Eisbären : Die Besten zum Schluss

Mit einem Videostudium haben sich die Eisbären auf Finalgegner EHC Wolfsburg vorbereitet. Am heutigen Freitag steigt das erste Endspiel in Wolfsburg.

von und Ron Ulrich
Der hat ’nen Lauf. Wolfsburgs Ken Magowan ist mit neun Treffern der beste Torjäger der Play-offs.
Der hat ’nen Lauf. Wolfsburgs Ken Magowan ist mit neun Treffern der beste Torjäger der Play-offs.Foto: City-Press GbR

Berlin - Diese DVD machte keine Freude. Was sich die Spieler der Eisbären nach ihrer Trainingseinheit am Donnerstag anschauen mussten, dürfte sie eher in zusätzlichen Stress denn in Vorfreude versetzt haben. Trainer Don Jackson zeigte ihnen vor dem ersten Finalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft beim EHC Wolfsburg am Freitag (19.35 Uhr, live bei Sky) die Aufritte eines gewissen Ken Magowan, und der wirbelte in den Ausschnitten nur so über die Eisflächen des Landes. Ken Magowan ist als Stürmer der Wolfsburger engagiert und der bisher herausragende Akteur der Play-offs.

Neun Tore hat er in sechs Spielen erzielt, er weist beachtliche körperliche Maße auf und zudem eine feine Technik. Magowans aktuelle Form ist symptomatisch für Wolfsburg, jenes lauf- und spielfreudige Team, das in dieser Saison die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) ordentlich aufgemischt hat. Nicht nur, dass die Niedersachsen in der Hauptrunde den ersten Platz belegten, nein, sie sind – ganz anders als die Eisbären, die insgesamt dreimal verloren – auch ohne Niederlage durch die Viertel- und Halbfinals der Endrunde gespurtet. Besser geht es nicht.

Oder doch? „Wenn wir schon so weit sind, dann gibt es nur das eine“, sagt Pavel Gross. Klar, dass der Wolfsburger Trainer den Meistertitel meint. Es wäre der erste für seinen Klub. Und natürlich kommt er jetzt, der Vergleich mit dem VfL Wolfsburg. Diesem Verein, der vor zwei Jahren die Fußball-Bundesliga durcheinanderbrachte und es unter so manchem argwöhnischem Blick bis zum Titel schaffte. Die Parallelen zum Fußballverein scheinen naheliegend, wird doch auch das Eishockeyteam vom Wolfsburger Automobilkonzern VW und dessen Tochter Skoda protegiert.

Für fähige Profis gibt es da trotz eines angeblichen Etats im Ligamittelmaß gerne mal ein paar Euro mehr, auch wenn man längst nicht an die Dimensionen des VfL heranreicht. Die Häme allerdings bleibt im Finale beim Bruder aus dem Eishockeysport nicht aus. „Da gehört die Schale auf keinen Fall hin“, tönte zum Beispiel Moritz Müller nach dem Ausscheiden seiner Kölner gegen Wolfsburg in der ersten Runde und übersah dabei womöglich, dass der Gewinn der Schale, die in Wahrheit ein Pott ist, im Prinzip nur das Resultat einer logischen Entwicklung wäre. Kontinuierlich ging es mit den Wolfsburgern nach dem Aufstieg im Jahr 2007 aufwärts: Im ersten DEL-Jahr wurden sie 13., danach Siebter, und in der vorigen Saison scheiterten sie erst im Halbfinale.

Nur ein wesentliches Problem schleppen die Wolfsburger in diesen Tagen des Erfolgs mit sich herum. Es hat mit dem Gegner in der Best-of-five-Finalserie zu tun, denn der passt ihnen so gar nicht in den Kram. „Wir haben zuletzt kaum etwas gegen die Eisbären geholt“, sagt Trainer Gross. „Gegen Berlin haben wir nicht gut ausgesehen.“ Überhaupt nicht gut, genauer gesagt. In vier Anläufen gegen die Berliner hat Wolfsburg viermal verloren (1:4, 1:4, 4:5, 3:5).

Doch darauf, dass die Eisbären daraus nun für sich in Anspruch nehmen, der Favorit zu sein, kann man lange warten. „Alles, was vorher war, spielt in den Play-offs keine Rolle mehr“, sagt der Berliner Coach Don Jackson stellvertretend für seine Profis, die alle ähnliche Worte in Zusammenhang mit dem Gegner wählen. „Die Wolfsburger haben mit Abstand die konstanteste Saison gespielt. Wir wissen, wie stark sie sind.“ Diese Gewissheit nehmen die Berliner nicht zuletzt aus ihren gemeinsamen Videostunden.

Man ist sogar fast geneigt zu sagen, es bedürfe eben jener akribischen Analyse vor dem Finale, um die Schwachstellen der Wolfsburger aufzudecken. Torhüter Jochen Reimer weist die beste Fangquote der Liga auf, die Wolfsburger Defensive ist die beste der Liga, und insgesamt zeichnet das Team eine enorme Ausgeglichenheit aus. Und dann ist da zu allem Überfluss ja noch dieser Stürmer namens Ken Magowan.

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