Eisbären-Co-Trainer Steffen Ziesche : Der Assistent kennt den Weg

Als Spieler stand er den Eisbären schon mal im Weg, als neuer Co-Trainer will Steffen Ziesche mit dem Klub nun nach oben.

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Meister! Ziesche im April 2003 nach dem Titelgewinn mit Krefeld.
Meister! Ziesche im April 2003 nach dem Titelgewinn mit Krefeld.Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

4. April 2003, Wellblechpalast: An den Abend erinnert sich Steffen Ziesche gerne, da fand ein entscheidender Eishockeymoment seiner Karriere in der heutigen Trainingshalle der Eisbären statt. Im Play-off-Halbfinalspiel siegten die Krefeld Pinguine in Berlin überraschend 1:0. Zwei Tage später war der Favorit Eisbären in Spiel vier der Serie geschlagen und schied aus. Trainer Pierre Pagé hatte in Berlin den Titel versprochen und verschanzte sich nach der Demütigung von Krefeld zwei Tage in einem Hotel am Flughafen Tegel. In der Finalserie bezwang Krefeld schließlich auch die Kölner Haie, Stürmer Ziesche wurde Deutscher Meister. „Das war für die Eisbären ein Schock, diese Geschichte damals“, sagt er.

Von heute betrachtet war Krefeld ein Wachrüttler. Pagé und seine Spieler lernten aus ihren Fehlern, die Ära der Eisbären begann im Jahr 2005 mit der ersten von sieben Meisterschaften. Auf dem Weg zum achten Titel sind die Eisbären jetzt schon seit 2013 unterwegs, Steffen Ziesche will helfen, dass es nicht mehr so lange dauert. Seit Saisonbeginn steht er als Co-Trainer von Trainer Uwe Krupp beim Profiteam der Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hinter der Bande.

Sechs Jahre hat der gebürtige Berliner zuletzt das Eisbären-Team aus der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) mit Erfolg betreut. Vater Joachim war schon als DDR-Auswahltrainer eine Legende, sein Bruder Jens ist Mannschaftsarzt der Eisbären. „Natürlich haben sich in meiner Familie alle über diesen Schritt gefreut.“ Ein Schritt, der überfällig war. Denn Ziesche, 45 Jahre, drängte nach oben, hatte sich als Assistent von Bundestrainer Pat Cortina – den er als einziger Co-Trainer „überlebte“, wie er sagt – beim Nationalteam einen Namen gemacht. Einige der von ihm geförderten Talente spielen nun in der DEL-Mannschaft; die Eisbären sind ordentlich aufgestellt, was junge Spieler betrifft. Auch sein Verdienst. Steffen Ziesche sagt: „Es hat vorher halt nicht gepasst. Jetzt passt es. Ich hatte immer das Ziel, in der DEL zu arbeiten.“

Beim DEL-Team gibt es eine klare Aufgabenteilung. Chef ist Krupp, der andere ebenfalls neue Co-Trainer Clément Jodoin, ein Ich-kann-nicht-stillhalten-Typ, ist nach außen hin emotionaler als der akribische Ziesche, der sich schon beim Nationalteam mit der Videoanalyse beschäftigt hat. Ziesche sagt über den anderen aus Kanada stammenden Co-Trainer: „Der passt voll ins System, der lebt Eishockey.“

Gut möglich, dass Ziesche irgendwann anderswo mal Cheftrainer sein wird

Für Steffen Ziesche ist die Arbeit mit den Profis natürlich eine andere als mit dem Nachwuchs. „Im DEL-Team hast du fast nur fertige Spieler, alles ist professioneller. Es geht mehr um Details, um Systeme, das Mannschaftsgefüge und Hierarchien.“ Da müsse man als Trainer einwirken, auch wenn sich in den jüngsten Jahrzehnten viel geändert habe. „Die Hierarchien in einer Mannschaft sind sehr flach, so richtige Leadertypen gibt es heute weniger“, glaubt Ziesche. „Früher bei uns in Krefeld in der Kabine war das klar: Da zählte, was ein Darryl Shannon, der Robert Müller oder auch ich gesagt haben.“ Ziesche glaubt, dass dies mit dem Wandel innerhalb der Sportkultur zu tun hat, die Strukturen hätten sich geändert. Vieles sei transparenter nach außen geworden, auch professioneller.

„Es gibt viele gute deutsche Trainer“, sagt er. Allerdings sind in der DEL gerade mal drei als Cheftrainer bei 14 Klubs – neben Krupp noch Thomas Popiesch in Bremerhaven und Pavel Gross in Wolfsburg. Es ist denkbar, dass Ziesche irgendwann auch da steht, ob nun in Berlin oder anderswo. Aber, sagt er: „Ich will nicht an den zweiten Schritt denken, wenn ich gerade erst den ersten Schritt mache.“ Uwe Krupp hat gesagt, dass er es nur logisch finde, dass mit Steffen Ziesche nun ein langjähriger Eisbären-Coach befördert worden sei. Dass Ziesche irgendwann mehr will, dürfte auch Krupp klar sein – aber die Karriere von Ziesche könnte ja auch andernorts in die DEL münden.

Die Eisbären sind mit neun Punkten aus vier Spielen gut in die Saison gestartet. Das Mindestziel ist Platz sechs nach der Hauptrunde, und in den Play-offs sei es einfach. „Da wollen wir das letzte Spiel der Saison gewinnen“, sagt Steffen Ziesche. So wie seinerzeit der Spieler Ziesche das fünfte und entscheidende Finalspiel der Saison 2002/2003 mit den Krefeld Pinguinen 3:1 in Köln gewann – Steffen Ziesche schoss das Tor zum 3:1, das letzte Tor der Saison. So eine Mannschaft werden sie am Niederrhein wohl so schnell nicht mehr zusammenbekommen. „Das wird in Krefeld wohl die nächsten 50 Jahre nicht mehr passieren“, sagt er.

Der talentierteste Spieler damals war ein 20 Jahre alter Bursche aus Moers. Er sollte zum bestbezahlten Verteidiger der National Hockey League aufsteigen. Inzwischen spielt Christian Ehrhoff mit seinen 35 Jahren wieder in der DEL: Neben Adrian Grygiel (seit dieser Saison wieder in Krefeld) ist er einer der zwei noch aktiven Spieler aus dem Krefelder Meisterteam von 2003. „Dass der Christian ein unglaubliches Potenzial hat, haben wir damals schon gesehen“, sagt der Trainer Steffen Ziesche. Am Freitag wird er seinen einstigen Kollegen in Berlin wiedersehen. Christian Ehrhoff ist nämlich Mannschaftskapitän der Kölner Haie, dem Gegner der Eisbären in der Arena am Ostbahnhof (Beginn 19.30 Uhr).

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