Eisbären-Coach Don Jackson : "Diese Leidenschaft berührt mich"

Die Eisbären sind Eishockey-Meister: Don Jackson spricht mit dem Tagesspiegel über seinen ersten Titel als Trainer, den Wellblechpalast und sein Leben fern der Heimat.

Don Jackson
Don Jackson (51) stammt aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. -Foto: dpa

Don Jackson, Sie kamen und siegten. Was bedeutet Ihnen der Meistertitel mit den Eisbären?

Sehr viel. Das ist meine erste Meisterschaft als Trainer. Als Spieler kannte ich das Gefühl ja schon, aber ich muss sagen, das ist jetzt schon etwas ganz anderes.

Was genau macht denn den Unterschied aus?

Wissen Sie, viele werden kein einziges Mal in ihrer Karriere als Spieler Meister einer wichtigen Liga, von den Trainern ganz zu schweigen. Man braucht eine gewisse Mentalität, um ein erfolgreicher Coach zu sein. Man muss delegieren können und erkennen, welcher Spieler Potenzial hat. Das hat mich an dem Job fasziniert. Dass mir das jetzt bei den Eisbären so gut gelungen ist, freut mich natürlich. Ich habe seit Jahren darüber nachgedacht, wie es ist, wenn ich als Trainer so weit bin wie jetzt mit den Eisbären.

Und wie sieht es jetzt aus im Innenleben des Trainers Jackson?

Ich bin schon berührt. Besonders von dieser Leidenschaft, die ich in den Augen der Eisbären-Fans gesehen habe. Außerdem hat es mich für die Spieler gefreut. Wenn man sich noch mal vor Augen hält mit wie vielen Verletzungen wir dieses Jahr kämpfen mussten, welche Rückschläge wir hatten. Aber wir haben immer richtig reagiert – als Team.

Wie würden Sie denn das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern bei den Eisbären beschreiben? Ein oder zwei Profis hatten sich in der Saison schon mal über den Führungsstil des Trainers beschwert?

War das so? Bestimmt kam das von Spielern, die ich nicht so oft eingesetzt habe. Das kommt ja überall vor. Ich sage immer: Es ist nicht wichtig, was du den Spielern sagst, sondern es ist wichtig, was die Spieler über dich sagen, wenn du aus der Kabine gegangen bist.

Wie schätzen Sie sich denn selber ein?

Das kann ich nicht gut. Ich hasse es, über mich zu reden. Wie ich bin, wie ich wirke, das müssen andere Leute einschätzen.

Und wie denkt die Menschheit über Sie?

Viele sagen, dass ich ein sehr ruhiger Typ wäre.

Wie lebt es sich denn für so einen ruhigen Menschen in der unruhigen Großstadt Berlin?

Berlin ist ganz nett. Vor allem die Geschichte und Entwicklung der Stadt interessieren mich. Aber eigentlich mag ich Kleinstädte lieber. Sie werden lachen, mein Lieblingsort war immer Knoxville in Tennessee. Da ist es sehr beschaulich.

Aber das ist doch dann schon ein erheblicher Unterschied zu Berlin, in Knoxville leben gerade mal 170 000 Menschen...

Wissen Sie, was ich als den größten Unterschied zwischen den USA und Deutschland erachte? Bei uns in Amerika gibt es mehr Reichtum, da ist die Mittelklasse viel ausgeprägter als hier. In Deutschland leben die Leute einfacher, weil sie nicht so viel Geld verdienen. Aber sie wirken auf mich oft auch glücklicher.

Wie kommen sie zu dieser Beobachtung?

Ich bin erst vor drei Jahren nach Deutschland gekommen. Ich kenne das Land nicht so gut. Das sind einfach meine ganz subjektiven Eindrücke.

Würden Sie denn lieber wieder in den USA wohnen?

Das kann ich so nicht sagen. Ich bin das Herumziehen gewohnt. Als Spieler war ich ja auch lange in Kanada. Das häufige Umziehen hat Vor- und Nachteile.

Wo liegen die?

Vorteil ist, dass man viel von der Welt sieht und neue Eindrücke sammeln kann. Nachteilig ist, dass die Familie darunter leidet. Früher sind wir immer zusammen umgezogen. Seitdem meine Kinder zur Schule gehen, ist das leider nicht mehr möglich.

Wie oft sehen Sie denn Ihre Familie?

Zu selten. Aber ich freue mich auf den Sommer, denn da kommt mein Sohn nach Berlin. Er wird hier arbeiten.

Wie gerne arbeitet denn der Vater in Berlin?

Ein Job ist vor allem dafür da, um die Familie zu ernähren. Aber es macht schon Spaß mit so einer Organisation wie den Eisbären zu arbeiten. Außerdem fasziniert mich die Eishockeyszene in Deutschland.

Wie bitte? Das sagt ein Amerikaner?

Ja, vom sportlichen her wird Eishockey in Deutschland nie die Nummer eins werden wie in einigen anderen Ländern. An Fußball kommt hier nichts vorbei. Aber, was die Fans betrifft, da ist Deutschland einmalig. Als ich das erste Mal im Wellblechpalast war, war ich von der Stimmung begeistert. Das musste ich sofort meiner Tochter zeigen.

Wird die Stimmung aus dem Wellblechpalast mit in die neue Arena umziehen?

Ich bin kein Prophet. Aber für uns als Klub ist das ein großer Schritt. Überhaupt muss ich sagen, dass die Deutsche Eishockey-Liga die größten und besten Arenen in Europa hat. Das macht den Sport hier wieder so faszinierend.

Noch faszinierender muss es sein, wenn man Pokalsieger und Meister wird. Wie wollen sie die Erfolge dieses Jahres noch überbieten?

Mit der neuen Europaliga haben wir eine neue große Herausforderung. Ich kann jetzt nicht viel versprechen, aber mein Motto lautet immer: Gewinnen ist alles.

Freut sich der Gewinner Jackson den nun auf die Feierlichkeiten und den Empfang am Donnerstag im Roten Rathaus beim Regierenden Bürgermeister?

Ach wissen Sie, so etwas ist nicht mein Ding. Aber es ist immer schön, die vielen jubelnden Fans zu sehen. Nach dieser Saison hat es die Mannschaft redlich verdient, sich feiern zu lassen.

Das Gespräch führten Katrin Schulze und Claus Vetter.

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