Sport : Eisbären bleiben bescheiden

Claus Vetter

Berlin - Mit der Selbsteinschätzung haben sie es in dieser Saison noch nicht so ganz bei den Berliner Eisbären. So gaben sich Trainer und Spieler des deutschen Eishockey-Meisters am späten Freitagabend im Sportforum Hohenschönhausen eher missmutig, obwohl sie doch klar gegen die Iserlohn Roosters gewonnen hatten. Das 5:2 gegen einen überforderten Gegner sei eben nicht in einem überragenden Spiel zustande gekommen, kritisierte Sven Felski: „Wir könnten ja sagen, dass zum Glück in zwei Wochen niemand mehr danach fragt.“ So einfach sei das aber nicht. „Es muss wesentlich mehr passieren bei uns.“ Da war der Angreifer auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer, der allein seinen Torwart loben wollte. „Youri Ziffzer hat uns das Spiel gewonnen“, fand Pierre Pagé. Und sonst? Viel Durchschnitt habe er gesehen, sagte der Kanadier. Mehr noch nicht.

Dafür schätzten sie beim Verlierer die Qualitäten der Berliner. Iserlohns Trainer Geoff Ward hatte ein „sehr schnelles und geschicktes Eisbären-Team“ gesehen. Tatsächlich spricht ihre Ausgeglichenheit für die Berliner: Das Toreschießen war auch am Freitag auf viele Schultern verteilt, weil vermehrt die jungen deutschen Spieler treffen. Gegen Iserlohn waren das René Kramer, der wieder einmal überragende Florian Busch und der immer selbstbewusster werdende Tobias Draxinger. Bislang haben es die Eisbären nicht nötig, ihre fünf besetzbaren Positionen für ausländische Profis zu füllen. Einen Luxus, den der heutige Berliner Gegner nicht kennt. Zehn erfahrene Nordamerikaner und einen Norweger hat Trainer Don Jackson in seinem bislang enttäuschenden Team, das bei der Punktspielpremiere im neuen ISS-Dome vor einer Woche gegen Hannover verlor. Erst am Freitag gelang in Duisburg der erste Saisonsieg der Düsseldorfer DEG. Den zweiten wollen die Berliner heute verhindern. Nach dem Teil eins der Auswärtstour muss der EHC am Dienstag in Nürnberg antreten, bevor es am Freitag nach Mannheim geht.

Für Pagé sind Düsseldorf und Mannheim „absolute Titelfavoriten“, seine eigene Mannschaft dagegen sei es noch nicht. Trotzdem sollte sich das schwere Auswärtsprogramm für den betont bescheidenen Meister nach seinem zweiten Sieg im dritten Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga entspannt angehen lassen. Immerhin spürte der Trainer nach dem 5:2 gegen Iserlohn „eine gewisse Erleichterung“.

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