst wenn die Siegesserie am Sonntag in Iserlohn reißen sollte, machen die Eisbären derzeit einen gefestigten Eindruck. Zumindest dagegen kann sich nicht einmal Uwe Krupp wehren.

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