Eisbären Berlin vor den Pre-Play-offs : Petri Vehanen: Mit Ruhe gegen den Sturm

An diesem Mittwoch bestreiten die Eisbären in Nürnberg ihr erstes Spiel in den Pre-Play-offs. Torwart Petri Vehanen könnte in den Begegnungen einer der entscheidende Spieler bei den Berlinern werden.

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Scheibenfischer. Petri Vehanen hat in dieser Saison 41 Spiele absolviert, viermal blieb er dabei ohne Gegentor.
Scheibenfischer. Petri Vehanen hat in dieser Saison 41 Spiele absolviert, viermal blieb er dabei ohne Gegentor.Foto: dpa

„Petri Vehanen? Ich hasse diesen Typen“, sagt Antti Miettinen und verzieht dabei keine Miene. Gibt es etwa Knatsch zwischen den beiden Finnen in Diensten der Eisbären Berlin? Nein, der 34-Jährige übt sich nur ein bisschen in landestypischem Humor. Miettinens Gesichtszüge entspannen sich, dann sagt er: „Petri ist ein richtig smarter Typ, wir kommen prächtig miteinander aus.“

Seit einem halben Jahr spielen die beiden Finnen in Berlin, der eine stürmt (Miettinen), der andere hütet das Tor (Vehanen). Auf Vehanen dürfte dabei in den nächsten Tagen besonders viel Arbeit zukommen. In den Pre-Play-offs bestreiten die Eisbären am Mittwoch ihr erstes Spiel bei den Nürnberg Ice Tigers (19.30 Uhr, live bei Servus TV), die über die vielleicht beste erste Angriffsreihe der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verfügen. Vehanen kümmert das nicht. „Ich beschäftige mich nie mit dem Gegner, mache auch kein Videostudium. Wenn ich damit anfange, verliere ich die Konzentration auf meinen eigenen Job“, sagt der 37-Jährige aus Rauma.

Vehanen wirkt auf dem Eis beinahe entspannt, er verzichtet auf unnötige Mätzchen. So macht er zwar manchen Gegner, nicht aber sich selbst verrückt. „Vielleicht kommt diese Einstellung daher, dass Eishockey für mich zwar wichtig, aber nicht alles ist. Wenn du den Sport zu ernst nimmst, hast du zu viel zu verlieren“, sagt Vehanen. Früher sei er anders gewesen, gibt er zu. „Mit 25 dachte ich, dass ich es nicht schaffe. Ich habe ständig an mir gezweifelt. Aber letztlich ist es nur ein Spiel und als ich das kapiert hatte, wurde ich ein besserer Torwart.“

Angebot aus Berlin - Vehanen war sofort begeistert

Geholfen hat Vehanen dabei auch die Familie. 2008 wurde er zum ersten Mal Vater, 2009 kam die zweite Tochter zur Welt. „Und dann“, sagt er lachend, „bin ich 2010 Meister in der russischen Kontinental Hockey League (KHL) geworden und ein Jahr später Weltmeister mit Finnland.“ In der vergangenen Saison schaffte er es nach überragenden Leistungen bei Lev Prag noch einmal bis ins Finale der KHL. Doch der Klub ging pleite, Vehanen musste sich entscheiden, wie es für ihn weitergehen sollte. Russland kam nicht mehr in Frage – zu viele lange Auswärtsreisen. Das wollte er der Familie ersparen. Als dann der Anruf aus Berlin kam, fiel die Entscheidung nicht schwer. „Meine Frau und ich waren sofort begeistert. Das war die Stadt, wo wir hinwollten.“

Vehanen fühlt sich hier wohl, auch wenn sein Alltag vor allem aus Sport und Familienleben besteht. „Aber genauso mag ich das“, versichert er mit glänzenden Augen. Seine Zukunft in Berlin ist noch nicht geklärt. Meldungen über eine bereits erfolgte Vertragsverlängerung mit den Eisbären dementiert er. „Ich habe noch nichts unterschrieben, aber wir stehen in Verhandlungen.“ Dass er gern bleiben würde, daraus macht Vehanen keinen Hehl. „Ich bin gesund und kann deshalb sicherlich noch ein paar Jahre spielen. Und warum soll ich meine Karriere nicht bei den Eisbären beenden?“

Bei den Berlinern genießt er hohe Wertschätzung. Trainer Uwe Krupp bezeichnet ihn als „richtig guten Torwart“. Zuletzt unterliefen Vehanen wie dem gesamten Team aber einige Fehler zu viel. Die Pre-Play-offs könnten deshalb mitentscheiden, wie es mit Petri Vehanen weitergeht. Dass er mit diesem Druck nicht umzugehen weiß, ist eher nicht zu erwarten. Die Finnen haben schließlich nicht nur einen seltsamen Humor, sondern auch die Ruhe weg.

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