Eisbären besiegen Wolfsburg 6:4 : Erst verhöhnt, dann bejubelt

Die Eisbären betreiben nach der 1:6-Niederlage von Hamburg Wiedergutmachung. In einem turbulenten Spiel besiegen sie Wolfsburg verdient.

Claus Vetter

Berlins Eishockey-Anhängern lässt sich einiges unterstellen, allerdings nicht Humorfreiheit. So wurde die unter dem Namen "O2-World" firmierende Arena am Ostbahnhof am Sonntag Schauplatz eines amüsanten Schauspiels mit ungeahnten Höhepunkten. Zuerst schwiegen die Eisbären-Fans ein Drittel lang, später feuerten sie ihr Team als "Dynamo Freezers" an und dann wurde gejohlt, was die Kehlen hergaben. Das oft nicht hochklassige aber turbulent verlaufende Geschehen auf dem Eis passte prima ins bizarre Gesamtbild. Die Eisbären gewannen das Spiel gegen den EHC Wolfsburg schließlich 6:4 (1:0, 3:2, 2:2).

Wer immer schon mal wissen wollte, wie leise 13.500 versammelte Menschen sein können, der war am Sonntag in Berlin ein Drittel lang am richtigen Ort. Die Fans der Eisbären waren sauer nach der 1:6-Niederlage der Berliner zwei Tage zuvor in Hamburg. Ja, das Volk witterte Schiebung. "Eishockeymafia AEG" wurde gerufen. Damit war nicht der gleichnamige Hersteller von Elektrogeräten gemeint, sondern die "Anschutz Entertainment Group", kurz "AEG". Dieser Firma gehören die Hamburg Freezers und die Eisbären, die Fans klagten den Doppeleigner der Stallregie an, was das Spiel von Hamburg betraf.

Einige Fans rufen "Dynamo Freezers"

Zunächst agierten die Eisbären so, als wollten sie den Verdacht der Fans mit aller spielerischen Macht ausräumen. Den Berlinern fiel kaum Konstruktives ein, den biederen Wolfsburgern aber auch nicht. Nur daher durften die Eisbären nach einem Stochertor von Nathan Robinson nach 20 Spielminuten mit einer 1:0-Führung in die Kabine gehen.

Mit Wiederbeginn wurde es dann auf den Tribünen bunter. Nun wurden vereinzelt die "Dynamo Freezers" angefeuert - eine Namensfusion aus dem Eisbären-Vorgängerklub und dem aktuellen Hamburger Anschutz-Team. Einfallsreich. Den Eisbären-Profis schien es weniger zu gefallen, nun wollten sie mal richtig bunt Eishockey spielen. Alles rannte nach vorne, verteidigen wollte niemand mehr, es fielen Tore in kurzer Taktung: 2:0 Berlin Alexander Weiß, 2:1 Wolfsburg Christoph Höhenleitner, 3:1 Berlin Tyson Mulock, 4:1 Berlin Stefan Ustorf, 4:2 Wolfsburg Ken Magowan.

Im zweiten Drittel versöhnen die Eisbären ihre Anhänger

Torschütze Ustorf sprach auf Eishockeydeutsch später von einem "intensiven Drittel" und von einem Gegner, "der nie aufgeben wollte". Was anderes blieb den Wolfsburgern auch gar nicht übrig, schließlich hatten sie von ihren zehn Spielen zuvor acht verloren. Den freien Fall im Tableau konnte der Tabellenzehnte der Deutschen Eishockey-Liga allerdings in Berlin nicht aufhalten. Sie verloren auch das dritte Saisonspiel gegen die Eisbären. Im Schlussdrittel unterhielten die Berliner ihr anfangs verstimmtes Publikum weiter. In Überzahl bugsierte Denis Pederson zum 5:2 ins Tor des Wolfsburgers Oliver Jonas und dann traf Robinson zum 6:2.

Andreas Morczinietz und Mike Green verkürzten mit ihren Toren zwar noch aus Wolfsburger Sicht, den Eisbären-Fans war es egal. Die Stehplatztribünen mussten einen harten Belastungstest ertragen. Die Anhänger hüpften, auf den Sitzplätzen wurden die Klatschpappen aufs Übelste malträtiert: Aus den "Dynamo Freezers" waren wieder Eisbären geworden. Der Nachmittag hatte sein Happy-End.

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